Nicht einfach nur besser

Auf ihrer dritten Platte «Die Gschicht isch besser» macht die St. Galler Band Stahlberger einen weiteren Schritt nach vorne. Auch deshalb, weil ihr Sänger Manuel Stahlberger in seinen Texten mehr Raum lässt.

David Gadze
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Die fünf Musiker von Stahlberger zogen sich zum Songwriting in ein altes Berggasthaus zurück. (Bild: Adrian Elsener)

Die fünf Musiker von Stahlberger zogen sich zum Songwriting in ein altes Berggasthaus zurück. (Bild: Adrian Elsener)

Zwei Geschichten haben Stahlberger bereits geschrieben. «Die Gschicht isch besser», behauptet die Gruppe um den St. Galler Liedermacher und Comiczeichner Manuel Stahlberger nun im Titel ihrer neuen Platte. Es ist eine Geschichte in 13 Kapiteln, die eigene kleine Geschichten sind. Mit Worten malt Manuel Stahlberger Bilder zu den Geschichten. Bilder, in denen er aus dem Alltäglichen das Besondere herausschält. Bilder, die mal dezent farbig sind, dann schwarz-weiss, mal detaillierter, dann wieder skizzenhaft. Bilder, die der Hörer über den Rahmen hinaus denken, in denen er aufgehen kann.

Songs als Strichzeichnungen

«Ich habe diesmal darauf verzichtet, die Bilder auszumalen, habe sie teilweise nur angedeutet», sagt Stahlberger im Gespräch. Die Songs bezeichnet er als «Strichzeichnungen». Trotzdem klingt kein Ton des neuen Werks unfertig. Diese Einfachheit zeigt sich exemplarisch im Stück «Schwizer Film»: «Sie hät Zürigschnätzlets gmacht/Und seit: i ha Zürigschnätzlets gmacht/Da isch doch dis Lieblingsässe/Und er seit: jo, da isch mis Lieblingsässe», heisst es da.

Diese textliche Reduktion ist kein Zufall, Manuel Stahlberger zog sich bewusst zurück. Dafür erzählen Instrumente, Klänge und Stimmungen Teile der Geschichten. Und doch: Die Songs leben vor allem von der Sprache. Weil er kein guter Sänger sei, müsse er sich auf den Inhalt der Geschichte fokussieren. «Ich kann nicht bluffen. Ich kann nicht Worte, die nur halbwegs stimmen, anders betonen, damit sie gut klingen», erklärt der 39-Jährige. «Ich muss ihnen vertrauen können.» Was Stahlbergers Stimme an Umfang fehlt, macht er mit Ausdruck wett. Seine manchmal etwas schläfrige, nonchalante Art zu singen gibt den Songs einen ganz eigenen Charme.

Dichter und fokussierter

Auch musikalisch ist «Die Gschicht isch besser» nochmals ein Schritt nach vorne. Die fünf Musiker sind als Band noch stärker zusammengewachsen. Die Songs sind dichter, fokussierter, konsequenter – und gleichzeitig musikalisch vielseitiger und stilistisch offener als noch auf «Rägebogesiedlig» und «Abghenkt». Gerade der Einfluss der beiden Klangbastler Marcel Gschwend alias Bit-Tuner (Bass, «kosmischer Lärm») und Dominik Kesseli (Schlagzeug, «Rauschen & Rumpeln») ist deutlich zu hören. Die Popsongs werden mit Wave-Einflüssen garniert, Synthesizer-Flächen, Orgel-Klänge und allerlei Geräusche setzten feine Farbtupfer. Dabei brauchen Stahlberger keine Fülle an Ornamenten, um ihre Songs auszuschmücken. Für jeden Song reichen ihnen ein paar Muster, die sich oft wiederholen, in ihrer Summe aber ein sehr abwechslungsreiches Album ergeben. Gerade die melancholischeren Stücke wie «Iisfische», «Hornusse» oder der wunderbare Schlusstrack «Wenn d'Welt undergoht» sind teilweise mehr Gefühl als Musik.

Das Gesamtbild des Puzzles

Für die Arbeit an ihrem dritten Album zog sich die Gruppe im vergangenen Sommer in ein altes Berggasthaus in der Nähe von Engelberg zurück. Fast ohne Songskizzen, lediglich mit losen Ideen. Eine Woche lang arbeitete sie an neuem Material und schuf die Basis für die Platte. 13 Stücke schrieben die Musiker in den Obwaldner Bergen. «Vögel» ist das einzige Überbleibsel aus Stahlbergers Soloprogramm «Innerorts». «Mit meiner Musik wurde das Stück einfach nicht schön. Mit der Band hat es die passende Leinwand bekommen.» Gemeinsam setzten die Bandmitglieder die lose herumliegenden Ideen wie ein Puzzle zusammen und feilten so lange an den Einzelteilen, bis sie ineinander griffen.

Mit «Die Gschicht isch besser» ist Stahlberger erneut ein wunderbares Werk gelungen. Eine Platte, in deren Wendungen und verschiedenen Stimmungen man ewig baden kann. Die Geschichte ist nicht einfach nur besser. Sie ist sehr gut.

Stahlberger: Die Gschicht isch besser (Irascible) Live: 11./12. April, St. Gallen (Palace); 18. April, Winterthur (Salzhaus); 25. April, Zürich (Bogen F); 3. Mai, Sommeri (Löwenarena)

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