Nördliche Trauer, südliche Freude in Luzern

Zwei Schlüsselwerke von Brahms und Monteverdi prägten das Programm von Lucerne Easter.

Drucken
Teilen

Auch wenn die Osterausgabe des Lucerne Festival programmlich ausufert (bis zu Tschaikowskys «Eugen Onegin»), so bleibt doch geistliche Musik das Zentrum. Mit pikanten Gegenüberstellungen, wie diese Woche zu erleben war.

Requiem mit Haitink

Das Deutsche Requiem gehört – als einziger Chorbeitrag – in den Brahms-Zyklus von Bernard Haitink (Fortsetzung und Finale der siebenteiligen Reihe im Sommer). Altersweisheit verlockt den 82jährigen Maestro nicht zu Abgeklärtheit, sondern zu tätiger Auseinandersetzung. Sein Brahms-Bild, das spürte man bei der ergreifenden Chorschöpfung deutlich, setzt an die Stelle von Pathos eine Gelassenheit von fast schwebender Leichtigkeit. Bezeichenderweise rückte Haitink dem Requiem den kurzen Begräbnisgesang voran – eine Reflexion des jungen Brahms über das unaufhaltsame Ende.

Mit dem Chamber Orchestra of Europe pflegt Haitink seit langem eine innige Verbindung. Keine lastende Schwere, vielmehr eine von kammermusikalischem Geist geprägte Lockerheit zeichnet das Orchester ebenso aus wie den herausragenden Arnold Schoenberg Chor aus Wien. Auch hier bleibt Beweglichkeit oberste Devise – schlanke Stimmführung, feinste Dynamik vom Pianissimo bis zur dramatischen Ballung.

Marienlob mit Savall

Vom Norden in den Süden: Claudio Monteverdis Marienvesper von 1610 steht an der Schwelle von der Renaissance zum Barock. Damals in Mantua am Hof der Gonzagas vollzog sich eine musikalische Revolution, und «il divino Claudio» war ihr Bannerträger.

Während Brahms im Requiem die Stimmung von Trauer und Trost bruchlos durchhält, erklingt das Marienlob Monteverdis in vielfältigsten Facetten – von den meditativen Psalmen über die eleganten Concerti bis zum überwältigenden Magnificat-Jubel. Südlich sinnlich war denn auch die Interpretation durch den Katalanen Jordi Savall und seine erprobten Musiker von «Le Concert des Nations» und «La Capella Reial de Catalunya». Die Freiheit, die Monteverdis Partitur gewährt, versteht Savall auf vitale Art zu nutzen, Sängerinnen und Sänger wechseln ihre Positionen, sogar Echowirkung wird diskret eingesetzt. Ein Festgesang im nüchternen Konzertsaal. Mario Gerteis