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«Nur Unterricht organisieren reicht für eine Musikschule heute nicht mehr»

18 Jahre präsidierte Andreas Schweizer den Verband Musikschulen Thurgau. Er hat das Musikschulwesen im Kanton professionalisiert. In Zukunft brauche es aber einen Strukturwandel. Die Musikschulen müssten sich bewegen, sagt Schweizer.
Martin Preisser
Er ist im Thurgau fast so etwas wie der «Mister Musikschulen»: Der scheidende Verbandspräsident Andreas Schweizer. (Bild: Donato Caspari)

Er ist im Thurgau fast so etwas wie der «Mister Musikschulen»: Der scheidende Verbandspräsident Andreas Schweizer. (Bild: Donato Caspari)

Hinter seinem Bürotisch im Weinfelder Zentrum für Musik und Tanz hängt ein riesiges Foto der recht bedrohlich wirkenden Nordwand des Pizzo Badile. Andreas Schweizer hat sie mehrfach durchstiegen. Dieses Jahr war die Westwand des Piz Bernina dran. Der studierte Cembalist ist beim Schweizer Alpenclub SAC Kommissionspräsident Bergsport.

«Die Balance zwischen Breiten- und Spitzenförderung ist im Sport wie in der musikalischen Bildung das gleiche Thema», sagt der versierte Alpinist. 18 Jahre war Schweizer Präsident des Verbands Musikschulen Thurgau. Jetzt gibt der Leiter der Musikschule Weinfelden das Amt ab. «Die Thurgauer Musikschulen brauchen dringend einen Strukturwandel. Die Überprüfung der Qualitätssicherung und -entwicklung steht im Vordergrund sowie ein genauer Blick auf die zukünftige Finanzierung.»

«Musikschulen müssen aus dem dunklen Kämmerchen heraus»

Schweizer hat in den letzten Jahren die Musikschule Weinfelden zu einem Zentrum ausgebaut, an dem heute rund 2400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Eine echte Erfolgsstory, die anderen Musikschulleitern im Kanton auch Angst machen könnte, wie Schweizer selbstbewusst zugibt. «Die Musikschulen müssen teilweise aus ihrem dunklen Kämmerchen heraus und aktiver werden.»

14 anerkannte Schulen sind dem Verband Musikschulen Thurgau angeschlossen, darunter viele kleine. Musikschulen hätten, um in Zukunft eine klarere Legitimation zu haben, mehr Aufgaben als nur Musikunterricht zu organisieren. Sie müssten zu breit aufgestellten Anlaufstellen, zu Zentren umfassender musikalischer und musikpädagogischer Kompetenz werden.

Fast 300 000 Musiklektionen

468 Lehrpersonen unterrichten an den Thurgauer Musikschulen. 8646 sogenannte Fachbelegungen pro Jahr weist die Statistik aus. Die Zahl umfasst die Einzellektionen an Musikschulen sowie Mitwirkungen in Ensembles. Schweizweit zählt man an Musikschulen rund 290 000 Fachbelegungen. (map)

Schweizer nennt in diesem Kontext Themen wie Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und Vernetzungsarbeit, die den Namen wirklich verdiene. Musikschulen müssten vermehrt Kontakte zu Vereinen, etwa zur Blasmusik oder zu Chören, knüpfen, aber auch zu Vertretern der politischen Behörden. «Kurz: Wir müssen unsere Kunden vor Ort abholen. Die Musikschulen müssen breiter aufgestellte Dienstleister werden», sagt Schweizer. «Das können kleine Schulen nicht leisten; Fusionen zu grösseren Einheiten sind unerlässlich.»

Direkter Draht zur Regierungsrätin

In den vielen Jahren seiner Präsidentschaft beim Verband Musikschulen Thurgau hat der umtriebige, ja fast rastlos lobbyierende Andreas Schweizer das Thurgauer Musikschulwesen deutlich auf ein professionelleres Niveau gehoben. Sein hervorragender Draht zu Regierungsrätin Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur, ist bekannt. So manche Sparübung hat er abwenden und viele Lösungen erreichen können, die den Musikschulen im Kanton auch politisch mehr Akzeptanz brachten.

Besonders hat sich Schweizer auch für die Begabtenförderung engagiert. Für die Umsetzung der 2012 vom Volk angenommenen Initiative «Jugend und Musik» im neuen Bundesverfassungsartikel 67a besitzt die Thurgauer Begabtenförderung heute nationalen Vorbildcharakter.

Der Kanton wird zukünftig genauer hinschauen

Um Strukturreformen für die Thurgauer Musikschulen in Zukunft aufzugleisen, brauche es einen neuen Präsidenten, der nicht als Musikschulleiter im Tagesgeschäft stecke, sondern die Dinge gelassen von aussen anschaue, findet Andreas Schweizer. Die Reformen müssten die Musikschulen aber selbst einleiten.

«Die zukünftigen Aufgaben können nicht an den Staat abgeschoben werden.»

«Die zukünftigen Aufgaben können, trotz finanzieller Unterstützung des Kantons, nicht an den Staat abgeschoben werden. Die Schulen brauchen weiterhin die Freiheit, um dynamisch handeln zu können.» Über neun Millionen Franken gibt der Kanton jährlich für die Musikschulen aus. Eine neue Arbeitsgruppe beim Amt für Volksschulen will sich mit den Themen Finanzierung und Qualitätskontrolle befassen. «Der Kanton hat lange weggeschaut, auch bei der Frage, ob die Gelder wirklich fair verteilt sind und die Arbeit an den verschieden aufgestellten Musikschulen mit gleich langen Spiessen gemessen wird.»

Thurgauer Verband schweizweit einflussreich

Unter Andreas Schweizer hat sich der Verband Musikschulen Thurgau zu einem der schweizweit einflussreichsten entwickelt. Besonders am Herzen liegt dem scheidenden Präsidenten der bereits zehnmal durchgeführte kantonale Musikwettbewerb. Dass nur 15 Prozent der Thurgauer Musiklehrpersonen hier mit von der Partie sind, enttäuscht ihn.

Bergsport und Musikpädagogik, dafür schlägt das Herzblut des 50-Jährigen: «Sowohl Sport wie Musikmachen spielen eine enorme Rolle für junge Menschen, als Gegenpol zur immer schneller fortschreitenden Digitalisierung.»

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