NEUES ALBUM: Er ist wie eine Grippe

Mundartsänger Marco Kunz legt seinen dritten Tonträger vor und hält sich auch dabei an seine Erfolgsformel: mit seiner Begeisterung, andere anzustecken.

Michael Graber
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Will zeigen, «dass wir alle ein grosses Glück ­haben, in der Schweiz geboren zu sein»: Marco Kunz. (Bild: Amanda Nikolic)

Will zeigen, «dass wir alle ein grosses Glück ­haben, in der Schweiz geboren zu sein»: Marco Kunz. (Bild: Amanda Nikolic)

Michael Graber

focus@tagblatt.ch

Selbe Beiz, selber Tisch. Zwischen zwei Treffen mit Marco Kunz liegen gerade einmal anderthalb Jahre, trotzdem ist viel passiert. Sein letztes Album ging direkt auf Platz 1 der Schweizer Charts, er gewann den Prix Walo und das Publikum an den Konzerten ist deutlich zahlreicher und singfreudiger geworden.

Der Aufstieg des 31-jährigen Luzerners fühlt sich logisch an. Sein Pop ist eingängig und direkt, und auch seine neue CD «No Hunger» wurde in der Hitfabrik Hitmill produziert, wo Bligg und Pegasus ihren letzten Schliff erhalten. Zudem ist Mundart-Musik im Trend. Doch es wäre zu einfach, seinen Erfolg einzig mit diesen Faktoren zu verknüpfen. Kunz’ Erfolg hat vor allem mit Kunz zu tun.

«Alpen-Gosling» ist mutiger geworden

Man merkt ihm die Begeisterung für seine Musik an. Und mit Begeisterung ist es wie mit einer Grippe: Sie ist ansteckend. Die Plattentaufe in der Luzerner Schüür ist ausverkauft. Ausserhalb seines Heimatkantons gibt es noch Tickets, «aber der Vorverkauf läuft sehr gut», sagt Marco Kunz, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Hollywood-Schauspieler Ryan Gosling in den Medien als «Alpen-Gosling» betitelt wird. Grund abzuheben, sieht der Hitsänger deswegen nicht. Der Ex der Ostschweizer Moderatorin Gülsha ­Adilji ist sich bewusst, dass der Erfolg ein zartes Pflänzchen ist, das Pflege und Arbeit braucht. So schraubt er an seinem bewährten Grundrezept auf «No Hunger» nicht gross herum. Die Veränderungen sind eher eine sanfte Renovation als ein Neubau. Kunz ist mutiger geworden. Er lässt Platz für das Unperfekte. Zu Hackbrett, Gitarre, Mandoline, Schlagzeug und Bass gesellt sich nun auch eine Geige und beim letzten Song ein ausgewachsenes Orchester. «Ich habe beim Schreiben viel Balkan-Musik gehört», sagt er. Diese Einflüsse sind hörbar, aber fest im typischen Kunz-Sound verankert. Während auf seinem letzten Album «Mundart Folk» das Hackbrett herausgestochen ist, wirkt das Bandkonstrukt diesmal geschlossener. «Wir haben so viel wie möglich live eingespielt», sagt Kunz. Am deutlichsten wird das bei der Single «Üs ghört d’Nacht», ein Song wie gemacht für die letzte Zugabe.

«Wir haben alle ganz viel Glück»

«Ich will nicht die Musik neu erfinden. Mir geht es darum, Freude und meine Botschaft zu vermitteln», sagt er. Kunz singt über Liebe, Feiern, Familie, aber eine Botschaft? «Es geht mir darum zu zeigen, dass wir alle grosses Glück haben, in der Schweiz geboren zu sein. Und dieses Glück dürfen wir ruhig teilen mit Menschen, die weniger Glück haben.» Da wird klar, wie sich Kunz etwa vom Mundartsänger Trauffer unterscheidet. Er bleibt trotz Schweizerdeutsch weltoffen.

Album No Hunger, Universal. Live: am 20. Mai 2017 im Alten Kino in Mels. www.kunzmusik.ch