Nordwind in einer wunderbaren Stimme

Im Rahmen der Diplomkonzerte der Jazzschule St. Gallen überraschte die Sängerin Claudia Saborowski mit einem wunderbar melancholischen Ausflug in den Norden.

Michael Hasler
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Kaum vorstellbar, dass die Stadtsanktgallerin Claudia Saborowski einem breiteren Pop- und Jazzpublikum noch kein Begriff ist. Als sie am Dienstagabend im Konzertsaal des Bahnhofgebäudes gegen die 30 Grad heisse Wand aus stickiger Luft ansingt, gelingt es ihr beim dritten, vierten Ton, einem Gänsehaut über die erhitzte Haut zu treiben.

«Glom» – nach eigener Aussage lediglich ein hübscher Neologismus – nennt sich ihr ausgewogenes Quintett mit Sandra Bötschi (Saxophon,

Klangstäbe und Melodika), Marcel Schärli (Piano), Stephan Reintaler (Stehbass) sowie Toni Schilter (Drums). Fernab von gestelzten Jazzharmonien und polyrhythmischen Bemühungen ist Saborowski auf der Bühne «nur» und zum Glück einfach eine wunderbare Sängerin, die den Nordwind in jedem ihrer Songs in der Stimme trägt. Ob in Island oder in Schweden, treffsicher hat Claudia Saborowski Songs des Nordens zusammengesucht und sie zu ihren eigenen gemacht.

Nach Quellen, Moos und Lavagestein sollen ihre Songs klingen, beschreibt Saborowski ihre Projektidee. Und schafft die eigene Vorgabe spielend. Mehr noch: Sie berührt mit ihrer ehrlich unprätentiösen Stimme, verzaubert durch das Gespür für die Reduktion ihres Organs und lässt sich nur dann tief in die Seele blicken, wenn sie das durch und durch will.

Claudia Saborowski vollbringt an diesem Abend ein ganz kleines Wunder, wie es eine lebendige Musikszene allgemein und eine Jazzszene insbesondere nur zu sehr braucht. Den Gambrinus-Programmverantwortlichen oder dem Nordklang Festival sei diese junge Frau wärmstens empfohlen. Eine unverhoffte Entdeckung.