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Der Schweizer der New Yorks grosse Brücken baute

Pulsierend wie der Jazz: Das ist New York im frühen 20. Jahrhundert. Hier findet der Schweizer Ingenieur Othmar H. Ammann sein Betätigungsfeld, dessen Bauten die Stadt bis heute prägen. Ein Film porträtiert ihn.
Rolf App
Die Verrazzano-Narrows Bridge ist 1964 die letzte von Othmar H. Ammann gebaute Brücke. (Bild: Frenetic)

Die Verrazzano-Narrows Bridge ist 1964 die letzte von Othmar H. Ammann gebaute Brücke. (Bild: Frenetic)

1904 kommt ein junger Mann nach New York. Othmar H. Ammann ist in Feuerthalen bei Schaffhausen aufgewachsen und hat an der ETH Bauingenieurwesen studiert. Rasch findet er Arbeit, denn er ist gewissenhaft, präzis und zielstrebig. «Der Weg zum Erfolg ist allen offen, welche Anstrengungen, Mut und Ausdauer nicht scheuen», wird Ammann später sagen, als er schon ein berühmter Mann ist. Aber er wird sich auch dann gern im Hintergrund halten. 1965 stirbt er mit 86 Jahren, sein Werk aber lebt bis heute. Es sind die Brücken in und um New York, elegante Stahlkonstruktionen von erstaunlicher Spannweite.

Das Zeitalter des Automobils hat begonnen

Nun hat der Dokumentarfilmer Martin Witz diesem zurückhaltenden Menschen einen Film gewidmet. Doch «Gateways to New York» ist zugleich das Porträt eines Landes und einer Stadt im Aufbruch. Denn New York, wo Ammanns Leben sein Zentrum hat, wächst gerade in alle Richtungen. 1904 wird die U-Bahn eröffnet, das Automobil tritt seinen Siegeszug an. Und jenseits des Hudson, in New Jersey, lassen sich immer mehr Menschen nieder. So dass die zwanzig Fährverbindungen den täglichen Menschenstrom nach Manhattan immer weniger bewältigen können.

Aus Versehen Vorreiter eines neuen Stils

Goldene Zeiten für Brückenbauer brechen an. Einer von ihnen, der gebürtige Deutsche Gustav Lindenthal, macht Ammann zu seinem engsten Mitarbeiter. Er will mit einer gigantischen Brücke den Hudson überqueren, die so teuer zu werden droht, dass Ammann rasch die Aussichts- losigkeit des Projekts erkennt. Er trennt sich von Lindenthal und wirbt für eine filigranere Konstruktion. Mit Erfolg. Die George-Washington-Brücke macht ihn 1931 berühmt, und weil in der Weltwirtschaftskrise das Geld für die geplante Verkleidung der Brückenpfeiler fehlt, wird Othmar H. Ammann aus Zufall zum Vorreiter einer modernen Stahlbauarchitektur.

Doch ein zurückhaltender Mensch bleibt er, ausser einigen Briefen an seine Freundin und spätere erste Frau Lilly wird wenig spürbar von seinem Inneren. Habe man einen Fehler gemacht, dann habe man dies daran erkennen können, dass sich Ammanns Gesicht rötete, erzählt denn auch Edward Cohen, ein ehemaliger Mitarbeiter. «Ich habe aber nie ein böses Wort von ihm gehört.»

Cohen ist einer der Zeitzeugen, mit deren Hilfe Martin Witz sich dem Menschen und seiner Leistung nähert. Zwei Stahlarbeiter aus dem Stamm der Mohawks, Alex Mayo und Paul Deer, zählen auch dazu. Anschaulich und mit sichtlichem Stolz schildern sie ihre Arbeit in schwindelerregender Höhe und beschreiben, wie sie dort oben Stahlträger vernietet haben.

Das Leben ist immer in Gefahr

Das Leben ist dabei immer in Gefahr. Lange gehören tödliche Unfälle zum Alltag auf dem Bau, bis Ammann Drahtgitter zur Absicherung spannen lässt. Und manchmal lassen es auch die Ingenieure an der nötigen Sorgfalt fehlen. Während des Baus stürzt bei Quebec eine Brücke ein und begräbt 75 Männer unter sich, zur Hälfte Mohawks. Die Untersuchung, an der Ammann teilnimmt, fördert Materialfehler und ungenügende Berechnungen zutage. Der Tacoma Narrows Bridge wird etwas anderes zum Verhängnis: Bis dahin unbekannte aerodynamische Effekte lassen die Fahrbahnen schaukeln und führen während eines Sturms zum Einsturz. Man ist in der Reduktion des Stahlgerüsts zu weit gegangen.

Dass Othmar H. Ammann New York mit seinen Brückenbauten so sehr prägen kann, verdankt er seiner Beziehung zum Stadtplaner Robert Moses, der in seinem Umgang mit den Bürgern keineswegs zimperlich ist. Deshalb führt Martin Witz uns nicht nur in die luftigen Höhen der Ammann’schen Brücken, sondern auch nach Bay Ridge in Brooklyn. Hier erklärt der alte Anwalt Andrew Sichenze, wie die Zufahrt zur Verrazano Narrows Bridge eine tiefe Schneise durch seinen Stadtteil geschlagen hat. Die 1964 eröffnete Brücke ist Ammanns letztes grosses Werk.

Hinweis

«Gateways to New York» von Martin Witz hat morgen Freitag um 18.30 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Premiere im Kinok St. Gallen

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