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NEUES ALBUM: Franz Ferdinand beflügelt

Die Zusammenarbeit mit Sparks hat der schottischen Kultband zu frischer Energie verholfen. In vielem ist sie sich aber treu geblieben, auch mit den schlauen Texten.
Hanspeter Künzler

Hanspeter Künzler

Alex Kapranos ist kaum wiederzuerkennen. Die floppigen, dunklen Fransen von damals sind einem retortenblonden Chaos gewichen. Eigentlich hätte es silbergrau sein sollen, grinst der Franz-Ferdinand-Band- leader, aber beim Färben sei etwas schiefgelaufen. Blond steht ihm wohl sowieso besser. Denn an seinen bubenhaften Gesichtszügen hat sich kaum etwas verändert in den vierzehn Jahren seit dem ersten Album «Franz Ferdinand». Mit eleganten Refrains, messerscharfen Gitarrenrhythmen und einem Cover, das von den russischen Konstruktivisten inspiriert war, zeigte die Band, was mit Gitarren auch noch möglich war, ausser dem gerade populären Geklapper der Post-Libertines-Szene und dem spätpunkigen Radau von Green Day. Mit dem Début gelang Franz Ferdinand gleich ein zeitgeistprägender Evergreen.

Das nächste Album «You Could Have It So Much Better» landete überall – auch in der Schweiz – in den vordersten Charträngen. Durch ihre Neuerschliessung des eckigen, funkigen Gitarrenstiles, den zwei Jahrzehnte vorher Bands wie Gang of Four oder Talking Heads erfunden hatten, stand Franz Ferdinand Pate für den Eighties-Retro-Boom, den sich später James Murphy mit LCD Soundsystem zu eigen machte.

Im Vorfeld der Alben drei (2009) und vier (2013) verkündete die Band eifrig, sie habe sich weiterentwickelt, sei nicht stillgestanden. Derweil die Liveauftritte weiterhin überzeugten, waren die neuen Songs indes selten dazu angetan, diese Selbsteinschätzung zu bestätigen. Das Ende schien nahe.

Dann kam völlig überraschend die Meldung, Franz Ferdinand habe mit den Gebrüdern Mael von Sparks die «Supergruppe» FFS gebildet und schon ein ganzes Album fertiggestellt. Dieses wurde ebenso begeistert aufgenommen wie die fulminanten Konzerte, die man darauf folgen liess. Was sich vor einigen Monaten schon mit dem Album «Hippopotamus» von Sparks abgezeichnet hatte, wird vom neuen Wurf von Franz Ferdinand bestätigt: In der Zusammenarbeit sind beide Partner aufgeblüht, und sie haben die neue Frische in die eigene Arbeit hinübergerettet. «Ein toller Nebeneffekt von FFS war, dass wir unsere Gewohnheiten abwerfen mussten», erklärt Kapranos. «Es war befreiend, den Raum mit einem anderen Songschreiber zu teilen, mit dessen Methode ich nicht vertraut war, und zu erleben, wie aus einer solchen Begegnung etwas Cooles entstehen kann.» Der Ausflug gefiel ihm so gut, dass er ihm gleich noch einen zweiten folgen liess, und zwar mit dem Projekt BNQT, das von Eric Pulido, dem Leader der amerikanischen Band Midlake, gesteuert wird. Eine Verbindung mit einem Soft-Rockkollektiv, bei dem auch der Sänger von Travis mittat, hatte auf dem Papier bestimmt nicht halb so «cool» ausgeschaut wie die klingenden Resultate der Begegnung. «Ich werde gefragt, wie es denn so sei, älter zu werden», lacht Kapranos. «Und ich sage: Es ist unglaublich befreiend! All die Ängste von früher sind abgelegt. Man sorgt sich nie mehr, ob man cool sei oder nicht. Denn entweder ist man es, und es ist einem egal, oder man ist es nicht, und es ist einem ebenfalls egal. So oder so – ­alles wird einfacher.» Die Zusammenarbeit habe der Band überdies geholfen, den Abgang des Gitarristen Nick McCarthy zu verarbeiten, der mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen wollte. Ersetzt worden ist er durch den Gitarristen Dino Bardot und den Multi-Instrumentalisten Julian Corrie, der als Miaoux Miaoux elektronische Tanzmusik macht.

«Wir haben die alten Elemente neu zusammengestellt, um der Band einen frischen Charakter zu geben», sagt Kapranos. Für die Aufnahmen ist man ins Pariser Studio des Produzenten Philippe Zdar (Cassius, Phoenix, The Rapture) gereist. So überrascht es wenig, dass «Always Ascending» mit allerhand stromlinienförmigen Dance-Beats ausgestattet ist. Aber die süffigen Refrains, die raffinierten Details und die schlauen Texte sind ganz die alten geblieben – nur eben taufrisch.

Franz Ferdinand Always Ascending, Domino.

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