Nochmals seiner Kunst gegenüber

Letztes Jahr ist der Speicherer Künstler und Kunstvermittler Hansjörg Rekade gestorben. Eine Doppelausstellung erlaubt jetzt einen Blick auf seine facettenreichen Bildwelten.

Martin Preisser
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Galerie vor der Klostermauer: Der Atelierschrank als Schatzkiste – mit Bildern von Hansjörg Rekade. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 6. Oktober 2016))

Galerie vor der Klostermauer: Der Atelierschrank als Schatzkiste – mit Bildern von Hansjörg Rekade. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 6. Oktober 2016))

Starten sollte man, wenn man sich auf die lohnende Reise durch Hansjörg Rekades Arbeiten aus dreissig Jahren begibt, in der Galerie vor der Klostermauer. Im oberen Raum hängen die fünf letzten Arbeiten des 2015 69jährig verstorbenen Künstlers. Die wenigen Striche, aufs Wesentliche der Aussage reduziert, wirken wie ein Abschiedsgruss. «Ja – Gute Nacht» heisst es da neben einer typischen Rekade-Figur, bei der – oft wiederkehrend in seinem Werk – ein grosses Auge besonders hervortritt.

Comicartiges neben ernstem Hintergrund

Da gibt es noch den «Clown mit Gitarre», der symbolisch stehen mag für ein Werk, dessen Vielfalt man dann in der Arboner Galerie Bleisch weiterverfolgen kann. Die skurrilen, witzigen, teils absurden Arbeiten sind das, woran man sich bei Hansjörg Rekade zuerst erinnert. «Mir gegenüber» heisst die Doppelausstellung. Das Gegenüber ist ein Kernthema in seiner Kunst, oft ausgedrückt in Gesichtern, Figuren, Masken und Augen. Neben dem Spontanen, dem Comicartigen gibt es aber auch den ernsten Kontext. In Arbon sind nicht wenige Arbeiten zu sehen, die kräftig expressiv gestaltet durchaus eine starke existenzielle Note ausstrahlen. Menschen, eingepfercht in eine Kiste, wie in freiem Fall. Gesichter in Angst. Oder viele kleinformatige Malereien, auf denen sich die Figuren durchaus kräftig in einer nicht heilen Welt behaupten müssen.

Viele Arbeiten scheinen bunt und lustig, manche wirken gar märchenhaft, sie erlauben oft aber immer den schnellen Übergang zum Abgründigen. Cartoonähnliches, aber auch Anklänge an Art brut strahlen Rekades reiche Bildwelten aus. «Sie verführen zum Schmunzeln und vermitteln zugleich ernsthafte Tiefe und lassen uns nachdenken», sagt Monika Jagfeld, Leiterin des St. Galler Museums im Lagerhaus. Hansjörg Rekade sass dort 16 Jahre im Stiftungsrat und war auch bei der Anstellung von Monika Jagfeld beteiligt.

Hansjörg Rekade wäre am liebsten Kunstmäzen gewesen, sagt seine Ehefrau Margrith. Als Künstler hat er sich selbst nicht gerne bezeichnet. Die Gedenkausstellungen beweisen, dass das zu viel Bescheidenheit war. «Es scheint, als hielte er immer eine Distanz zu seinem eigenen Werk. Die Kunst war sein Gegenüber, das ihn spiegelt», sagt Monika Jagfeld. «Hansjörg Rekades Arbeiten erzählen ein turbulentes Innenleben», findet Galerist Adrian Bleisch, der dem Künstler seit vielen Jahren wertschätzend verbunden gewesen war. «Seine Bilder sind oft Beziehungsbilder.»

Die Galeriearbeit war ihm ein Herzensanliegen

Zurück in der Galerie vor der Klostermauer. Hansjörg Rekade hat sie mitgegründet, und sie war ihm immer ein Herzensanliegen. Bis zuletzt hat er sich dafür eingesetzt, dass die Galerie nicht stirbt, sondern in jüngere Hände übergeht. Mit Erfolg. Ehefrau Margrith und die alle im Kunstbereich tätigen Töchter Christiane, Eva und Nora haben die Gedenkausstellungen konzipiert. Empfangen wird man in Galerie vor der Klostermauer mit dem Atelierschrank von Hansjörg Rekade. Einige Kisten sind verschlossen, sie bleiben Geheimnis. Aus anderen Fächern schauen ganz verschiedene Arbeiten in unterschiedlichen Techniken hervor. Eine Einladung, sich nochmals mit dieser bei allem Facettenreichtum letztlich liebenswerten Kunst von Hansjörg Rekade zu beschäftigen, in der man den Charakter des Künstlers und Kunstvermittlers fein gespiegelt erleben kann.

• Galerie vor der Klostermauer, Zeughausgasse, St. Gallen: Bis 30. Oktober; Do + Fr, 18-20, Sa, 11-15, So, 10-12 Uhr • Galerie Bleisch, Schlossgasse, Arbon: Vernissage So, 9.10., 11 Uhr; bis 5. November; Mi-Fr, 14-18; Sa, 11-16 Uhr

Hansjörg Rekade (1946-2015) (Bild: PD)

Hansjörg Rekade (1946-2015) (Bild: PD)