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Neuer Film der Brüder Taviani zeigt grotesken Tauschhandel mit Faschistenhemd

Mit dem Partisanenstück «Una questione privata» gelingt den italienischen Meisterregisseuren Paolo und Vittorio Taviani ein würdiger Abschluss ihres Filmwerks.
Danie Kothenschulte
Die beiden Freunde und Partisanen sind zugleich Rivalen um dieselbe Frau. (Bild: Trigon Film)

Die beiden Freunde und Partisanen sind zugleich Rivalen um dieselbe Frau. (Bild: Trigon Film)

Nicht vielen Filmemachern gelingt ein Spätwerk wie Paolo und Vittorio Taviani. Als sie 2012 in Berlin den Goldenen Bären für «Caesar must Die» gewannen, ihre Shakespeare-Adaption mit Schwerkriminellen in einer Haftanstalt, schloss sich ein Kreis: Das Erbe des Neorealismus war plötzlich wieder hochaktuell. Seit den frühen Sechzigerjahren hatten die Tavianis diese für das italienische Nachkriegskino so prägende Filmsprache einer ganz eigenen Prägung unterzogen. Sie haben sie modernisiert, poetisiert und politisiert. In Ausstattungsfilmen wie «Good Morning Babylon» allerdings verselbstständigte sich dann leider ihr Ästhetizismus, und das realistische Gegengewicht schien verloren. «Una questione privata», dem letzten Film, der noch zu Lebzeiten des im April nach langer Krankheit verstorbenen Vittorio vollendet werden konnte, ist dieser Vorwurf nicht zu machen.

Ein Wahnsinniger spielt Luft-Schlagzeug

Mit einfachsten filmischen Mitteln schlägt dieses Partisanenstück aus dem zweiten Weltkrieg denselben Mehrklang aus Rohheit und Überhöhung an, der schon das Taviani-Meisterwerk «Die Nacht von San Lorenzo» bestimmte. Zwei Freunde im Widerstand lieben dieselbe Frau, was Misstrauen weckt, aber am Ende vor allem ihre Seelenverwandtschaft beweist. Als der eine in die Gefangenschaft der Faschisten gerät, arbeitet der andere verzweifelt an dessen Befreiung. Ein Tauschhandel mit einem Schwarzhemd wäre der einzige Weg. Doch den einzigen Faschisten, der den Partisanen in die Fänge geht, will niemand zurück: Es ist ein Wahnsinniger, der Luft-Schlagzeug spielt und das Getrommel mit dem Mund vertont. Es ist ein gespenstisches und doch auch grotesk komisches Solo, das ihm Paolo Taviani (der hier laut Abspann schon allein Regie führt) minutenlang gönnt. Zum Abspann ist es dann noch einmal zu hören und klingt – in Verbindung mit einer Jazz-Aufnahme – tatsächlich virtuos. Was für eine schöne Ironie, wenn die meisten Zuschauer das Kino längst verlassen haben.

Auch die Natur wird wie eine Bühne ins Irreale inszeniert

Wie schon «Padre Padrone», der Film, der den Tavianis die Goldene Palme eintrug, spielt auch dieser über weite Strecken unter freiem Himmel. Doch auch die Natur ist ein Raum, der sich wie eine Theaterbühne bis ins Irreale inszenieren und verfremden lässt. Das bevorzugte Mittel dazu ist der Nebel, der hier zugleich Gegenstand, weisse Wand und natürlich Metapher ist: Denn undurchsichtig bleiben in der eng vertrauten Dorfgemeinschaft die Gräben zwischen den politischen Lagern, zwischen Leben und Tod. Der Terror gegen die Zivilbevölkerung wird schonungslos, aber nicht naturalistisch dargestellt. Eine unvergessliche Szene zeigt die Körper einer Familie, die von den Faschisten niedergemetzelt wurde, auf einer Wiese liegen. Ein Mädchen, das überlebt hat, steht auf. Es geht ins Haus, trinkt ein Glas Wasser und legt sich wieder zu den Toten. Niemand konnte das Harte und Rohe so unprätentiös ästhetisieren wie Paolo und Vittorio Taviani. Manche Künstler suchen im Alter nach monumentalen, epischen Formen. Andere bevorzugen wie die Tavianis den Minimalismus. So kann jeder sehen, dass Kunst keine Geldfrage ist. Und dass es Unfug wäre, zu denken, die Zeit des italienischen Autorenfilms sei längst vorbei oder das Erbe des Neorealismus aufgebraucht.

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