Kultur
Neue Generation klopft an die Pforte des Jazz-Olymp

Der Trompeter Theo Croker und der Saxofonist Ben Wendel haben die Langnau Jazz Nights fulminant eröffnet.

Stefan Künzli
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Theo Croker in Langnau mit seinem neuen Flügelhorn des Aargauer Instrumentenbauers Thomas Inderbinen. Bild: Manuel Zingg

Theo Croker in Langnau mit seinem neuen Flügelhorn des Aargauer Instrumentenbauers Thomas Inderbinen. Bild: Manuel Zingg

CH Media

Schon seit bald 30 Jahren bieten die Langnau Jazz Nights Weltklasse-Jazz und haben sich im Laufe der Jahre zu einem der spannendsten Jazzfestivals der Schweiz entwickelt. Auch die 29. Ausgabe hat es in sich: Jazz-Legenden wie Charles Lloyd und Ron Carter schmücken das Programm im malerischen Emmental. Nicht weniger viel versprechend war aber der Startabend des fünftägigen Festivals. Denn mit dem Trompeter Theo Croker und dem Saxofonisten Ben Wendel waren zwei der angesagtesten Jazzmusiker einer neuen Generation angesagt.

Der 34-jährige amerikanische Trompeter hat mit «Star People Nation» eines der aufregendsten Alben des Jahres herausgebracht, indem dem er aktuelle Grooves aus Pop und Hip-Hop einfliessen liess. In Langnau präsentierte er sich aber, etwas überraschend, von seiner traditionellen Seite. Dass sich der Enkel des Trompeters Doc Cheatham, der auch lange mit Dee Dee Bridgewater zusammen arbeitete, einen starken Bezug zur Tradition hat, war bekannt. Trotzdem war das Bandkonzept vergleichsweise konventionell. Das hinderte den Trompeter aber nicht daran, seine Extra-Klasse auf dem Horn zu demonstrieren. Croker ist ein phantasievoller Instrumentalist mit einer phänomenal klaren Artikulation. Dabei spielt er auf der Trompete sehr warm, auf dem Flügelhorn noch wärmer.

Weltpremiere mit Inderbinen-Flügelhorn

Ja, dieses Flügelhorn. Theo Croker spielt, wie der im letzten Jahr verstorbene Trompeten-Gigant Roy Hargrove, auf Hörnern des aargauischen Instrumenten-Bauers Thomas Inderbinen. Seit drei Jahren eine Trompete, seit Dienstag auch dieses Flügelhorn, das Inderbinen in den letzten zwei Jahren speziell für Croker konstruiert hat. Am Morgen hat er sein neues Baby im Atelier in Empfang genommen, am Abend spielte er es schon. In Langnau hat also eine Art Weltpremiere stattgefunden. «Ich scheine einen Volltreffer gelandet zu haben», sagte Inderbinen nach dem Konzert. Und Croker hat gezeigt, dass er das Potenzial hat, um die Lücke zu füllen, die Hargrove hinterlassen hat. Croker klopft an die Pforte des Trompeten-Olymp.

Schon einen Schritt weiter ist der kanadisch-amerikanische Saxofonist Ben Wendel. In der Band Kneebody und ihrem Amalgam aus urbanen Beats und Sounds zwischen Electro-Pop, Punk und Hip-Hop hat er schon mal Grammy-Luft geschnuppert. In Langnau brachte der 43-jährige sein nicht minder spektakuläres Projekt «Season» mit einer veritablen All-Starband (Aaron Parks, Piano); Gilad Hekselman, Gitarre; Matt Brewer, Bass; Kendrick Scott, Drums) auf die Bühne. Das Ergebnis klang auch hier etwas jazziger als erwartet, aber furios und voller Spielfreude. Um den aktuellen Jazz muss man sich keine Sorgen machen.

Langnau Jazz Nights, bis 27.7.