Newcomer
Direkt aus der innovativsten Musik-Brutstätte Europas: Diese Londonerin ist der Star des hippen Nu Jazz

Die 31-jährige Emma-Jean Thackray ist der neue Star der Londoner Szene. Party und Spiritualität sind bei ihr keine Gegensätze.

Stefan Künzli
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Die englische Alleskönnerin Emma-Jean Thackray.

Die englische Alleskönnerin Emma-Jean Thackray.

Bild: Imago

Dancefloor trifft abgespacten Spiritual-Jazz, Afro Beat und englische Brassband. Die Musik der 31-jährigen Emma-Jean Thackray klingt so, wie wenn sich Sun Ra, Alice Coltrane mit Fela Kuti und den Hip-Hop-Soundtüftlern DJ Dilla und Madlib zu einer Jamsession treffen würden. «Yellow» heisst das Debüt der gefeierten Musikerin, Bandleaderin, Komponistin, Sängerin, Keyboarderin und Trompeterin, Radiomoderatorin und Labelchefin, das in ihrer Heimat als «next hot shit» gehandelt wird.

Emma-Jean Thackray ist die «Supernova im Biotop des hippen britischen Nu Jazz» («Guardian»). Umso spannender ist Emma-Jean Thackray, als sie sich allen klischierten Vorstellungen eines hippen, jungen und neuen Crossover-Stars widersetzt. Statt Rastazopf trägt sie Brille. Ihre Vorfahren kommen nicht aus Afrika oder der Karibik, wie man aufgrund ihres Sounds vermuten könnte. Sie ist weiss, klein, pummelig und stammt aus Yorkshire, dem ländlich geprägten Norden Englands, dort wo Blaskapellen eine lange und reiche Tradition haben.

Angefangen hat die talentierte Musikerin denn auch mit der Trompete in einer Blaskapelle, studierte das Instrument in Cardiff, entdeckte den Jazz, die Improvisation und Fela Kuti. Der legendäre Begründer des Afro-Beats hat mit Thackray mehr gemeinsam, als man vermuten könnte. Auch er hatte eine Vorliebe für mächtigen Brasssound, und vor allem hatte er wie sechzig Jahre später Emma-Jean Thackray am renommierten Trinity College of Music in London studiert.

Ihre Ernsthaftigkeit macht ­grossen Spass

Das heutige Trinity Laban Konservatorium gilt als innovativste Brutstätte Europas. Gepflegt wird nicht nur eine unbedingte stilistische Offenheit, sondern auch eine Offenheit gegenüber anderen Kunstgenres wie Tanz, Theater- und von Sprachfächern. In diesem kreativen Biotop ist der Grundstein für die grenzenlose Musik von Emma-Jean Thackray entstanden.

Sie arbeitete mit dem London Symphony Orchestra, spielt Free Jazz, vermählt Digitales und Akustisches, um jetzt wieder in poppige, tanzbare Gefilde einzutauchen. Party und Spiritualität sind bei ihr keine Gegensätze. Die Ernsthaftigkeit von Emma-Jean Thackray macht Spass, grossen Spass.

«Say Something» von Emma-Jean Thackray.

youtube

Emma-Jean Thackray: «Yellow» (Movementt).

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