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Peter Kraus liefert im KKL
Nostalgie in der Endlosschlaufe

Früher war alles besser. Der Rocker und Entertainer Peter Kraus schwelgt im KKL in den alten Zeiten. Mit viel Augenzwinkern.
Roman Kühne
Peter Kraus (80) beim Konzert im KKL. (Bild: Dominik Wunderli 16.4.2019)

Peter Kraus (80) beim Konzert im KKL. (Bild: Dominik Wunderli 16.4.2019)

80 Jahre alt ist er. Aber der österreichische Entertainer Peter Kraus schwingt die Hüfte, kickt mit den Beinen und springt durch die Luft. Wann hat es nur begonnen, dass der Mensch nicht mehr altern wollte? Wo ist der Anfang zu finden dieser Bewegung der «Ewig-Jungen». Der Ursprung muss irgendwo in den 50ern und 60ern liegen. Moment des Umbruchs und Vorwärtsdrangs. Epoche der Jeans und des Rock ’n’ Rolls. Elvis Presley, Johnny Cash oder Chuck Berry waren die Namen. Und wer damals diese Musik hörte und Leder trug, macht es wohl auch heute noch.

Kraus ist ein Aushängeschild der «fitten Alten». Mit Büchern wie «Für immer Jung» gibt er die Leitplanken vor. Die Begegnung mit ihm im KKL am Dienstagabend ist für viele Zuschauer auch ein Wiedersehen mit ihrer wilden Zeit. Der Sänger, Filmschauspieler und Künstler ist quasi der Inbegriff dieses «forever twenty something». Und so tritt er auch auf die Bühne des KKL. Jeans, Lederjacke und ein weisses Hemd. Die Zeit ist stehen geblieben.

Die Musik allerdings auch. Das Konzert ist eine Feier, ja Huldigung an die damaligen Jahre. «Roll Over Beethoven» von Chuck Berry, «Sag mir wo die Blumen sind» von Marlene Dietrich, der Jazzstandard «I Can’t Give You Anything, But Love» oder «Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett» (Bill Ramsey). Es ist eine Lustfahrt durch den deutsch-amerikanischen Rock- und Schlagerzirkus. Im zweieinhalb Minutentakt werden die Texte und Melodien gewechselt. Eingezäunt durch die typische Single-Länge von damals. Aber Peter Kraus war noch nie der grosse Chart-Stürmer, was die längeren Platten angeht.

Er weiss, wo die stimmlichen Grenzen sind

Praktisch all seine Erfolge feierte er mit Auskopplungen. «Mach dich schön» oder «Sugar Baby». Ganze siebzehn Top-Ten-Erfolge erreichte er in seiner Karriere. Und er bringt sie praktisch alle heute Abend. Geschätzte 40 Songs werden mal ganz ausgespielt, mal in Form eines Medleys dargeboten.

Neben dem Nostalgieeffekt – das 50-plus-Publikum könnte wohl viele der Texte mitsingen – ist es die nach wie vor hohe Qualität und Ironie von Peter Kraus, welche dem Abend relaxt den Staub wegwischen. Er weiss genau, wo die stimmlichen Grenzen sind, bleibt locker, singt selten gepresst. Seine Elvis-Imitation, der blubbernde Schluckaufgesang, ist massstabsgetreu. Den im Jailhouse Rock fabrizierten Hüftschwung könnten wohl nur wenige der Zuschauer nachmachen.

Vor allem jongliert Kraus immer wieder mit seinen Nummern und der Verklärung jener Zeit. «Gar nicht so einfach, im fortgeschrittenen Alter den Tiger zu mimen», oder ans Publikum gerichtet: «Ach, Sie gehen noch nicht nur Pippi machen» – die Lacher sind ihm auf alle Fälle gewiss. Typisch ist auch, dass alle in der Band mindestens dreissig Jahre jünger sind als der Sänger. Aber auch damit hat Kraus kein Problem: «Nein der Stuhl ist nicht für mich. Er ist für den Bassisten, der geht auf die Fünfzig zu.» Ein Lebensgefühl zwischen Augenzwinkern und Oldiefeeling.

Man staunt ob der Kraft des Seniors

Der Band lässt er immer wieder Auslauf. Solos auf der Gitarre, den Keyboards oder an der Mundharmonika reissen die Stücke aus ihrer üblichen Form. Kraus war nie der grosse Innovator. Aber seine Kopien sind perfekt. Und als das Konzert sich seiner dritten Stunde nähert, mag man nur noch Staunen ob der Energie, welche der Senior versprüht. «Ich spiele in den nächsten fünf Minuten eine Kompilation meiner Top-Hits. Die möchte niemand mehr hören». Trotz Länge ist das Konzert eine Reise in der Zeitmaschine. Quasi ein Warmlaufen für seine Tournee im Oktober, die dann endgültig die letzte sein soll. Wer’s glaubt.

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