O du fröhliche Weihnachts- und Pfingstenzeit

Daniel Falk schrieb «O du fröhliche» vor 200 Jahren. Das ursprüngliche «Allerdreifeiertagslied» gehört zu den drei beliebtesten Weihnachtsliedern im deutschsprachigen Raum. Falk kam aus Danzig nach Weimar, wurde dort zum Enfant terrible. Goethe wollte ihn mal abschieben lassen.

Roland Mischke
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Goethe war empört, der Emporkömmling sollte in der Residenz Weimar kein Asyl haben. Doch der Fürst weigerte sich, Johannes Daniel Falk abschieben zu lassen. Das gefiel dem 1768 in Danzig geborenen Sohn eines Perückenmachers, einem talentierten Entertainer. Sein Marionettenspiel «Die Prinzessin mit dem Schweinerüssel» karikierte den Weimarer Hof, vor allem auf Schranzen und Speichellecker hatte der kühne Stückeschreiber es abgesehen. Falk war schon als gescheit-renitentes Kind auffällig geworden. Er hatte eine spitze Zunge und beeindruckte die Danziger Gesellschaft mit seinem unverblümten Witz.

Ein Herz für Kinder

Er studierte von 1787 an Theologie in Halle an der Saale. Doch in den Pfarrer-Stand rückte er nie ein, literarische Ambitionen trieben Falk um, der sich 1897 in Weimar ansiedelte, weil er vermutlich Goethe, Schiller, Herder und Wieland nahe sein wollte. Er heiratete und hatte mit seiner Frau sieben Kinder; vier davon verloren sie, als eine Typhusseuche das Städtchen heimsuchte.

Ein Ironiker mit weitem Herzen. Vor allem für Kinder. Die napoleonischen Kriege hatten Thüringen arg zugesetzt, viele Menschen starben, Waisenkinder irrten herum. Falk gründete im Lutherhof (heute Luthergasse 1 A) ein «Rettungshaus für verwahrloste Kinder», sorgte für Kleidungs- und Nahrungsspenden. In der Sonntagsschule wurden die Geretteten von ihm unterrichtet. Falk gilt als Begründer der Jugendsozialarbeit. Der Pionier der Wohlfahrtspflege hat in Weimar ein Denkmal.

Auch Ostern und Pfingsten

Nachdem Falk das Marienlied «O sanctissima, / o piissima, / dulcis Virgo Maria!» gehört hatte – die in Weimar ansässige Falk-Gesellschaft vermutet, dass ein italienisches Waisenkind das Lied trällerte –, machte er daraus einen Text, mit dem er die Kinder an die hohen Feste der Christenheit erinnerte. Das war 1815, fand Kirchenhistoriker Herbert von Hintzenstern heraus. 1816 gehörte das «Allerdreifeiertagslied» schon zum «Pflichtliedkanon der Waisen».

«O du fröhliche» gehört Umfragen zufolge nach «Stille Nacht, heilige Nacht» von Joseph Mohr und «Last Christmas» von George Michael zum drittbeliebtesten Weihnachtslied. Das allein will es aber nicht sein. Falk geht es in der ersten Strophe um Weihnachten: «O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! (. . .). Strophe zwei gilt Ostern und Strophe drei Pfingsten: «O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit! Christ unser Meister, heiligt die Geister.» Das ist die Fassung nach Falks Tod 1826; im selben Jahr nahm Kirchenliederdichter Heinrich Holzschuher eine Überarbeitung vor.

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