Nasenspray statt Narkose für Kinder

Wenn Kinder wegen eines gebrochenen Arms ins Spital kommen und die Knochen verschoben sind, werden sie für die Behandlung meist in eine kurze Vollnarkose versetzt. Dann werden die Knochen in die richtige Stellung gebracht.

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Wenn Kinder wegen eines gebrochenen Arms ins Spital kommen und die Knochen verschoben sind, werden sie für die Behandlung meist in eine kurze Vollnarkose versetzt. Dann werden die Knochen in die richtige Stellung gebracht. Doch nun wollen es die Ärzte des Kinderspitals Zürich ohne Narkose versuchen. Über die Nasenschleimhaut wollen sie ein Schmerzmedikament verabreichen. So brauchen die kleinen Patienten weder Spritze noch Infusion und müssen keine Tabletten schlucken – alles Eingriffe, vor denen sie meist grosse Angst haben. Zur weiteren Eindämmung von Schmerzen erhalten sie Lachgas. «Wir sind die ersten, welche die Kombination dieser beiden Mittel wissenschaftlich untersuchen», sagt Georg Staubli, Leitender Arzt der Notfallstation. Das Schmerzmedikament sei zwar auch für Kinder offiziell zugelassen, jedoch nicht in Form eines Nasensprays.

400 Probanden gewinnen

Eine wissenschaftliche Studie soll Hinweise liefern, wie gut mit der neuen Methode die Schmerzen bekämpft werden können und wie häufig Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit auftreten. Für die Untersuchung möchten die Forscher insgesamt 400 Personen gewinnen. Davon wird der Hälfte das Schmerzmedikament über die Nase verabreicht, der anderen Hälfte wird lediglich Natriumchloridlösung in die Nase gespritzt, das keine Wirkung hat. Beide Gruppen erhalten zusätzlich Lachgas.

Im Doppelblindversuch wissen weder Arzt noch Patient, wer zu welcher Gruppe gehört. So will man suggestive Effekte so gut wie möglich ausschalten.

Keine grosse Gefahr

Das Risiko bei dieser Untersuchung sei klein, erklärt Georg Staubli. Denn es sei äusserst unwahrscheinlich, dass sich lediglich wegen einer anderen Art der Verabreichung grundlegend verschiedene Wirkungen oder Nebenwirkungen einstellen. Dennoch: Gehen Eltern, die sich zum Mitmachen entscheiden, nicht das Risiko ein, dass sie ihr Kind unnötigen Schmerzen aussetzen, sollte es der Placebo-Gruppe zugeteilt werden? Der Kinderarzt relativiert die Bedenken: In anderen Ländern würden solche Eingriffe lediglich mit Lachgas vorgenommen. So gesehen sei die Untersuchung zumutbar.

Andrea Söldi

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