Normalbetrieb im Theater St.Gallen, erste Absage im Frauenfelder Eisenwerk: Wie die regionalen Kulturveranstalter mit dem Corona-Virus umgehen 

Corona-Virus überall: Die Kulturveranstalter der Region spüren erste Einbussen – oder dürfen nicht mehr spielen.

Julia Nehmiz
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Schrecken der Veranstalter: leere Reihen. Noch wird im Theater St.Gallen gespielt, nicht aber in Bregenz und Liechtenstein.

Schrecken der Veranstalter: leere Reihen. Noch wird im Theater St.Gallen gespielt, nicht aber in Bregenz und Liechtenstein.

Bild: Jil Lohse

Das öffentliche Leben ist betroffen: Einschränkungen wegen des Corona-Virus werden grösser, oder zumindest gefühlt grösser. Wie unterschiedlich die Krise gehandhabt wird, und wie unterschiedlich die Veranstalter in der Ostschweiz und im grenznahen Ausland damit umgehen, zeigt eine kleine Umfrage.

Landestheater Bregenz

Am Dienstag verkündete der österreichische Kanzler, dass Indoor-Veranstaltungen nur noch für bis zu maximal 100 Zuschauer erlaubt sind. Und zwar bis Anfang April. «Das war ein Schock», sagt Stephanie Gräve, Intendantin des Landestheater Bregenz. «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ein Verbot so schnell so weit greift.» Alle Vorstellungen im Grossen Haus samt Premiere der Co-Produktion «Bitte nicht schütteln» wurden abgesagt.

Stephanie Gräve,  Intendantin Vorarlberger Landestheater Bregenz

Stephanie Gräve, Intendantin Vorarlberger Landestheater Bregenz

Bild: Anja Koehler

«Die Wahrscheinlichkeit, dass wir alle ausfallenden Vorstellungen nachholen können, ist gering», sagt Gräve. Sie vertraue auf die Experten, die Massnahmen seien notwendig – und sie vertraue auf das Land Vorarlberg, dass man Lösungen finde für die finanziellen Einbussen des Theaters.

Einzig in der kleinen Spielstätte Box (58 Plätze) und im Theatercafé (jetzt reduziert auf 80 Plätze) können noch Veranstaltungen stattfinden. Gräve klärt ab, ob man die Videoaufzeichnung der Inszenierung «Antoinette Capet» auf die Homepage stellen kann. Oder ob ihr Ensemble kleine Grussbotschaften online veröffentlicht, um den Kontakt zum Publikum trotzdem zu halten.

Theater St.Gallen

«Grundsätzlich läuft der Betrieb im Haus derzeit wie gewohnt: Wir proben, wir spielen», antwortet der geschäftsführende Direktor Werner Signer per Mail. Es gebe Anfragen von Besucherinnen und Besuchern, ob Vorstellungen stattfinden.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Theater St.Gallen

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Theater St.Gallen

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

«Und es ist leider so: Wir sind betroffen von Ticketumtausch.» Vereinzelt würden Tickets zurückgeben, häufiger würden sie auf andere Termine umgebucht. Auch wenn die Möglichkeit eines generellen Verbots bestehe: «Wir hoffen noch und sind guter Dinge, dass das nicht nötig werden muss. Denn unsere Arbeitsmotivation als Theaterschaffende ist es, Theater zu spielen – gerade auch jetzt, um einen Beitrag zur Normalität zu leisten.»

Theater Konstanz

Stand Mittwochnachmittag ist hier noch Normalbetrieb. «Das kann sich jederzeit ändern», sagt Presseverantwortliche Dani Behnke. Doch noch gebe es weder vom Landkreis noch von der Stadt noch vom Bundesland Anweisungen, die das Theater Konstanz betreffen.

Ausverkauft, trotz Corona: «Wonderful World» am Theater Konstanz mit Terrence Ngassa (links, als Louis Armstrong) und Siggy Davis.

Ausverkauft, trotz Corona: «Wonderful World» am Theater Konstanz mit Terrence Ngassa (links, als Louis Armstrong) und Siggy Davis.

Bild: Ilja Mess

Auch das Publikum sei gelassen. Die Vorstellungen: sehr gut besucht bis ausverkauft. Ein einziges Mal bat eine Zuschauerin, zwei Karten zurückgeben zu dürfen. Ansonsten wird gespielt und geprobt, wie zuvor auch.

Tak Liechtenstein

Das Theater teilte am Mittwochnachmittag mit, dass sämtliche Veranstaltungen bis 19.April abgesagt würden. «Wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Publikum und den Künstlern, die uns zwingt, auf die Bremse zu treten», sagt Jan Sellke.

Aus Sorge um die Gesundheit: Bis 19.April finden im Tak Liechtenstein keine Veranstaltungen statt.

Aus Sorge um die Gesundheit: Bis 19.April finden im Tak Liechtenstein keine Veranstaltungen statt.

Bild: PD

Im Nachbarkanton Graubünden seien schon seit längerem Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen verboten, in Österreich gelte jetzt das Verbot für mehr als 100 Personen. Und nein, die Absage sei kein vorauseilender Gehorsam. Man wolle schlicht nicht, dass Besucher kränker heimgingen als sie ins Theater kamen. Aktuell sei man daran, mit allen Künstlerinnen und Künstlern Ersatztermine für die Auftritte zu suchen.

Eisenwerk Frauenfeld

Die Auswirkungen des Corona-Virus machen sich mittlerweile auch in Frauenfeld bemerkbar. «Ich habe soeben die erste Absage entgegengenommen», sagt Claudia Rüegsegger. Die US-Band Mojo Monkeys, am Donnerstag, 12.3. hätte spielen sollen, hat die Europatournee abgesagt. Einer der Musiker gehört zur Risikogruppe, er leidet an Vorerkrankungen.

Claudia Rüegsegger, Eisenwerk Frauenfeld

Claudia Rüegsegger, Eisenwerk Frauenfeld

Bild: Dieter Langhart

Die grösste Sorge aber sei, sagt Rüegsegger, dass das Publikum ausbleibe. «Boni Koller war bislang ein Garant für ein volles Haus», sagt Rüegsegger. «Letzte Woche kamen zu seinem Konzert nur neun Zuschauer.» Auch für andere Konzerte, bei denen der Vorverkauf früh angezogen hatte, kam seit Anfang März keine einzige Reservation mehr rein. «Wir sagen aktuell nichts prophylaktisch ab.» Aber in der allgemeinen Verunsicherung sei es schwierig, zu planen.

Palace St.Gallen

Die Programmverantwortlichen warten auf den Bundesbeschluss vom Freitag. «Wir hoffen, dass wir die Veranstaltungen weiterhin durchführen können, so wie jetzt», sagt Fabian Mösch. Man konnte schnell reagieren, habe ein Tool programmiert, um einen schnelleren Einlass zu gewährleisten.

Fabian Mösch vom Palace St.Gallen

Fabian Mösch vom Palace St.Gallen

Bild: Benjamin Manser

Doch wie im Eisenwerk Frauenfeld spüren sie im Palace die Verunsicherung auf Seiten der Künstlerinnen und Künstler: «Viele US-Bands sagen ihre Europatourneen ab.» Soeben habe er die erste Absage bekommen. Mösch versucht nun, diesen Auftritt auf den Herbst zu verschieben.

Und man merke: Statt spontan am Abend noch ins Palace zu gehen, entscheiden sich mehr Leute zu Hause zu bleiben. «Unsere Rolle als Kulturveranstalter ist doch, eine Alternative zum Alltag anzubieten», sagt Mösch. Dies wolle man bewahren.

Kleinaberfein St.Gallen

Auch kleine Veranstalter sind betroffen. Der St. Galler Jazzkonzert-Veranstalter Richard Butz musste den Auftritt des Sylvie Courvosier Trio absagen. Zu viele Zuschauer annullierten ihre Reservationen.

Richard Butz, Veranstalter der Reihe Konzertreihe Kleinaberfein St.Gallen

Richard Butz, Veranstalter der Reihe Konzertreihe Kleinaberfein St.Gallen

Bild: Ralph Ribi

«Ich habe das sehr ungern abgesagt, aber unter diesen Umständen kann ich das nicht durchführen», sagt Richard Butz. Lieber zahlt er ein Ausfallhonorar, als dass er auf den Konzertkosten sitzenbleibt.

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