Nicht zu viel denken, einfach machen: Fai Baba

Es war ein lauer Sommerabend letztes Jahr in einem Zürcher Club. Die Tickets waren längst weg – alle wollten die legendäre Cat Power sehen. Im Vorprogramm: Der 29jährige Zürcher Fai Baba.

Marco Kamber
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Fai Baba (Bild: pd)

Fai Baba (Bild: pd)

Es war ein lauer Sommerabend letztes Jahr in einem Zürcher Club. Die Tickets waren längst weg – alle wollten die legendäre Cat Power sehen. Im Vorprogramm: Der 29jährige Zürcher Fai Baba. Seine Hände müssten eigentlich vor Zittern Mühe haben, die Gitarre zu greifen; erstens wegen des Heimspiels im ausverkauften Volkshaus; zweitens weil Cat Power an der Seite der Bühne steht und ihm zuhört.

Keine Spur von Aufregung

Doch von Aufregung keine Spur. Souverän bis charmant-flapsig spielt er seine Songs. Mit jener unverkennbaren Stimme, die auch auf dem neuen Album «The Savage Dreamer» zu hören ist. Schon das erste Lied geht durch Mark und Bein: Flöten spielen auf, erinnern an Szenen aus einem Film Noir. Dann kommen die Violinen und rühren beinahe zu Tränen. Und dann Fai Babas Stimme voller Schmerz. Ein Eröffnungsstück wie eine Abrechnung, eine Erklärung: Es geht ziemlich sicher um die Liebe. Aber Gejammer ist das nicht. Denn gleich geht es weiter in den zehn Stücken. Und eigentlich nur noch laut: Psychedelische Gitarren heulen durch die Gegend, ordentlich durch das Reverb-Pedal gewurstelt. Angezerrte Orgeln geben die Stimmung an, Vierviertel-Stampftakte die Gangart. Und die folgt konsequent den Prinzipien des Rock 'n' Roll.

Erfrischend zeitgemäss

Ist das aber nicht kalter Kaffee? Nein, denn die Ausführung ist erfrischend zeitgemäss. So gibt es auf «Savage Dreamer» auch Club-angehauchte Momente mit dicken Bässen, wie beim Stück «Life is a bliss».

Devendra Banhart, Cat Power, Mac de Marco – all diese Namen kommen einen in den Sinn, wenn man der Musik des Zürchers lauscht. Alles amerikanische Künstler, die auf ihren Konzerttourneen sämtliche Säle füllen. Falsch sind diese Referenzen nicht: Fai Baba, mit richtigem Namen Fabian Sigmund, hat eine sehr unschweizerische Art, wie er seine Dinge angeht.

Die New Yorker Schule

Er geht sie nämlich einfach an. Mit möglichst wenig Geld, noch weniger Material, und bestenfalls auch ohne viel zu denken. Gelernt hat er diese Do-it-yourself-Haltung nicht zuletzt 2010, als er für ein halbes Jahr in New York lebte: «Dort habe ich viel mit lokalen Bands zusammengespielt. Die haben alles so gemacht; nicht zu viel denken und einfach mal auf den Tape-Recorder aufnehmen. Mir gefällt dieser Spirit», sagt Sigmund. Und dem Publikum gefällt er auch.