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NOVELLEN: Menschen in der Falle

Kann der Mensch seinem Schicksal entkommen? Nein, meint der Diessenhofer Autor Volker Mohr. Sein jüngster Erzählband «Die stille Brandung» vereint neue Variationen des Unwägbaren.
Volker Mohr lotet tiefere Schichten hinter der Logik aus. (Bild: PD)

Volker Mohr lotet tiefere Schichten hinter der Logik aus. (Bild: PD)

Es schien ihm, «dass das Beschaulich-Harmonische des Bildes nicht seine Sache war». Was für den kauzigen Maler Manfred Orban gilt, trifft auch auf den Schriftsteller Volker Mohr zu: In seinen Romanen und Erzählbänden dekliniert er das Dämmrige, Düstere, Drohende dieser Welt. Mohr zeigt es fast immer als schicksalhaft und unausweichlich. Der Mensch ist klein und hilflos, aus dem Nichts taucht ein Verderben auf, dem er nicht entrinnen kann.

«Aus dem Nichts» heisst auch die erste der sechs Novellen in Mohrs neuestem Band «Die stille Brandung». Der Sommer ist heiss, und Maler Orban steckt in einer Schaffenskrise. Er schläft nicht, trinkt häufiger einen Weissen in der Kneipe, hört Glocken, die sonst keiner hört, sieht eine Wespe, dann Dutzende, Hunderte, die sich über die Menschen hermachen. Dann erkennt er unter dem Asphalt ein riesiges Feld noch verschlossener Waben voller Larven und Puppen. «Dass sie schlüpfen würden, war nur noch eine Frage der Zeit.»

Ein sinkendes Schiff und die Welt in Spiegelschrift

Eines prächtigen Tages steigt Herbert Klein die Statue hoch, die vor kurzem in seiner Stadt eingeweiht worden ist. Die Medien haben von einem Symbol der Freiheit gesprochen, einem Signal gegen die freiheitsfeindlichen Mächte hüben wie drüben. Klein steigt höher und höher, die Treppe verjüngt sich, immer weniger Besucher kommen ihm entgegen. Dann steht er vor der Türe zur Krone, aber keine Aussicht empfängt ihn. Die Tür fällt zu.

Ein Investor, der ein ganzes Tal dem touristischen Fortschritt geopfert hat, gönnt sich eine der selten gewordenen Skitouren. Es ist seine letzte. Und niemand glaubt einem Kreuzfahrtpassagier, dass der Dampfer in Schieflage sei. Alle verschwören sich gegen ihn, setzen ihn auf einem Beiboot aus, das Schiff verschwindet. Ein Lehrer sieht plötzlich alles in Spiegelschrift, aber keiner glaubt ihm, er wird zum Aussenseiter.

Todesmarsch entlang der Autobahn

Geschickt variiert Volker Mohr Themen, Gestalten, Geschehnisse. Verstörend enden seine Novellen, düster und apokalyptisch gar die letzte und längste, die dem Buch den Namen gibt. Ein Paar fährt auf der Autobahn. Die zwei sind mit ihrer Mutter in der Stadt verabredet. Der Verkehr wird dichter, bald stecken sie im Stau, hören Einsatzfahrzeuge und einen Hubschrauber. Das Radio klingt vage, der Stau wird dichter, die Ungewissheit bleibt. Sie gehen zu Fuss weiter, der nächsten Ausfahrt entgegen. Eine Raststätte ist ein Ort des Grauens: der Kiosk geplündert, Blut am Boden. Weiter! Dann stellt der Mann entmutigt fest: «Wir sitzen in der Falle.»

Dieter Langhart

So, 25.3., 17 Uhr, Kultur im Horn, Meilen: Buchvernissage

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