Neue CD des Sinfonieorchesters St. Gallen: Glutvolle Reise durch Rachmaninows Welt

Die Pianistin Anna Fedorova begeistert mit ihrer Wärme und Brillanz. Ihre Einspielung ist einem Früh- und einem Spätwerk des russischen Komponisten gewidmet.

Martin Preisser
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Die ukrainische Pianistin Anna Fedorova.

Die ukrainische Pianistin Anna Fedorova.

Bild: Marco Borggreve

Reine Freude sei es gewesen, mit dem Sinfonieorchester St.Gallen Sergei Rachmaninows frühes erstes Klavierkonzert sowie seine späten Paganini-Variationen einzuspielen, schreibt die ukrainische Pianistin Anna Fedorova auf Facebook. Sie spricht von «unvergesslichen Momenten wahren Musizierens».

Unvergessliche Momente finden sich auf dieser neuen CD viele. So glutvoll eindringlich wie mit überlegener Ruhe und Wärme gestaltet die 30-jährige Virtuosin den ersten Satz des ersten Klavierkonzerts. Es ist schon ein echter, reicher, voller Rachmaninow, der dieses Werk bereits mit 18 Jahren schrieb. So wie Fedorova spielt, muss es sich hinter den berühmteren Konzerten zwei und drei überhaupt nicht verstecken.

Anna Fedorova liebt diese Musik spürbar, sie spielt sie aus vollem Herzen, mit Kraft, Hingabe und Liebe. Gerade in der Solokadenz des ersten Satzes spürt man das, was sie am besten kann: Lebendig klare Virtuosität mit warmem, verinnerlichtem Klang kombinieren.

So hat aber auch der Schlusssatz dieses opulenten Klavierkonzerts einen feurigen Zug voll frischer und kristallklarer Virtuosität. Aber er strahlt zugleich diese betörende Klangkraft aus, die immer auch die Rachmaninow eigene nostalgisch melancholische Note transportiert.

Ob man wirklich Sinn für die unverwechselbare, immer magisch anziehende Welt des russischen Spätromantikers hat, kann man in den Préludes am Offensten beweisen. Vier dieser meisterhaften Miniaturen präsentiert Anna Fedorova. Mit wunderbar genauen Klangschattierungen und einer satten, dichten Emotionalität.

Komponiert am Vierwaldstättersee

Die neue CD mit dem Sinfonieorchester St.Gallen unternimmt quasi eine Reise durch das kompositorische Schaffen Rachmaninows. Daher auch am Schluss die reifen Paganini-Variationen, die der Komponist in seiner Villa Senar am Vierwaldstättersee geschrieben hat.

Auch hier gelingt ein filigraner, spritziger Dialog zwischen Solistin und Orchester, das hier durch wunderbare Bläserpräsenz besonders punktet. Bei diesem Werk merkt man zudem, wie leidenschaftlich engagiert auch Chefdirigent Modestas Pitrenas musiziert, um Anna Fedorova genau den richtigen Boden zu geben, um sich in diesem wunderbaren Rachmaninow voll auszuleben. Eine perfekt ausgespielte Variation nach der anderen reiht sich da aneinander.

Kurz: Die Aufnahme ist rundum gelungen und wird sicher dazu beitragen, den guten Namen des Sinfonieorchesters St.Gallen weit über unsere Region hinaus zu tragen.

Hinweis

CD bei: Channel Classics

(CCS 42 620)