New Yorker Pate des Dream Pop

Dean Wareham, mit seinen Gitarrenbands Galaxie 500 und Luna zur Indierock-Ikone geworden, kehrt morgen mit seiner Partnerin Britta Phillips und Band ins Palace zurück. Dabei spielt er Songs seines Soloalbums, aber auch Klassiker seiner langen Karriere.

Marcel Elsener
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Gut erhalten: Dean Wareham, die Verkörperung amerikanischer Indie-Rockspielarten, geboren am Schweizer Nationalfeiertag 1963. (Bild: pd)

Gut erhalten: Dean Wareham, die Verkörperung amerikanischer Indie-Rockspielarten, geboren am Schweizer Nationalfeiertag 1963. (Bild: pd)

Andächtig begeistert, geradezu ehrfürchtig war die Stimmung im gut gefüllten Palace, als das New Yorker Duo Dean & Britta im November 2007 dort auftrat. Dass das Publikum mehrheitlich in den Plüschkinosesseln kleben blieb, hatte mit den betörend fliessenden, traumhaft versponnenen Songs zu tun, aber auch mit der filmischen Atmosphäre: Dean Wareham und seine Musik- und Lebenspartnerin Britta Phillips sind als unverschämt gut aussehendes Paar – schon mal als «Rock and Roll Bonnie and Clyde» betitelt – nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide. Ihr Hang zu Kunst und Film ist offenkundig; nachzuhören etwa auf «13 Most Beautiful... Songs For Andy Warhol's Screen Tests» (2010) oder in Warehams Soundtrack für Noah Baumbachs Film «The Squid And The Whale» (2005).

Mit Velvet Underground getourt

Und wohl basierte die Ehrfurcht im Publikum auch auf dem Respekt vor einer grossen Figur amerikanischer Indie-Musik: Der Gitarrist und Sänger Wareham hat seit 1985 mit seinen Bands Galaxie 500 und Luna Geschichte geschrieben und die Nachwehen von New Wave geprägt. In beiden Bands fand er Mitstreiter aus legendären Vorläuferbands wie Television, The Feelies oder den neuseeländischen Chills (Wareham ist selber Neuseeländer, kam aber als Teenager nach New York).

Obwohl der studierte Soziologe, Literatur- und Filmkenner als «Godfather of Dream Pop» hohes Ansehen geniesst und er mit Luna 1993 das Comeback von Velvet Underground in Europa begleitete, blieb Wareham der kommerzielle Erfolg versagt. Statt mit dem Mainstream zu schäkern, produziert er lieber mit Freunden wie Sonic Boom (Spacemen 3). Und scheut sich nicht, in Interviews U2-Bono zum Teufel zu wünschen und dafür alte Lieblinge wie The Pastels ins Spiel zu bringen.

Donovan und Werner Herzog

Wareham spiele seine Gitarre «wie ein alter Elefant und ein Typ auf einem Surfbrett», ständig auf der Kippe zwischen «Verwischen und Zusammenhalten», sagte ihm kürzlich ein Produzent. Auf seinem eben erschienenen Soloalbum nennt er Einflüsse von Country (Glen Campbell) und Folk (Donovan) bis hin zu The Fugs, Bee Gees und sogar Boston, Journey, Foreigner; Stilverbote hat sich Wareham, mittlerweile entspannt nach Los Angeles gezogen, keine auferlegt. Geblieben freilich sind die träumerische Atmosphäre und die filmischen Verweise, so mit dem Werner-Herzog-Filmtitel «Love Is Colder Than Death».

Chitty-Chitty-Bang-Bang-Stadt

Nebst einer Auswahl neuester Songs spielt Warehams Band (mit Britta am Bass) auf der laufenden Tournée auch Klassiker von Luna und Galaxie 500; zu erwarten «Moon Palace» und das psychedelisch ausufernde «Tugboat». Und als Zugaben sind grandiose Coverversionen versprochen, so «Ride into the sun» (Lou Reed) und «Ceremony» (Joy Division/New Order), selbstverständlich in der Version von Galaxie 500.

An St. Gallen haben Dean und Britta gute Erinnerungen: In der «beautiful town» besuchten sie das Textilmuseum und fühlten sich, wie sie im Interview den Psych-Rockern Crystal Stilts erzählten, an die Schauplätze des englischen Fantasy-Filmmusicals «Chitty Chitty Bang Bang» von 1968 erinnert. Was sie damit meinten, wäre morgen ein Ruf aus dem Publikum wert. Bei aller Ehrfurcht.

Morgen Mi, Palace, 21 Uhr, Support: Dans La Tente (CH)

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