Neue World Music aus dem Thurgau:
Jodel heisst auch Grenzen öffnen

Die Münchwiler Sängerin Sonja Morgenegg präsentiert auf ihrem neuen Album im Trio Sooon feinsinnige World Music. Am Sonntag ist CD-Taufe in Wil.

Martin Preisser
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Die Jodlerin und Sängerin Sonja Morgenegg. Bild: Ralph Ribi

Die Jodlerin und Sängerin Sonja Morgenegg. Bild: Ralph Ribi

Sie singt schon lange, hat in St.Gallen die Jazzschule besucht, 2015 ihre erste Singer-Songwriter-CD herausgebracht und leitet in Münchwilen eine eigene Jodelschule: Und doch entdeckt man auf der neuen CD «Sooon. Youchz now» eine überraschende, aussergewöhnliche Sängerin. Sonja Morgenegg kommt vom Jodel, kennt ihn seit ihrer Kindheit, hat sich aber in den traditionellen Jodelvereinen nicht heimisch gefühlt. «Jodel verbinde ich mit Freiheit, er ist offen und grenzenlos.» «Juuchz» nennt sie ihren eigenen Thurgauer Naturjodel. Wie schön und durchdringend er tönen kann, zeigt das letzte Stück der neuen CD, das einen Sonnenaufgang in der milden Thurgauer Landschaft einfängt.

Sooon mit dreimal «O», das ist der Name des neuen Trios, bei dem Sonja Morgenegg mit dem bekannten irisch-schweizerischen Pianisten John Wolf Brennan und dem palästinensischen Schlagzeuger Tony Majdalani zusammenspannt.

Zwischen Bauchtanz, Flamenco und Thurgau

Alle 14 Titel sind wunderbare Reisen durch verschiedene Welten und Kulturen, entspannt, feinsinnig, offen und doch immer sehr intensiv. Mit ihrer Art von Jodel, aber auch mit Obertongesang und anderen World-Music-Stimmtechniken will Sonja Morgenegg Grenzen öffnen, sich mutig aus festen stilistischen Rahmen lösen. Und mit ihren beiden Mitmusikern gelingt das sehr stimmig. «Jodel ist archaischer als Singen», sagt die Münchwiler Künstlerin, die beim Jodeln «die hemmenden Filter rausnehmen will», um den Klang damit ungehemmt und weit kommen und sich entwickeln lassen zu können.

Mit John Wolf Brennan und Tony Majdalani hat sie zwei Mitmusiker, die beide ebenfalls einen breiten kulturellen und musikalischen Background mitbringen. Auch dieser prägt das Album stark, das zwischen irischen und asiatischen Welten, zwischen Bauchtanz, Flamenco und Thurgau feine und stets unangestrengte Brücken schlägt. «Es sind nicht Klänge einer Gegend, die zu Musik verdichtet werden, sondern die Klänge schaffen neue Welten, ohne eine bestimmte Landschaft abzubilden», schreibt der Musikethnologe Dieter Ringli im Booklet-Text treffend.

Viele der Titel wirken so natürlich wie fliessend improvisiert. Und der Eindruck bestätigt sich, wenn Sonja Morgenegg von der Entstehung einiger Stücke erzählt. Die drei Sooon-Musiker haben ein Tonstudio gemietet und einfach mal losmusiziert, losgesungen, losgejodelt. Und dabei entdeckt, dass sofort eine neue Welt entstehen kann, die passt, die stimmig wirkt.

Eigene musikalische Landschaften bauen

Die Musik der drei ist nicht leicht zu beschreiben. Sie ist sensibel, berührt mit leichter Hand verschiedene musikalische Welten und Traditionen, aus denen nicht einfach zitiert wird, sondern aus denen in einem organisch wirkenden Mix neue, unerwartete Klänge entstehen. Die drei bauen ihre eigenen Landschaften, öffnen Räume und schaffen sich neue.

Neben dem improvisiert Wirkenden sind auch einige Kompositionen von Sonja Morgenegg eingeflossen, die alle auf einer grossen stimmlichen Breite basieren. Die Sängerin kann hörbar auswählen aus den eigenen vielfältigen Erfahrungen mit Stimme und Jodel. Pate steht auf dieser CD auch die norwegische Sängerin Mari Boine, eine Samin, die den traditionellen Yoik, eine Art lappländischen Naturjodel, mit modernen Klängen verbindet. Ihr Song «Gula Gula» ist vom Trio Sooon arrangiert worden.

«World Music alpine» versucht Sonja Morgenegg den speziellen Mix auf der neuen CD zu umschreiben. Live dürfte diese Musik noch faszinierender wirken, sieht man dann doch neben der Sängerin auch ungewohnte Tasten- und Percussionsinstrumente, die dem neuen Album einen speziellen und recht geheimnisvollen Sound verleihen.

Hinweis

CD-Taufe: So, 1.12., 17 Uhr, Baronenhaus (Marktgasse 73), Wil