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Nestroy in St.Gallen: «’s ist alles nicht wahr ... und ’s ist alles nicht wahr!»

Mit Nestroys Volksstück «Frühere Verhältnisse» entlarvt das St. Galler Theater «parfin de siècle» Lebenslügen und gefälschte Biografien.
Markus Wigert
«Du bist ein enormer Schafskopf»: Regine Weingart, Matthias Flückiger, Isabelle Rechsteiner und Volker Ranisch (v. l.). (Bild: Urs Bucher)

«Du bist ein enormer Schafskopf»: Regine Weingart, Matthias Flückiger, Isabelle Rechsteiner und Volker Ranisch (v. l.). (Bild: Urs Bucher)

«Nichts ist, was es zu sein vorgibt!» Die alte Lebensweisheit feierte am 30. September im St. Galler Kleintheater Urständ. Buchstäblich alles, was auf der Bühne abgeht, ist gefälscht, zurechtgebogen, erfunden. Da wird gelogen im Vierpersonenstück, intrigiert, hinters Licht geführt, betrogen, geschleimt, bis sich die Balken biegen. Und das mit dem unnachahmlichen, vor Charme triefenden Wienerschmäh, der das Volksstück in der Schwebe hält zwischen Ekel und unfreiwilliger Komik.

Da ist der Hausherr von Scheitermann (Volker Ranisch) aus angeblich reichem Hause, dessen Eltern in Tat und Wahrheit Schuster waren und er selber ein einfacher Hausknecht. Seine Ehefrau Josephine (Isabelle Rechsteiner), mit einem Kellner als Vater und einer Wäscherin als Mutter, will eine Professorentochter sein.

Anton Muffl stellt alles auf den Kopf

Und dann kommt ein neuer Hausknecht zu den Scheitermanns: Anton Muffl (Matthias Flückiger). Ein nicht ganz Unbekannter, wie sich herausstellen soll. War er doch in besseren Zeiten selber ein reicher Grossbürger und Scheitermann sein untergebener Hausknecht. Welch überraschende Umkehrung der früheren Verhältnisse! «Ich will Euch ein furchtbarer Hausknecht sein»: so bedroht er schon im Einstellungsgespräch seinen neuen Arbeitgeber. Und so wird es auch kommen. Kein Stein bleibt auf dem anderen, die Entlarvung kann beginnen.

Genüsslich zählt Muffl Josephines zahlreiche Seitensprünge auf und demaskiert ihr gefälschtes Elternhaus. Scheitermann wird als Dieb und Schwindler desavouiert, und die Köchin Peppi Amsel (Regine Weingart) entpuppt sich als Muffl’s ehemalige Geliebte. Hilflos ist Scheitermann den Attacken seines schamlosen Angestellten ausgeliefert, der ihn pausenlos mit Nettigkeiten der besonderen Art traktiert: «Du bist ein enormer Schafskopf!»

Zum Tiger versucht Scheitermann zu werden, als er die bitteren Wahrheiten erfährt. Die Szene, in der er seine untreue Frau zur Rede stellt, wird zu einem dramaturgischen Highlight des bitterbösen Stücks. Tollpatschig, gehemmt und zutiefst frustriert versucht er sich zu rächen. Der Versuch misslingt gründlich und gibt ihn vollends der Lächerlichkeit preis. Herrlich Volker Ranischs schauspielerische Leistung in dieser Schlüsselszene. Nicht vergessen werden darf Arnim Halter, der als abgeklärter Spielleiter auch für die Regie verantwortlich ist.

Weitere Aufführungen: 2., 5., 6., 8., 23. Oktober; 8., 10., 15., 16., 17., 20., 22., 24. November. www.parfindesiecle.ch

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