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Zum hundertsten Geburtstag des St.Galler Friedensaktivisten Fridolin Trüb haben seine Kinder eine Ausstellung einrichtet: «Oft waren wir dabei, wenn er malte»

Im Raum 4 1/2 sind Aquarelle des Zeichenlehrer zu sehen. Der Erlös aus dem Verkauf kommt Friedensprojekten zugute.
Rolf App
Die Geschwister Trüb sichten die Kunstwerke für die Ausstellung zu Ehren ihres Vaters Fridolin Trüb. (Bild: Lisa Jenny)

Die Geschwister Trüb sichten die Kunstwerke für die Ausstellung zu Ehren ihres Vaters Fridolin Trüb. (Bild: Lisa Jenny)

Die letzten Zeichnungen sind etwa zwei Wochen vor Fridolin Trübs Tod entstanden. Werke eines 97-Jährigen, der sich im Wohn- und Pflegehaus Wienerberg in St.Gallen, wo er die letzten Jahre seines langen Lebens verbringt, gern im Rollstuhl nach draussen schieben lässt, wo er die freie Natur vor Augen und vor seinem Zeichenstift hatte. «Er hatte noch immer diesen Schwung, beim Zeichnen und auch wenn er Briefe schrieb, und gezittert hat er fast gar nicht», sagt Hansueli, sein ältester Sohn. Gemeinsam mit seinen Geschwistern Ursula, Regula und Jörg sitzt er im Projektraum 4 ½ an der Lämmlisbrunnenstrasse. Rund um uns herum Aquarelle und Zeichnungen, die eine grosse Leichtigkeit ausstrahlen. Im Schaufenster liegen Skizzenblöcke. Denn der Vater, über Jahrzehnte Lehrer für Zeichnen und Kunstgeschichte gleich gegenüber an der Kantonsschule am Burggraben, ist unablässig zeichnend und malend durchs Leben gewandert.

Verbunden auf vielen Ebenen

Was hier durchaus wörtlich zu verstehen ist. Denn gewandert ist die Familie Trüb viel, einmal im Jahr tun es die Geschwister noch heute gemeinsam. An den Wochenenden im Appenzellerland, in den Ferien im Bündnerland und im Tessin. Im Rucksack des Vaters steckten immer der grosse Block, die Farben und Pinsel samt dem Wasserfläschchen. «Oft waren wir dabei, wenn er malte», erzählt Ursula, «und oft benötigte er nur fünfzehn oder zwanzig Minuten.»

Man spürt die Verbundenheit, wenn Ursula, Regula, Jörg und Hansueli im munteren Wechsel erzählen. Die Verbundenheit miteinander, vor allem aber die Verbundenheit mit ihrem Vater, der sie stark beeinflusst hat, vielleicht gerade weil er so wenig erzieherisch eingewirkt hat.

Bereits im Elternhaus hat der heute 68-jährige Hansueli seine ersten Puppenspiele gezeigt, Figurenspieler ist er auch geworden. Auch Regula hat als Töpferin und Goldschmiedin zur Kunst gefunden. In Ursulas Feldenkrais-Kursen wirkt des Vaters pädagogisches Geschick fort. «Viele sind gern zu ihm in den Unterricht», sagt sie. Nur Jörg ist als SBB-Fahrdienstleiter den Weg ins Technische gegangen. Wobei sich beim Vater doch immerhin eine starke handwerkliche Seite findet. Im Keller des Hauses, in dem sie zur Miete wohnten, bastelten und werkten sie mit ihm, und wenn er Holz- oder Linolschnitte fertigte, funktionierte er die grosse Küche zum Werkraum um.

Das ist die eine, die künstlerische Seite Fridolin Trübs. Die andere, das ist eine dem religiösen Sozialismus seiner Eltern entspringende Politik. Trüb war stadtbekannter Friedensaktivist. Kein Mann für wütende Demonstrationen, sondern für Standaktionen, fürs Unterschriftensammeln und für das Gespräch mit Gleichgesinnten wie Andersdenkenden. Lange Zeit Ortsgruppenpräsident des Hilfswerks Helvetas, spendete er mit grosser Selbstverständlichkeit, was er mit seinen Bildern einnahm. So wird es auch diesmal sein, in der Ausstellung zu Ehren ihres Vaters: Die Einnahmen aus dem Verkauf fliessen an Friedensinitiativen und Entwicklungsorganisationen.

Das politische Engagement hat Hansueli, den Ältesten, am meisten geprägt. Er erinnert sich, wie immer wieder linke Politiker bei Familie Trüb zu Gast waren. Oder auch bürgerliche. Denn ein Cousin, freisinniger Kantonsparlamentarier aus Uznach, wohnte zu Sessionszeiten immer bei ihnen. «Und abends haben sie dann politisiert.»

Gelebte Solidarität und ein Auge fürs Schöne

Jenseits des Aussergewöhnlichen, das sich auch in einem bescheidenen Lebensstil ohne Auto und Fernseher zeigt, waren die Trübs eine ganz normale Familie. Sogar, was die Rollen angeht, sehr traditionell. Die Mutter besorgte den Haushalt und regelte die Erziehung, ausser sie forderte in besonders struben Situationen den Mann auf: «Säg emol öppis», wie Jörg erzählt. Der sagte dann «öppis», erwischte manchmal den Falschen, und versenkte sich rasch wieder ins Lesen, Malen oder Zeichnen. Die Zeitung studierte er geradezu akribisch, er liess sich dabei weder von herumtollenden Kindern noch vom Gedudel des Radios stören. Ins Wanken geriet dieses Lebensgebäude erst spät, als die Mutter einen Schlaganfall erlitt. Da kümmerte sich ihr Mann intensiv um sie, stellte alles Andere zurück und lernte sogar kochen.

Was bleibt? Was haben Fridolin Trübs Kinder mitgenommen ins Leben? «Den Wert von Solidarität über nationale und kulturelle Grenzen hinweg», sagt Hansueli. «Naturverbundenheit, Friedfertigkeit – und ein Auge fürs Schöne», zählt seine Schwester Ursula auf. «Eine gewisse Leichtigkeit», sagt Regula. Das heisst: «Dass man zufrieden ist mit dem, was man kann. Und dass man oft mehr kann, als man denkt.»

Fridolin Trüb: Aquarelle und Drucke, Projektraum 4 ½, Lämmlisbrunnenstr. 4 ½; bis 27. Oktober

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