Noch einmal bitte «Summer of 69»

Es gibt da dieses Pub in St. Gallen, in das ich mich manchmal noch verirre, um dann meine Zeit damit zu verschwenden zu klagen, wie viel besser die Atmosphäre darin früher doch war.

Chris Gilb
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Bild: Chris Gilb

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Es gibt da dieses Pub in St. Gallen, in das ich mich manchmal noch verirre, um dann meine Zeit damit zu verschwenden zu klagen, wie viel besser die Atmosphäre darin früher doch war. Ich erlebte in diesem Pub zum gleichnamigen Lied meinen persönlichen «Summer of 69» und produzierte dabei eine gehörige Anzahl Scherben.

Heute, da wage ich es kaum noch beim DJ diesen «Oldie» zu wünschen, da Gesang in seiner Musiksammlung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Meine Freunde und ich sassen jedenfalls in diesem besagten Sommer jedes Wochenende in diesem Pub. Genossen es, legal Bier bestellen zu können und hörten «Summer of 69» von Bryan Adams. Ein Lied, das unsere Gefühlslage perfekt spiegelte, wie wir fanden. Zugegeben, wir verstanden nur den Refrain, aber das genügte. Denn das Pub war damals allabendlich zum Platzen mit Gästen gefüllt und alle grölten mit. Jedesmal wenn wir eine neue Runde «Kübel» in der Hand hielten, schlugen wir diese beim Anstossen so heftig aneinander, dass meist eines der Gläser zerbrach. Es war ein Kräftemessen unter Halbstarken. Welches jedem einmal eine nasse Hose bescherte. Wir sorgten dafür, dass unser Lied zu diesem Spektakel in Endlosschleife lief. Irgendwann endete der Sommer und er sollte nicht wieder kommen. Vielleicht weil das Pub anfing, Security einzusetzen, vielleicht weil bei mir und meinen Freunden danach der Ernst des Lebens begann. Vielleicht weil es auch den echten «Summer of 69» nur einmal gab.

Bryan Adams: «Summer of 69», Reckless, 1984

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