Neuer Hackbrettsound aus der Ostschweiz: Da zerbricht auch schon mal ein Schlägel

Topf 1 heisst die erste gemeinsame CD der unbändigen Hackbrettvirtuosen Töbi Tobler und Christoph Pfändler. Sie ist als reine, ungeschnittene Improvisation ein echter Wurf. Wunderbar integriert sich auch Schlagzeuger Julian Sartorius in den Klang der beiden Hackbrettspieler.

Martin Preisser
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Töbi Tobler und Christoph Pfändler feierten Ende Januar in der Militärkantine St.Gallen ihre erste CD.

Töbi Tobler und Christoph Pfändler feierten Ende Januar in der Militärkantine St.Gallen ihre erste CD.

Bilder: Urs Bucher

Topf 1 ist die neue Langspielplatte und CD betitelt. Topf, das sind Töbi Tobler, seit vierzig Jahren immer eigenwillig mit dem Hackbrett unterwegs. Und Christoph Pfändler, ehemaliger Schüler Toblers mit Jahrgang 1992, auch schon mal ein Heavy Metal-Spieler auf seinem Hackbrett, das er auch gerne Fuckbrett nennt.

Ziehen, zerren, kratzen, tanzen, hüpfen

Beide werfen ihr ganzes klangliches, rhythmisches, stilistisches und technisches Können auf dieser LP in einen Topf. Was dabei nicht entsteht, ist musikalischer Eintopf, sondern ein scharfes, oft exotisch gemischtes Hackbrett-Menü vom Allerfeinsten. Hackbrett ist erst einmal lüpfig, meint man. Auf Topf wird an ihm aber auch gezogen, gezerrt, gekratzt, geschlagen, gezupft, gehüpft und getanzt.

Die beiden Hackbrettler zusammen mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius.

Die beiden Hackbrettler zusammen mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius.

Die Behandlung der Saiten durch die beiden Virtuosen scheint von schier unendlichem, stets unbändigem Ideenreichtum. Da mag es noch so avantgardistisch werden, der Hörer bleibt nie auf der Strecke, sondern wird mitgenommen in bisher ungehörte, unerhörte Hackbrett-Welten. So viel die beiden auch improvisierend experimentieren, stets trägt ein kraftvoller, oft auch hintergründiger Groove das abenteuerliche Geschehen.

Direkt aus dem Bauch auf den Tonträger

Elf Tracks haben Pfändler und Tobler aufgenommen, als freie, ganz unbearbeitete Improvisationen. Das ist Musik direkt aus dem Bauch und aus dem Kopf auf den Tonträger. Wenn man die begeisternden Klangmixturen hört, glaubt man kaum, dass da nichts nachgeschnitten wurde. Kurz: Die beiden sind Meister der Improvisation.

Da kann während eines Stücks schon mal der Klang von feinsten Glocken in maschinelles Sägewerk-Feeling umschlagen. Vieles erinnert auch an Minimal Music, die sich in verrückte surreale Klangwelten verwandeln kann. Die Wandlungsfähigkeit eines Hackbretts, seine Fähigkeit unter den Schlägeln der beiden sich in viele Instrumente zu verwandeln und sich wieder zurückzuverwandeln, begeistert.

Auf der Platte und an der Plattentaufe ist in einigen Tracks der feinsinnige Schlagzeuger Julian Sartorius mit von der Partie und fügt sich wunderbar ein, ja verschmilzt mit den Hackbrettfantasien. An der Plattentaufe Ende Januar in der Militärkantine St.Gallen wurde auch kräftig Neues improvisiert, nicht einfach der Sound der LP reproduziert. Melancholie und Ekstase wechselten sich da ab, herrlich virtuos «stören» sich die beiden mit ihren Ideen, um sich wieder zu finden. Gefährliche Kaskaden münden in weiche, klangschöne Wellen.

Musik zweier Elefantenbullen

Da wurde so intensiv und fürs Publikum mitreissend gespielt, dass Töbi Tobler schon mal ein Schlägel zerbrach und sich mit seinem Ex-Schüler Pfändler gar ein vokales Duell lieferte, das nicht an Hackbrettspieler, sondern eher an Elefantenbullen erinnerte. Fazit: Den beiden wie dem Schlagzeuger ist in einem Wurf ein wirklicher Wurf gelungen. Experimentelle Klänge voll Virtuosität und Wagemut, die nicht nur Hackbrettfans beeindrucken dürften.

Hinweis

CD/LP erhältlich unter: kontakt@christophpfaendler.ch