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NEUAUSGABE: Sehreise mit dem Meistermaler

Der Schriftsteller Beat Brechbühl liebt und bewundert den Maler Adolf Dietrich seit Jahrzehnten. Er hat ihm 1999 einen ­wunderbaren Text gewidmet, der längst vergriffen ist. Jetzt hat er eine hübsche Neuausgabe im eigenen Verlag herausgegeben.
Dieter Langhart
Beat Brechbühl (Bild: Dieter Langhart)

Beat Brechbühl (Bild: Dieter Langhart)

Beat Brechbühl lernte ein solides Handwerk. Doch der angehende Schriftsetzer hatte anderes im Sinn. Mit neunzehn war er dem Berlinger Künstler Adolf Dietrich in einer Reportage der Zeitschrift «Du» begegnet, war fasziniert, reiste im Jahr darauf nach Genf, wollte bei einem Künstler malen lernen. Doch er blieb in Egnach bei der Zeitschrift «Clou» als Redaktor und Verlagsmitarbeiter hängen – immerhin auch am See.

«Überallhin kam das Dietrich-‹Du› mit», schreibt Brechbühl im Nachwort zu seiner «Fussreise mit Adolf Dietrich». 1999 war sie bei Nagel & Kimche erschienen, nach Brechbühls Wanderungen auf Dietrichs Spuren. Sie ist längst vergriffen, und er entschied sich, sie im eigenen Verlag neu herauszugeben.

Ich getraute mich fast nicht an die bescheidene und, wie mir schien, zu kleine Haustür zu klopfen. Adolf Dietrich bat den Besucher in die Küche: Mögen Sie Kaffee? Hier ist Brot. Dann gingen die beiden los, von Berlingen an den Markt in Frauenfeld, vier Stunden Fussmarsch. Wie es der Maler fast jedes Jahr getan hatte.

Literarisch freie Hommage an den Künstler

Beat Brechbühl hatte sich für seine Erzählung eine gemeinsame Wanderung ausgedacht, um Adolf Dietrich nahe zu sein. Er bewunderte den naiven Maler und seine Bilder; er hatte früh schon Gedichte zu dessen Bildern geschrieben; er kannte natürlich die Biografien von Hans Buck und Heinrich Ammann. «Fussreise mit Adolf Dietrich» ist aber kein weiterer Lebensabriss, sie ist vielmehr eine poetische Hommage an den verehrten Künstler, in der der Schriftsteller Ereignisse, Zitate und Anekdoten literarisch verwebt und für die er Figuren hinzuerfindet. Adolf Dietrich hatte auch eine Kauzigkeit an sich, die an Brechbühls legendäre Figur des Kneuss erinnert. Der Ich-Erzähler fragt vor dem Abmarsch: Könnte es regnen? Ich zeigte auf seinen Regenschirm. Adolf Dietrich antwortet: Ob Regen oder nicht, ich muss mich an etwas festhalten können. Immer weiter spinnen sich die Gespräche zwischen dem 72-jährigen Künstler und dem jüngeren Bewunderer. Sie lassen sich Zeit, während sich die Landschaft ausbreitet: Das Land war leer geerntet und schien langsam einzuschlafen oder auf Regen, Stürme und schliesslich Schnee und Eis zu warten.

Die Zeitebenen vermischen sich

Sie sind spät dran, als sie in Frauenfeld eintreffen. Wir sind wie die alte Fasnacht die Letzten im Umzug, sagt Dietrich. So ist es eben: Wenn man beim Essen Geschichten erzählt, wird das Essen kalt.

Nach einem Ritt in der Geisterbahn (sie bildet den zweiten Teil der Erzählung) kann der Erzähler nicht mehr zwischen Traum, dem Jetzt und dem Damals unterscheiden; und im «Wasserwald» breitet Adolf Dietrich seine Jugend aus. Dann, kurz vor Mitternacht erst, kehren die beiden zurück nach Berlingen.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

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