Nicole Bernegger: «Ich gestalte mein Musikleben jetzt selbst»

Nicole Bernegger (42) spricht über ihr neues Album – und wie sie mit «The Voice of Switzerland» abgeschlossen hat.

Marko Lehtinen
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Nicole Bernegger: «Ich konnte kompromisslos umsetzen, was mir vorschwebte.» (Bild: Kenneth Nars, Basel, 25. Oktober)

Nicole Bernegger: «Ich konnte kompromisslos umsetzen, was mir vorschwebte.» (Bild: Kenneth Nars, Basel, 25. Oktober)

Seit ihrem Sieg bei der Castingshow «The Voice of Switzerland» sind sechs Jahre vergangen, seit ihrem letzten Album vier. Nicole Bernegger hat ihr Leben als Sängerin umgekrempelt und in Eigenregie nun ihr drittes Werk «Alien Pearl» veröffentlicht. Ein Befreiungsschlag.

Ihr Künstler-Alltag hat sich in den letzten zwei Jahren verändert. Ist «Alien Pearl» eine Art Wiedergeburt?

Nicole Bernegger: Kann man sagen. Nach «The Voice» hatte ich Schwierigkeiten, meinen musikalischen Weg zu finden. Vor zwei Jahren trennte ich mich von meinem Label und vom Management. Ich wechselte die Band. Jetzt arbeite ich mit alten Weggefährten, welche die gleiche Ästhetik und Musik lieben.

Heute halten Sie die Kontrolle über Ihre Karriere in den eigenen Händen.

Ich war blockiert und schrieb kaum noch Songs. Jetzt setze ich die Prioritäten und entscheide, wo wir Geld und Zeit investieren. Und wie meine Alben tönen.

Ihre wahre Seele

Sie hat alles richtig gemacht. Die 42-jährige Nicole Bernegger hat sich von den Fesseln ihres Castingerfolgs gelöst. Der deutsche Komponist/Produzent Christian Lohr hat schon mit Joss Stone gearbeitet. Die neun Songs klingen organisch und warm. Ein erdiges Drum, akustische oder halbverzerrte Gitarren und ein groovender Bass prägen die Arrangements. Und da ist diese Stimme – grossartig in Szene gesetzt, beseelt und frei von Attitüden. Das dritte Album der Birsfelderin zelebriert einen an die 60er- und frühen 70er-Jahre erinnernden Soul. Bernegger wirkt authentisch. Und als Zückerchen gibt es ein Solo der Saxofonistin Candy Dulfer. (leh)

Nicole Bernegger: Alien Pearl. Live am 30. November im Stadtkeller Luzern.

Die Alben nach «The Voice» waren auf modern getrimmt. Der Soul auf «Alien Pearl» klingt roh und authentisch.

Beide Alben waren für meinen Geschmack zu aufgepeppt. «Alien Pearl» wurde dagegen mit echten Instrumenten eingespielt und hat einen natürlichen Sound. Es klingt ein wenig nach 60er-Jahre, soll aber keine Kopie sein – so wie es The Kitchenettes waren. Natürlich hört man auch «Alien Pearl» meine Liebe zu dieser Epoche an, aber das Album steht für einen Soul im Hier und Jetzt. Ich konnte kompromisslos umsetzen, was mir vorschwebte, ohne auf Marketing Rücksicht nehmen zu müssen.

Bereuen Sie es heute, an der Castingshow teilgenommen zu haben?

Für mich war es nur ein kurzer Abschnitt in meiner Karriere. Allerdings hatte ich zeitweise das Gefühl, mir selbst untreu zu sein. Andererseits lernte ich das Business kennen und meine Konsequenzen zu ziehen. Diese Erfahrungen machten mich zu dem, was ich heute bin. Und die Castingshow gab mir auch viel Positives. Meine Alben verkauften sich gut, ich ging mit Simply Red auf Deutschland-Tournee, spielte mit Joss Stone, gab Konzerte vor grossem Publikum und lernte tolle Menschen kennen.

Fühlten Sie sich nie verheizt?

Dazu hatte ich schon zu viel Erfahrung. Ich war ja nicht das Mädchen, das eine Castingshow gewinnt, ohne je zuvor auf einer Bühne gestanden zu haben.

Beim Publikum werden Sie wohl die Castingfigur bleiben; wie Baschi oder Stefanie Heinzmann. Eine Bürde?

Ich weiss, was Sie meinen. In der Schweiz verliert man bei vielen Leuten an Glaubwürdigkeit, wenn man an einer Castingshow teilgenommen hat. In anderen Ländern ist das nicht so. Aber mich im Nachhinein zu hinterfragen, ist müssig. Ich kann nur schauen, wo ich jetzt stehe und wohin mich der Weg mit dem neuen Team führen wird.

Wie kriegen Sie Ihr Familienleben und die Karriere unter einen Hut? Sie haben ja drei Kinder zwischen sechs und zehn Jahren.

Natürlich ist es schwierig, aber die Musik ist schliesslich mein Beruf, und ich muss mir ein- fach meine Zeit dafür nehmen. Manchmal arbeite ich nachts oder am Morgen, bevor ich meine Kinder zur Schule bringe. Und ich habe das Glück, einen Mann und Verwandte zu haben, die mich unterstützen. Wir sind ein richtiger Familienbetrieb.