Neue CD des Sinfonieorchesters St. Gallen: Auch Belgien kann romantisch sein

Howard Shelley dirigiert vom Flügel aus zwei Klavierkonzerte belgischer Komponisten. Erschienen ist die Aufnahme beim englischen Label Hyperion.

Martin Preisser
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In St. Gallen ein gern gesehener Gast: Der englische Pianist und Dirigent Howard Shelley ist am Wochenende zweimal mit Mozart in der Tonhalle zu hören. Bild: PD

In St. Gallen ein gern gesehener Gast: Der englische Pianist und Dirigent Howard Shelley ist am Wochenende zweimal mit Mozart in der Tonhalle zu hören. Bild: PD

Ein renommiertes Klassiklabel wie Hyperion ist die beste Plattform, um das Sinfonieorchester St.Gallen auch international bekannter zu machen. Das Orchester hat mit dem in St.Gallen beliebten englischen Pianisten Howard Shelley, der vom Flügel aus dirigiert, eine CD mit Werken belgischer Romantiker aufgenommen.

Kaum jemand dürfte den Namen von Auguste Dupont (1827–1890) kennen. Fast ein wenig wie Brahms startet sein 3. Klavierkonzert in f-Moll, um sich dann ganz in der grossen, breiten romantischen Welt zu tummeln. Das Konzert, dem sich auch der berühmte Eugène d’Albert annahm, ist hörbar aus der Feder eines Komponisten, der die Tradition kennt, die virtuose eines Liszt, die feinsinnige eines Schumann, die elegante eines Carl Maria von Weber. Howard Shelley erweist sich in der Aufnahme als warm und souverän gestaltender Solist, der all diese Ebenen kennt, aber auch das Orchester zu niveauvollem Klang zu inspirieren vermag.

Flämisches Selbstbewusstsein

160 Alben mit siebzig Komponisten hat Shelley bereits eingespielt. Nicht nur in St.Gallen schätzt man ihn auch als versierten Mozart-Spieler (morgen, 19.30 Uhr, und Sonntag, 17 Uhr, ist er mit Mozarts 25. Klavierkonzert in der Tonhalle zu hören).

Flämisches Selbstbewusstsein will das zweite Werk der CD aufzeigen, mit einer sinfonischen Dichtung von Peter Be­noit (1834–1901). Das düstere Werk beschreibt ein Stück Geschichte einer Burg in der Nähe von Harelbeke, dem Geburtsort von Benoit. Viel gespenstische Stimmung gibt es im ersten, balladenhaft gestalteten Satz. Im zweiten Satz herrscht ein rhapsodisch-nachdenklicher Ton vor, der dritte erweist sich als eingängige Programmmusik und quirlig-dramatisches Jagdstück. Die neue CD mit dem ­Sinfonieorchester St.Gallen schliesst eine wertvolle Lücke in der Geschichte romantischer Nationalmusiken und rückt ein hier eher unbekanntes Belgien in ein neues, interessantes musikgeschichtliches Licht.

Konzerte mit Howard Shelley: Fr, 20.12., 19.30; So, 22.12., 17 Uhr, Tonhalle St. Gallen

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