NERVENKITZEL: Mordfantasien in der Bibliothek

Der Krimimarkt mit lokalen Autoren boomt. Mit den ersten St. Galler Krimitagen soll den Lesern dieses mörderischen Genres Hochspannung geboten werden.

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Katrin Braun und Eva Bachmann mit dem Plakat der Krimitage, das der St. Galler Illustrator Dario Forlin gestaltet hat. (Bild: Benjamin Manser)

Katrin Braun und Eva Bachmann mit dem Plakat der Krimitage, das der St. Galler Illustrator Dario Forlin gestaltet hat. (Bild: Benjamin Manser)

Wer ist der Mörder? Wie konnte es zur Tat kommen? Was ist das Motiv? Das literarische Genre Krimi boomt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl an Krimileserinnen und -lesern stetig gestiegen. Die Verkaufszahlen in den Buchhandlungen bestätigen das rege Interesse an der Mordslust. «Nur schon die Anzahl Neuerscheinungen ist gewaltig», sagt Katrin Braun von der Stadtbibliothek St. Gallen. Zusammen mit der Dozentin und Journalistin Eva Bachmann organisiert sie die ersten St. Galler Krimitage.

Während skandinavische Autoren schon seit längerem den Krimimarkt aufmischten, käme nun vermehrt eine neue Generation von Schweizer Autorinnen und Autoren auf den Markt, so Braun. Besonders bliebt seien «Regio-Krimis», ergänzt Bachmann. Das sind Krimis, die gewissermassen vor der eigenen Haustüre spielen. Tatort oder die Stadt, in der die Geschichte spielt, haben einen lokalen Bezug. Die Leserinnen und Leser können sich nicht nur mit der Geschichte identifizieren, sondern auch mit den geografischen Gegebenheiten. «Regio-Krimis sind mittlerweile ein eigenes Genre», so Bachmann.

Fokus liegt auf regionalen Autorinnen und Autoren

Bachmann und Braun setzen für die Veranstaltung, die in der Stadtbibliothek und im Raum für Literatur stattfindet, bewusst auf regionale Autorinnen und Autoren. «Wir wollten einen Ostschweizbezug und nicht Leute aus der ganzen Welt einladen», erklärt Bachmann. Ausserdem wolle man sich mit Lokalkolorit auch vernetzen mit Leuten, die bereits da sind. Unter den gela-denen Autorinnen und Autoren ist Danielle Baumgartner. Die Wilerin hat mit «Käfigland» kürzlich ihren ersten Politthriller veröffentlicht. Das Buch spielt in der Schweiz im Jahr 2021. Einen Bundesrat gibt es nicht mehr, dafür regiert ein Rechtspopulist. «Das Buch ist fiktiv, der Protagonist Sebastian Bracher weist jedoch viele Parallelen zu Blocher auf», so Bachmann. Bereits am Freitagabend liest der ehemalige Banker Michael Theurillat aus seinem aktuellen Buch «Wetterschmöcker». Seine Figur Kommissar Eschenbach gehört zu den Stars der Schweizer Krimiszene. Im Buch geht es um Politik, ein Rohstoffunternehmen und die Muotathaler Wetterschmöcker. Ein Tatortdinner mit einem Theater von Florian Rexer sowie einem Talk mit dem Schattenwelt-Anwalt Valentin Landmann runden das Programm ab.

Krimitage künftig alle zwei Jahre

Im vergangenen Jahr haben Eva Bachmann und Katrin Braun das Kinder- und Jugendfestival organisiert. «Die Krimitage dagegen sind für Erwachsene.» Die beiden Events sollen nun abwechselnd im Zweijahresrhythmus stattfinden. Ausserdem würden Krimis nicht vom St. Galler Literaturfestival «Wortlaut» abgedeckt. «Wir sind in diese Nische gesprungen.» Über das kommende Wochenende erfährt das Publikum spannendes über die Motive von Verbrechen sowie die Abgründe der menschlichen Seele. Weshalb begehen Menschen Morde und Verbrechen? Krimis seien für solche Fragen das faszinierendste Genre, sagt Braun. «Es ist die Spannung und die Frage, wie es weitergeht.» Ein guter Krimi ziehe den Leser faszinierend in die Story hinein.

Philipp Bürkler