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ÖFFENTLICHE VORLESUNG: «Bravsein führt in Abhängigkeit»

Als Jugendbuchautorin hat Federica de Cesco Lebensläufe geprägt und das Selbstbewusstsein unzähliger junger Frauen gestärkt. An vier Abenden in St. Gallen stellt sie sich dem grossen Thema «Freiheit als Lebensfrage».
Bettina Kugler

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Das schmale Buch dürfte Federica de Cesco aus der Seele sprechen. Gerade ist ein Essay aus dem Nachlass der Philosophin Hannah Arendt in deutscher Übersetzung erschienen: «Die Freiheit, frei zu sein». «Mein Thema heute, so fürchte ich, ist fast schon beschämend aktuell», schreibt Arendt in der Einleitung. «Heute», das war 1967. An Ak­tualität hat ihr Thema seither nicht verloren, weder politisch noch gesellschaftlich, auch nicht in einem friedlich freien Land wie der Schweiz.

«Manchen wird es in die Wiege gelegt, andere kämpfen ihr Leben lang mit sich, bis sie einmal den Mund aufmachen und für ihre Anliegen einstehen», sagt Federica de Cesco mit der ihr eigenen Bestimmtheit und ungestümen Energie, kaum dass wir Platz genommen und eine Kleinigkeit zum Mittagessen bestellt haben. Wir treffen sie in Luzern, wo sie vor Jahren einen ruhigen Ort zum Schreiben und Leben gefunden hat, zusammen mit ihrem Mann, dem japanischen Fotografen Kazuyuki Kitamura. Freiheit, die selbstverantwortliche Entscheidung, seinen Weg zu gehen, ist das grosse Lebensthema der Schriftstellerin mit italienischen und deutschen Wurzeln.

Schreiben: Handwerk und tägliches Abenteuer

Darüber wird sie ab kommenden Dienstag an vier Abenden im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen der Universität St. Gallen referieren. Nicht streng philosophisch, sondern erfahrungs­gesättigt, am Faden ihrer Bücher, aus denen sie auch lesen wird. «Freiheit als Lebensfrage», dazu hat Federica de Cesco einiges zu sagen. Fertige Antworten gibt es auf diese Frage freilich nicht. Jeder und jede muss sie sich immer neu stellen, den nächsten Schritt wagen: eine Lebensaufgabe.

Vielleicht auch deshalb setzt sie sich nach wie vor jeden Morgen an den Computer. Angst vor dem weissen Blatt, dem blinkenden Cursor hatte sie nie. «Ich fange einfach an; zu Beginn habe ich keinen blassen Schimmer davon, wohin sich die Geschichte entwickeln wird.» Höchst selten hat sie einen so begonnenen Roman verworfen; mit fast allen ist Federica de Cesco in ihrer freimütigen Art fertig geworden. Was nicht funktioniert, wird eben umgeschrieben. Wie viele (vorwiegend weibliche) Emanzipationsgeschichten sie, verpackt in exotische Wüsten- oder Wildwestabenteuer, seit ihrem ersten Roman «Der rote Seidenschal» erzählt hat, kann sie kaum mehr überblicken, so umfangreich ist ihre Werkliste. Dass sie manch eine ihrer Leserinnen «erzogen» hat, schärfte ihr Verantwortungsbewusstsein.

Schriftstellerin wurde sie schon mit fünfzehn; ein Schulmädchen in Hosen, mit eigenem Kopf und unbekümmertem Temperament. Die Idee zu «Der rote Seidenschal» kam ihr auf dem Weg zur Schule. «Ich war als Mädchen Pippi Langstrumpf wohl ziemlich ähnlich. ‹Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt›, das hätte von mir sein können.» Schon als Kind liebte sie es, Grimms Märchen nach- und weiterzuerzählen, nach Belieben umzuformen und auszuschmücken. Mit zwanzig musste sie dann ihren Lebensunterhalt selbst verdienen: ein Leichtes für sie. Ein Jugendbuch nach dem anderen entstand; erst für die Editions Marabout, bald auch für den Verlag Schweizer Jugend.

Die Burka ist höchstens in der Wüste nützlich

«Freiheit ist für mich das höchste Gut auf Erden», sagt sie im Dokumentarfilm, den Regisseur Nino Jacusso vor zehn Jahren über sie gedreht hat. Manchmal wird sie aber auch direkter, denn «hoffnungslose Fälle» gibt es genug. «Wenn es sein muss, dann blaffe ich zurück.» Zum Beispiel, wenn sie bei einer ihrer Schullesungen von Mädchen mit provokativer Einfalt gefragt wird: «Warum müssen Frauen denn immer stark sein?» «Ja, warum, um Himmels willen? Weil überall auf der Welt nach wie vor Frauen unterdrückt werden und damit leben müssen, dass andere über ihr Schicksal entscheiden.»

Frauen aber, die «zurückblaffen», verschaffen sich Respekt, davon ist Federica de Cesco überzeugt. «Zu viel Gehorsam führt in Abhängigkeit.»

Bei aller Offenheit und Neugier auf fremde Kulturen endet ihre Toleranz dort, wo die persönliche Freiheit beschnitten wird. «In der Wüste mag eine Burka praktisch sein und gegen Sandsturm schützen. Doch hierzulande tragen Frauen diese Burka auch innerlich.» Was aber hindert junge Schweizerinnen heute daran, mutig und selbstbewusst ihren Weg zu gehen? «Oft ist es die Angst vor dem Urteil der anderen. Viele wollen nicht anecken, möglichst allen gefallen.» Darum hat sie sich nie geschert, am Schreibtisch sitzend. Vielmehr erlebte sie dabei das sehr befreiende Gefühl, die Welt zu gestalten, wie Pippi Langstrumpf: Eine Welt, so wie sie ihr gefällt.

Dienstag 20./27.2., 6./13.3., jeweils 18.15 Uhr, Raum für Literatur in der Hauptpost St. Gallen.

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