Niemand will «Sex for free»

Auf dem Festgelände wird gefeiert, getanzt und getrunken. Etwas ruhiger ist es auf den Campingplätzen. Dort eröffnen Camper einen Basar, schenken Sangria aus oder bieten Küsse an.

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Seltener Anblick: Um Deborah Scheibens (l.) Pavillons liegt kein bisschen Abfall. (Bild: Nana do Carmo)

Seltener Anblick: Um Deborah Scheibens (l.) Pavillons liegt kein bisschen Abfall. (Bild: Nana do Carmo)

Ein Leben im eigenen Dreck, das kann sich Deborah Scheiben aus Eschlikon nicht vorstellen, nicht einmal am Frauenfelder Open Air. «Ich versuche auch hier möglichst hygienisch zu wohnen», sagt sie. Das erklärt den für ein Open Air ungewöhnlichen Anblick: Reinlich und gemütlich ist es rund um ihre Parzelle. Aufgeräumt und bis ins Detail durchdacht.

Ausgerüstet mit Plastiksofa, Radio und Tischen bieten Deborah und ihre Freunde den Passanten nicht nur Sangria an, sondern auch frisches Knoblibrot und geröstete Marshmallows. Da muss kaum jemand hungrig weitergehen. «Wenn jemand nett ist, geben wir gerne etwas ab und plaudern eine Weile», sagt sie.

Flavor Flav von Public Enemy. (Bild: Reto Martin)
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Chuck D und Flavor Flav von Public Enemy (Bild: Reto Martin)
You know what time it is: Flavor Flav von Public Enemy. (Bild: Reto Martin)
Auf Abschiedstour: Carlos Leal und Deborah von Sens Unik. (Bild: Keystone)
Samy Deluxe (Bild: Keystone)
Pitbull (Bild: Keystone)
Curren$y (Bild: Reto Martin)
Curren$y (Bild: Reto Martin)
Soprano (Bild: Nana Do Carmo)
Der Wu-Tang Clan (Bild: Nana Do Carmo)
Wu-Tang Clan (Bild: Nana Do Carmo)
Method Man (Bild: Keystone)
Method Man (r.) vom Wu-Tang Clan (Bild: Keystone)
The Roots (Bild: Nana Do Carmo)
The Roots (Bild: Nana Do Carmo)
Ice Cube (Bild: Reto Martin)
Ice Cube (Bild: Reto Martin)
Talib Kweli (Bild: Nana Do Carmo)
Frauenfeld TG - 17. Openair Frauenfeld am Samstag - Konzert Cypress Hill. BILD: Nana do Carmo / TZ 09.07.2011 (Bild: Nana Do Carmo)
Frauenfeld TG - 17. Openair Frauenfeld am Samstag - Konzert Cypress Hill. BILD: Nana do Carmo / TZ 09.07.2011 (Bild: Nana Do Carmo)
SWITZERLAND OPEN AIR FRAUENFELD 2011 (Bild: Keystone)
B-Real (r.) und Sen Dog von Cypress Hill (Bild: Keystone)
Bushido (Bild: Keystone)
Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido polarisiert - auch in Frauenfeld. (Bild: Keystone)
War angeblich auf der Suche nach Pot: Snoop Dogg (Bild: Reto Martin)
Snoop Dogg (Bild: Reto Martin)
Snoop Dogg (Bild: Reto Martin)
53 und noch kein bisschen müde: Hip-Hop-Pionier Grandmaster Flash. (Bild: Reto Martin)
Grandmaster Flash (Bild: Reto Martin)
Onyx (Bild: Reto Martin)
Tyler, The Creator von OFWGKTA. (Bild: Reto Martin)
OFWGKTA (Bild: Reto Martin)
OFWGKTA (Bild: Reto Martin)

Flavor Flav von Public Enemy. (Bild: Reto Martin)

Küsse sind der Renner

Eine andere Möglichkeit, sich die Zeit bis zum nächsten Konzert zu vertreiben, haben der Freiburger Florian und seine Kumpels gefunden. Sie bieten am Strassenrand nicht nur «Sex for free» an, sondern auch Küsse. «Das Sex-Angebot läuft nicht so gut, aber die Kuss-Aktion ist ein Renner», behauptet Florian, obwohl jede Frau einen grossen Bogen um die Jungs zu machen scheint. Und das ist kein Wunder: Die fünf haben sich direkt neben einem miefenden Abfallhaufen niedergelassen. Ihre Füsse baumeln in einer ebenfalls stinkenden, unidentifizierbaren Flüssigkeit. Aber das scheint ihnen egal zu sein. Sie konzentrieren sich auf ihre Mission: Geld für Heroin zu sammeln. «Das Ziel kommt näher und näher, fünf Rappen haben wir schon», sagt Florian.

Hawaii-Feeling in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)
56 Bilder
Fritten zur Stärkung. (Bild: Reto Martin)
Festivalbesucherinnen bahnen sich einen Weg durch den Schlamm. (Bild: Reto Martin)
Bouncen zu Public Enemy. (Bild: Reto Martin)
Sunnyboys im Sonnenlicht. (Bild: Reto Martin)
Impressionen vom Open Air Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)
Das Unwetter fegte auch über die Grosse Allmend hinweg. (Bild: Reto Martin)
Was vom Festival übrig blieb: Verwaiste Zelte, verschlammte Gummistiefel. (Bild: Reto Martin)
Schwarz macht - warm. (Bild: Reto Martin)
Chillen auf dem nicht mehr so grünen Rasen. (Bild: Reto Martin)
Für die Sonne gerüstet - aber für den Regen? (Bild: Nana Do Carmo)
Was zum Knabbern: Festivalbesucherinnen bei der Zwischenverpflegung. (Bild: Nana Do Carmo)
Wikingerhut statt Käppi hilft auch gegen Sonnenbrand. (Bild: Nana Do Carmo)
Ein Festivalbesucher spült sich den Schlaf aus dem Gesicht. (Bild: Nana Do Carmo)
Ein Shirt für zwei. (Bild: Nana Do Carmo)
Gummistiefel warten auf Kunden. (Bild: Nana Do Carmo)
Gross und bunt: Sonnenbrillen sind das Accessoire. (Bild: Nana Do Carmo)
Masche locker? Festivalbesucher mit Häkelkäppis. (Bild: Nana Do Carmo)
Damit's auch immer schön glüht: Grillpflege in Frauenfeld. (Bild: Nana Do Carmo)
Niemals oben ohne: Styling am Open Air. (Bild: Nana Do Carmo)
Aber wer denn jetzt? (Bild: Nana Do Carmo)
Ob jemand zugelangt hat, wissen wir nicht. (Bild: Nana Do Carmo)
Frieren sollen doch die anderen. (Bild: Nana Do Carmo)
Zigarette? Zigarre? Oder etwa...? (Bild: Keystone)
Auf der Bühne Cypress Hill, vor der Bühne Party. (Bild: Keystone)
Schrei der Verzückung? (Bild: Keystone)
Heiss ist's in Frauenfeld - da braucht's ein bisschen Abkühlung. (Bild: Keystone)
Und dann kommt doch noch Regen: Statt im Kinderbädli zu planschen bleiben die Festivalbesucher lieber im Trockenen. (Bild: Keystone)
Ruhe vor dem Hip-Hop-Sturm. (Bild: Keystone)
Feiern bei wechselnden Temperaturen. (Bild: Keystone)
Jedem seine Message. (Bild: Nana Do Carmo)
Gruppen-Relaxen im Schatten. (Bild: Nana Do Carmo)
Feiern ist anstrengend: Verschnaufpause auf dem Zeltplatz. (Bild: Nana Do Carmo)
Fast wie in der guten Stube: Tisch und Topf vor dem Zelt. (Bild: Nana Do Carmo)
Karton-Kommunikation statt Twitter und Facebook. (Bild: Nana Do Carmo)
Fans feier und knipsen Snoop Dogg. (Bild: Reto Martin)
Hände in die Luft (Bild: Reto Martin)
Mit Schwimmbädli und Sonnenschirm ans Open Air. (Bild: Reto Martin)
Blick auf die Bühne. (Bild: Reto Martin)
Zuschauer am Freitagabend vor der Bühne. (Bild: Reto Martin)
Die Bands werden auf Leinwand übertragen. (Bild: Reto Martin)
Das Desperado-Zelt. (Bild: Reto Martin)
Fans von OFWGKTA. (Bild: Reto Martin)
Das Calanda-Bergbeizli am Open Air Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)
Playback voll dabei. (Bild: Reto Martin)
Sieht doch fast aus wie echt. (Bild: Reto Martin)
Hot or Not? Die Besucher werden von diesen Damen bewertet. (Bild: Reto Martin)
Diese Besucher schaffen das Bier gleich literweise herbei. (Bild: Reto Martin)
In der Zeltstadt. (Bild: Reto Martin)
Willkommene Abkühlung beim Open Air Frauenfeld. (Bild: Keystone)
Einige Gäste haben gleich ihren Privat-Pool mitgebracht. (Bild: Keystone)
Sonnenbrille, Wasser und gute Musik (Bild: Keystone)
Mit viel zu trinken und frisch gekühlt kann das Open Air beginnen. (Bild: Keystone)
Die Vorfreude bei dieser Besucherin ist unverkennbar. (Bild: Keystone)
Chillen vor den Konzerten. (Bild: Keystone)
Die Besucher schlagen ihre Zelte auf. (Bild: Keystone)

Hawaii-Feeling in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Selbstvertrauen zu verkaufen

Ein paar Meter weiter haben Marco Scheidegger und seine Freunde am Wegrand einen Basar eröffnet. Dort sitzen sie im spärlichen Schatten eines Baumes und preisen ihre Ware an: «Wir verkaufen Badetücher, Selbstvertrauen, Doktortitel und vieles mehr», sagt der Basler. Wer zu Hause was vergessen habe, werde bei ihnen bestimmt fündig, ist er überzeugt. Wenn es um die Open-Air-Besucher von nebenan geht, sind die Basler jedoch nicht so hilfsbereit, sondern eher hinterhältig. Als diese nämlich am Samstagmorgen aufwachten, fanden sie einen Berg Abfall vor ihrem Zelt, den Marco und seine Truppe in der Nacht dort deponiert hatten. «Warum wir das gemacht haben? Die sind halt Zürcher, das ist Grund genug», sagt er. Stephanie Martina

www.tagblatt.ch/festivals