«Ohne Hilfe wäre die Kultur tot»: Die St.Galler Kulturministerin Laura Bucher zieht nach 100 Tagen im Amt Bilanz

Die Coronapandemie hat Buchers Start als Vorsteherin des Departementes des Innern geprägt. Sie zieht bereits erste Schlüsse aus der Krise: Sie will sich für die bessere soziale Absicherung von Kulturschaffenden einsetzen und denkt gar über Mindesthonorare nach.

Julia Nehmiz
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Regierungsrätin Laura Bucher im St.Galler Theaterprovisorium.

Regierungsrätin Laura Bucher im St.Galler Theaterprovisorium.

Bild: Ralph Ribi (2. September 2020)

Sie hat sich einen symbolträchtigen Ort ausgesucht für ihre Pressekonferenz. Im Foyer des Theaterprovisoriums St.Gallen will Regierungsrätin Laura Bucher eine erste Bilanz ihrer ersten 100 Tage als Vorsteherin des Departements des Innern vorstellen. Noch wird hier gebaut, Holzspäne und Schrauben liegen auf dem rohen Boden, aus dem Theatersaal lärmen Baumaschinen ins Foyer. Laura Bucher lässt sich davon nicht aus der Konzentration bringen. Ruhig trägt sie ihre Ansprache vor ­– dabei herrscht im Kultursektor alles andere als Ruhe. Die Coronapandemie hat das Kulturleben weiterhin fest im Griff, und hat Buchers erste hundert Tage im Amt dominiert.

Vielleicht Kulturförderung neu denken?

Laura Bucher, die ihr Amt mitten in der Pandemie antrat, ist als Krisenmanagerin gefragt. Grosse neue Kulturprojekte seien zwar angedacht, sagt Bucher, aber konkret mag sie noch nicht werden. Sie stellt ihre Ziele fürs Departement des Innern vor, im Kultursektor: Aufgegleiste Projekte wie die neue Bibliothek St.Gallen und den Neubau des Staatsarchivs weiter voran treiben, die kulturelle Teilhabe erhöhen.

Und sie präsentiert neue Zahlen: Bislang sind beim Kanton 265 Gesuche für Ausfallentschädigung von Kulturschaffenden und Kulturunternehmen eingegangen. Davon seien 49 Gesuche in Bearbeitung, 216 sind behandelt. Eine Bilanz kann Bucher noch nicht ziehen, da bis zur Eingabefrist am 20. September wohl noch Gesuche eingereicht würden. Doch sie ist zuversichtlich, dass man mit den von Bund und Kanton je hälftig gesprochenen 22 Millionen Franken zur Unterstützung des Kultursektors auskommen werde.

Laura Buchers erste 100 Tage im Amt waren von der Bewältigung der Coronapandemie geprägt.

Laura Buchers erste 100 Tage im Amt waren von der Bewältigung der Coronapandemie geprägt.

Bild: Ralph Ribi

Die Gesuche, die zur Hälfte von Kulturschaffenden und Kulturunternehmen gestellt wurden, umfassen eine riesige Bandbreite: von wenigen hundert Franken bis zum zweistelligen Millionenbetrag. Auffällig sei, dass sehr viele kleine Beträge eingereicht würden. Bucher betont, dass die Kleinstbeträge für die Betroffenen eine ebenso grosse Wirkung hätten wie die hohen Beträge für die grossen Unternehmen. Die grössten Ausfälle haben das Open Air St.Gallen, der Circus Knie und die Open-Air-Kino AG angemeldet. Und ja, ohne die Unterstützung wäre das Kulturleben tot.

Bucher hat erste Schlüsse aus der Krise gezogen, und sie hat sich Grosses vorgenommen. Sie sucht nach langfristigen Lösungen: Eine könnte sein, die Kulturförderung neu zu denken, zum Beispiel indem Kulturschaffende regelmässiger gefördert werden. Bucher denkt auch über Mindesthonorare im Kulturbereich nach. Auch die Frage nach der sozialen Absicherung für Kulturschaffende treibt sie um: Es habe sich in der Pandemie gezeigt, dass etliche mit vielen Kleinstpensen zwar ein Auskommen haben, aber keine Altersvorsorge alimentieren können. Es brauche Überlegungen, wie man das Sozialversicherungssystem umbauen könnte. Das sei zwar ein nationales Anliegen, aber sie sei überzeugt, der Kanton St.Gallen könne eine Rolle übernehmen.