Neuigkeiten aus der Alten Klangwelt in
St. Mangen

Die Reihe Alte Musik St.Gallen lockt mit sechs Konzerten und Zusatzangebot aktive Hörer in die Kirche St.Mangen.

Bettina Kugler
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Das Ensemble Gilles Binchois interpretiert 800 Jahre alte Gesänge.

Das Ensemble Gilles Binchois interpretiert 800 Jahre alte Gesänge.

Bild: PD

Vier Buchstaben in Rot, Grün, Violett und Gelb: Sie stehen für den neuen, frischeren Auftritt einer Konzertreihe, die seit langem ein treues und interessiertes Publikum hat – doch mit dem harten Kern wollen sich die Veranstalter nicht begnügen. Aus dem einstigen Forum Alte Musik ist «AMSG» geworden, «Alte Musik St.Gallen»: ein Zyklus, der sich Vielfalt aufs Programm geschrieben hat und der auf aktive Zuhörer zielt. Solche, die gern auch mitreden und Fragen stellen, in Einführungen und Workshops ihren Horizont erweitern wollen. Die vor oder nach dem Konzert mit den Ausführenden ins Gespräch kommen und ihnen beim Apéro begegnen möchten.

Musik von gestern, so das Credo, ist nicht nur eine Angelegenheit für Kenner und Spezialisten, sondern in ihrem Facettenreichtum eine Einladung an alle. Musiker können auf diesem Feld beinahe vergessene Schätze heben und das Repertoire erweitern – entsprechend gern teilen sie ihre Begeisterung. Entdecken kann man beispielsweise im Eröffnungskonzert mit dem Ensemble Gilles Binchois am 2. Februar Prozessionsgesänge und Motetten aus der Zeit um 1200: Mehrstimmigkeit war da noch etwas Neues, die Pariser Kathedrale Notre-Dame gerade im Bau befindlich.

Vermittlung macht das Hören interessanter

Zwei Messen von Johann Sebastian Bach gibt es in solistischer Besetzung zu hören, ein wenig bekanntes «Stabat Mater» von Luigi Boccherini, gesungen von der Sopranistin Dorothee Mields, die mit dem Salagon Quartett auftritt. Frühbarocke Wechselspiele für Posaunen, Einblicke in die musikalische Praxis französischer Nonnenklöster, Bachs Nachklang in der romantischen Orgelmusik: Das Spektrum ist tatsächlich weit.

Neben Verena Förster ist seit einem Jahr auch Michael Wersin in der künstlerischen Leitung der Reihe: Musikwissenschafter und Dozent, Sachbuchautor und Musiker mit guten Kontakten zur Alten-Musik-Szene. «Wir wollen mit dem Rahmenangebot, mit Einführungen, Workshops und Apéro die hermetische Konzertsituation aufbrechen», sagt er. «Schliesslich handelt es sich nicht um ein Mainstream-Repertoire. Vermittlung macht das Hören noch interessanter, und wir merken, dass das gut ankommt beim Publikum.» Geschätzt werde auch, dass man spontan hingehen könne – ohne Billett, Reservation und Anmeldung.

Dank grosszügiger Unterstützung durch die Dietschweiler-Stiftung ist der Eintritt zu den Konzerten und Zusatzveranstaltungen frei. Das Budget erlaubt es zudem, international renommierte Musiker und Ensembles einzuladen und ansprechend für die Reihe zu werben. Ein Glücksfall für die künstlerische Leitung; die Initiative dazu war von der Stiftung ausgegangen. «Dahinter steht persönliches kulturelles Interesse», betont Wersin; es sei kein Sponsoring, sondern Kulturförderung in der Absicht, die eigene Begeisterung für Musik zu teilen, für andere zugänglich zu machen. So wächst das Publikum – und nimmt Wissen und Entdeckungsfreude mit. Auch ins Konzertleben ausserhalb der Reihe.

So 2.2., 17 Uhr, Ensemble Gilles Binchois, Kirche St.Mangen, St.Gallen. Die weiteren Konzerte: 9.2.: Gloria in excelsis Deo -J.S.Bachs Messen g-Moll und g-Dur (Feuersinger, Wey, Johannsen, Abadie, Collegium Instrumentale der Kathedrale St. Gallen, Michael Wersin; 16.2.: Posauenquartett Opus 4, Verena Förster (Orgel); 23.2.: Stabat mater dolorosa - Luigi Boccherini als Meister der Sakralmusik (Dorothee Mields, Salagon Quartett, Miriam Shalinsky); 29.2. François Couperins "Leçons de ténèbres" (Marais Consort); 1.3. Vom Barock via B-A-C-H in die Romantik - Robert Schumann als Orgelkomponist (Wolfgang Zerer). Informationen zu Einführungen und Workshops: amsg.ch