NEUGESTALTUNG: Aus dem Theater Winterthur soll eine AG werden

Ein Kongresshaus ist vom Tisch, jetzt geht es darum, dem Theater Winterthur eine neue Trägerschaft zu geben. Und: Mit Stadt und Kanton Subventionsverträge auszuhandeln, die einen ordentlichen Spielbetrieb sicherstellen.

Rolf App
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Das Theatergebäude aus dem Jahr 1979 bleibt erhalten. (Bild: PD)

Das Theatergebäude aus dem Jahr 1979 bleibt erhalten. (Bild: PD)

Während in Zürich demnächst das Kongresshaus saniert wird, hat man in Winterthur noch bis vor kurzem weit grössere Pläne gehabt. Hier traten im Oktober 2015 Wirtschaftsverbände an die Öffentlichkeit mit einem Plan, den sie «Theater Plus» nannten. Man solle doch das bestehende Theater am Stadtgarten abreissen und ein Kongresszentrum mit Hotel und Wohnungen bauen, rieten sie. Und, in das Ganze integriert, mit einem Theater.

Eine Zeit lang liebäugelten auch Vertreter der Stadt mit dem Projekt. Dann zeigte sich: Das Ganze war nicht durchdacht. Zum einen: Das Theatergebäude aus dem Jahr 1979 gehört ins Kantonale Inventar schützenswerter Bauten. Ob es daraus entfernt werden könnte, vermochte die kantonale Denkmalpflege angesichts des Fehlens eines konkreten Projekts nicht zu entscheiden. Dessen Finanzierung und dessen Erträge blieben in all den Debatten nebulös und wurden nie seriös durchgerechnet. Und nicht zuletzt befürchteten die Winterthurer Theaterfreunde, am Ende könnte das integrierte Theaterprojekt unter die Räder kommen. So zog die Stadt denn im Herbst vergangenen Jahres die Reissleine.

Noch muss der Stadtrat vieles genehmigen

«Wir stehen jetzt wieder dort, wo ich 2014 hier in Winterthur angefangen habe», sagt der Thurgauer René Munz, der das Theater leitet. «Mein Auftrag damals lautete, das Theater in eine eigene Trägerschaft zu überführen.» Denn im Unterschied etwa zum Theater St. Gallen ist das Theater Winterthur voll in die städtische Verwaltung integriert. Jede noch nicht eingeplante Ausgabe muss von der entsprechenden Dienstabteilung und oft auch vom Stadtrat genehmigt werden, rasche Entscheidungen sind nahezu unmöglich.

Deshalb soll das Theater Winterthur eine «gemeinnützig-gemischtwirtschaftliche Aktiengesellschaft» werden, erklärt René Munz das Juristische: «Wie das Zürcher Opernhaus, das Schauspielhaus und das Neumarkt-Theater. Wir haben andere Rechtsformen geprüft und sind zum Schluss gekommen: Bei der Aktiengesellschaft ist alles am klarsten geregelt.» Den zweiten Vorteil der Verselbständigung sieht René Munz darin, dass Gremien entstehen, die sich um die Weiterentwicklung des Theaters kümmern und die Interessen des Theaters nach aussen vertreten. «Ein Verwaltungsratspräsident wird dann das Sprachrohr des Theaters sein.»

Noch einen dritten Vorteil sieht René Munz: «Wenn es gelingt, die Aktien breit zu streuen, dann wächst auch die Verankerung des Theaters Winterthur in der Gesellschaft. Es entsteht eine Gemeinschaft von Supportern.»

Externe Experten durchleuchten das Theater

Jetzt ist eine externe Beratungsfirma aus München daran, den Betrieb zu durchleuchten und seine Kosten auch mit anderen Theatern zu vergleichen. Der Schlussbericht wird eine Grundlage bilden für die Verhandlungen mit der Stadt. «Die Subventionierung muss so geregelt werden, dass wir mindestens auf zwei Jahre hinaus planen können», sagt Munz. Klar ist auch ohne Schlussbericht: Ohne professionelles Personal lässt sich ein Theater von dieser Grössenordnung, das heisst mit rund 800 Sitzplätzen, nicht betreiben. Deshalb kann es auch keine Alternative sein, weniger oft zu spielen: Denn die Fixkosten bleiben.

René Munz ist auch durchaus zufrieden mit dem Echo, den das vom künstlerischen Leiter Thomas Guglielmetti verantwortete Programm findet. Weitere Abstriche beim Programm hält er für kontraproduktiv. «Nimmt man die Besucherzahl pro Vorstellung als Massstab, dann steht das Theater Winterthur mindestens so gut da wie etwa die Theater Basel oder Luzern – kostet aber sehr viel weniger.»