Noch lieber ein Clown

Just zu seinem 40. Bühnenjubiläum gastiert der Komponist, Musiker und Kulturinitiant Urs C. Eigenmann mit seinem «off & out»-Projekt im Gambrinus-Jazzclub.

Michael Hasler
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Urs C. Eigenmann blickt auf 55 Jahre Tastendrücken zurück. (Bild: Reto Martin)

Urs C. Eigenmann blickt auf 55 Jahre Tastendrücken zurück. (Bild: Reto Martin)

Drei Ehen, 42 Umzüge und 55 Jahre ungebrochene, zuweilen verschlingende Leidenschaft für das Klavier und seine elektronischen Brüder haben auf dem offen-einladenden Gesicht von Urs C. Eigenmann überraschend sanfte Spuren hinterlassen. Mit 62 wirkt der gebürtige Davoser, der seine Jugendjahre aber als Stadtsanktgaller bestritt, kein bisschen müde.

Stattdessen hat sich der in Flawil lebende Musiklehrer und freie Musikschaffende jene Neugierde und Leidenschaft für die Musik – und vor allem seine eigene Musik – bewahrt, wie man dies nur selten findet.

40 Jahre off & out

«Ich spüre noch immer jene Lust, Menschen mit meiner Musik erreichen zu wollen, gerade so, als ob ich erst angefangen hätte», erzählt der überzeugte Nonkonformist. Als er nach einer schwierigen Adoleszenz («Ich war damals ein furchtbarer Typ.

») schliesslich am Lehrerseminar in Rorschach ein einigermassen stringentes Leben beginnen will, scheitert er ausgerechnet am Jazz. «Mein damaliger Klavierlehrer hat sich geweigert, mich zu unterrichten. Ich spielte damals schon etwas Blues und etwas Jazz. Er sagte mir wortwörtlich, dass er niemanden bei sich haben wolle, der Negermusik spiele.» Doch Eigenmann folgte seiner letztlich lebensverbindenden Philosophie: weggehen (off) und aus sich herausgehen (out).

In der Folge entwickelte er sich autodidaktisch weiter, besuchte die Kunstakademie in Graz, die Jazzschule in Bern, ohne aber je ein Diplom zu erlangen. «Heute rate ich meinen Schülerinnen und Schülern, unbedingt ein Diplom zu machen. Ich brachte das damals nicht fertig und bereue es manchmal.» Während seiner Jahre in Bern gründete er seine erste, schweizweit erfolgreiche Work-in-progress-Band off & out. «Anfangs war es eine feste Formation, mit der wir auf allen namhaften Festivals spielten.

Erst später wurde es für mich eine sich immer wieder erneuernde Band, ein Werklabor», erinnert sich Eigenmann. Das ist heute wie damals nicht anders: bei seinem heutigen Auftritt im Gambrinus präsentiert Eigenmann mit seiner ehemaligen Schülerin Angelina Kilic einen, wie er sagt, «blutjungen ungeschliffenen Rohling».

Ein Chamäleon

Eigenmann war in seiner Karriere ein künstlerisches Chamäleon. «Am allerliebsten wäre ich Clown geworden, aber mir fehlte die Athletik, die sportliche Begabung».

Parallel zu seinen Erfolgen als Musiker spürte er früh den Ruf, konzeptionell arbeiten zu wollen. Als Initiant baute er das Berner Jazzfestival auf und erinnert sich gerne daran, dass er dort Keith Jarrett für 2500 Dollar für ein Solokonzert verpflichten konnte. Der Kreis als «Festivaldirektor» schloss sich 2008, als Eigenmann mit einem schlagkräftigen OK 2008 das grossangelegte «Jazzinflawil»-Festival lancierte.

2009 war eigentlich ein Nachfolge-Festival geplant, welches wegen fehlender Subventionsgelder aber kurzfristig gestrichen werden musste.

Heute Fr, Rest. Gambrinus, Jazzclub, Konzertbeginn 21 Uhr

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