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Orgelsommer: Nationale Klänge integrierten auch fremde Einflüsse

Der Orgelsommer bedient mit dem volkstümlichen Konzert zum Nationalfeiertag scheinbar nationale Klischees. Aber er vereinte Schweizer und Fremde über Grenzen hinweg zu einer Weltmeister-Hymne.
urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch
Orgeldoyen Wolfgang Sieber. (Bild: Dominik Wunderli, 18. Dezember 2017)

Orgeldoyen Wolfgang Sieber. (Bild: Dominik Wunderli, 18. Dezember 2017)

Wo «riecht die Schweiz wirklich noch nach Schweiz»? Die Frage, die am Sonntag der Luzerner «Tatort» stellt, nimmt sich aus aktuellem Anlass aus wie ein Zitat aus einer Rede zum ersten August. Und die Antwort «echt und teuer!» zeigt, wie schwierig es ist, im Reden über die Schweiz Klischeefallen zu umgehen. Zumal auch die Kritik an traditionellen Schweizer Mythen zum Stereotyp geworden ist, seit Max Frisch in seiner legendären 1.-August-Rede von 1957 das Loblied auf Wilhelm Tell verweigerte.

Da wirkte am Dienstag das volkstümliche Konzert zum Nationalfeiertag am Orgelsommer in der Hofkirche zunächst hoffnungslos altmodisch, erst angesichts der durch Migrationen in alle Richtungen gesteigerten Multikulturalität unseres Landes.

Moderne Schweizer Archaik

Denn hier durfte die Schweiz noch wirklich nach Schweiz riechen. Jodellieder der Geschwister Silvia und Annemarie Rymann beschwörten in Naturbildern ergreifend «Gottes Säge». Die majestätischen Klänge des Alphorntrios Lukas Christinat drängten aus dem Chor der Kirche wie aus einem alpinen Seitental in den Raum. Heinz della Torre blies in sein riesiges Stierhorn auf der verwaisten Kanzel wie ein einsamer Hirt auf der Alp.

Aber immer mehr wurde klar, worin die Aktualität dieser scheinbar rückwärts gewendeten Sehnsucht lag. So wirkte es geradezu programmatisch, dass Hoforganist Wolfgang Sieber in seiner Begrüssung nicht nur die «Schweizer», sondern auch alle «Fremden und Touristen» begrüsste, die die Hofkirche praktisch vollständig füllten. Denn die Schweizer Klischees, die hier vorgeführt wurden, wurzeln in einer Archaik, die ganz aktuell allen Nationalismen vorangeht. Exemplarisch galt das für die Fahnenschwingkünste von Stefan Fischer, der die Schweizer Fahne schlank wie einen Speer oder flügelflatternd wie einen Adler in den Kirchenhimmel steigen liess. Die Jodellieder, in denen die beiden Stimmen betörend verschmolzen oder sich zu opernhaften Duetten steigerten, kontrastierten Herrgotts-Ruhe mit der Ruhelosigkeit des modernen Lebens oder pointierten alten Engelsglauben zur Einsicht, «Ä jede Mänsch cha Ängel sii». Heinz della Torre (Trompete) und Wolfgang Sieber an der zwischen Echowerk und Rückpositiv farbig und frech hin und herspringenden Orgel mischten Schweizer Klängen jazzige Elemente bei und bewiesen, wie gut man fremde kulturelle Einflüsse assimilieren kann, ohne die eigene Identität zu verlieren.

Das stärkste Symbol dafür war der viel gescholtene Schweizerpsalm: Er wurde von allen Besuchern mit einer Inbrunst gesungen, wie man es sonst nur von Nationalhymnen anderer Nationen an Fussballweltmeisterschaften kennt.

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