Ohne Abenteuer gibt es keine Fotografie

Das Architektur Forum Ostschweiz in St. Gallen setzt auf Bewegung und Kulturgemisch bei der letzten Ausstellung in diesem Jahr. Gezeigt wird die fotografische Installation von Jiri Makovec. Mit der Fotoserie «from…to…» weckt der in Prag geborene Kunstschaffende Fernweh und Faszination.

Anna Dieckmann
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Es ist Makovecs Ziel, dass sich beim Betrachten die einzelnen Schauplätze zu einer Geschichte zusammensetzten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es ist Makovecs Ziel, dass sich beim Betrachten die einzelnen Schauplätze zu einer Geschichte zusammensetzten. (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. Auf den ersten Blick: minimalistisch. So präsentiert das Architektur Forum Ostschweiz Jiri Makovecs neue Ausstellung. Der Raum im Lagerhaus ist eine Plattform, die es städtischen Künstlern ermöglicht, ihr Werk einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. So auch Jiri Makovec, der in St. Gallen wohnhaft ist und im Jahr 2014 den städtischen Werkbeitrag erhielt. Seine Ausstellung «from…to…» zeigt Absurditäten des Alltags und verbindet spielerisch verschiedenste Orte und Situationen dieser Welt. Die Fotos ziehen sich in linearer Abfolge durch den gesamten Raum. Wenn der Betrachter an ihnen entlanggeht, setzen sich die Sequenzen zu einem filmischen Fluss zusammen.

Die Anziehungskraft der Ferne

Makovec ist ein leidenschaftlicher Reisender. In seiner Ausstellung nimmt er die Besucher quer durch verschiedene Städte und Ortschaften dieser Welt mit. Er zeigt Situationen, die auf den ersten Blick inszeniert erscheinen, doch das sind sie nicht. Seine Schauplätze sind in Rotterdam, Berlin, Xiamen, St. Gallen, Gobi, London und andere Orte. Obwohl die Fotografien nicht geordnet sind, ergibt jede Sequenz eine Geschichte. Diese Geschichten erzählen von Augenblicken im Leben ganz unterschiedlicher Menschen und ihren Kulturen. Auch löst er mit seiner Zusammenstellung beim Betrachter Assoziationen aus. So lässt etwa das Bild eines Stücks Eis auf schwarzem Untergrund, kombiniert mit einem abgedeckten Gletscher an die Erderwärmung und ihre Folgen denken. Erstmals sind auch zwei Super-8-Filme von Jiri Makovec zu sehen. In den beiden fünfminütigen Darstellungen werden ähnliche Szenen gezeigt wie in der Bildserie. Gerade die Kombination der Fotos und ihre Unterteilung in Sequenzen ist das, was den Besucher jedes einzelne Bild genauer betrachten lässt. Die Sujets sind so aufgenommen worden, dass sich der Betrachter selbst auf eine kleine Reise begibt.

Der Mann hinter der Kamera

Die für Jiri Makovec typischen quadratischen Bilder stammen von Hasselblad oder Rolleiflex-Kameras. «Für mich sind die Kameras nicht speziell, nur alt. Aber auf keinen Fall altmodisch», sagt Makovec. Die Leute seien oft fasziniert, wenn er mit seinen Apparaten auftauche. «Die Menschen, die ich durch meine Kamera hindurch beobachte, inspirieren mich», sagt Makovec. Die Abenteuerlust und Freiheit, die den Bildern innewohnen, geben der gesamten Installation ihre Anziehungskraft.

Bis 13.12., Architektur Forum Ostschweiz, im Lagerhaus St. Gallen, Di–So 14–17 Uhr geöffnet