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Nun werfen sie sich Verrat an der Literatur vor

Das ist doch mal eine muntere Kollegenschelte: Zwei Schweizer Schriftsteller werfen sich vor, die Literatur zu verraten! Protagonisten sind Peter Stamm und Jonas Lüscher. Der eine ortet Rückzug ins bloss Ästhetische, der andere Verrat der Kunst an die politische Botschaft.
Hansruedi Kugler
Peter Stamm Schriftsteller

Peter Stamm Schriftsteller

Das ist doch mal eine muntere Kollegenschelte: Zwei Schweizer Schriftsteller werfen sich vor, die Literatur zu verraten! Protagonisten sind Peter Stamm und Jonas Lüscher. Der eine ortet Rückzug ins bloss Ästhetische, der andere Verrat der Kunst an die politische Botschaft. Ort des Disputs: Das Literaturfest «Züri liest» und der «Tages-Anzeiger». Jonas Lüscher attackierte am Mittwoch Vorjahres-Redner Peter Stamm. Dieser habe Kollegen, die sich politisch äussern, als Profilneurotiker kritisiert – spürbar auf Lukas Bärfuss zielend. Die Replik von Peter Stamm folgte gestern im «Tages-Anzeiger»: Er wolle die Literatur gerade vor falschen Erwartungen in Schutz nehmen. Denn im «Geschrei <aktueller> Bücher» ginge innovative, mutige, experimentierende Literatur verloren. Wie zum Beweis dieser These fügt er an: «Während Lukas Bärfuss schon etliche bedeutende Schweizer Literaturpreise erhalten hat, haben viele stille Autoren wie der unvergessene Markus Werner in diesem Land nie einen wichtigen Preis bekommen.» Niemand aber wolle Bärfuss zum Schweigen bringen, auch wenn dessen Rundumschläge nur oberflächliche Schmerzen verursachten. Dagegen hatte sich Stamm vor einem Jahr gewehrt, als er sagte: «Es darf nicht sein, dass wir das Geschrei der SVP-Plakate mit noch lauterem Geschrei übertönen.»

Von Romanautoren eine Abstimmungsempfehlung zur Energiewende einzuholen, wäre gewiss lächerlich. Schweigen müssen sie deshalb sicher nicht. Dass Jonas Lüscher allergisch auf Stamms Verallgemeinerung reagiert, ist verständlich, hat er doch als politischer Philosoph schon brillante Essays zum Beispiel über Populismus veröffentlicht. Seine Beschäftigung mit solchen Phänomenen fliesst auch in seine Romane ein. Peter Stamm hat ein anderes Künstlerverständnis, was ihm unbenommen ist. Anderen eine Profilneurose zu unterstellen, ist überflüssig. Es gibt Beispiele von Autoren, die beides geschrieben haben: Peter Bichsel hat jahrzehntelang politisch kommentiert – seine Romane sind deswegen nicht schlechter. Vielleicht hört man ihm ja auch gerne zu, weil man den Reden von Politikern und Experten gelegentlich überdrüssig ist und ihn als unbefangenen, klugen Menschen schätzt. Schliesslich aber darf hierzulande der Leser selbst entscheiden, ob er einen Roman oder einen Kommentar anregend und plausibel findet.

Jonas Lüscher Schriftsteller (Bilder: Keystone)

Jonas Lüscher Schriftsteller (Bilder: Keystone)

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