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Namenswechsel in Gottlieben: Das Bodmanhaus heisst jetzt Literaturhaus Thurgau

Im Literaturhaus in Gottlieben lesen immer wieder bekannte Autoren. Dies ist den guten Kontakten der Programmleiterin Marianne Sax zu verdanken. Jetzt hat sie das Literaturhaus umgetauft.
Julia Nehmiz
Das Bodman-Literaturhaus Gottlieben wurde in Literaturhaus Thurgau umbenannt. (Bild: Reto Martin)

Das Bodman-Literaturhaus Gottlieben wurde in Literaturhaus Thurgau umbenannt. (Bild: Reto Martin)

Peter Bichsel, Tim Krohn, Erik Fosnes Hansen: Im Bodmanhaus Gottlieben liest das «Who is Who» der Literaturszene. Und wer sich jetzt fragt: Bodmanhaus? Gottlieben? Ja, am Rand vom Thurgau, eingeklemmt zwischen Tägermoos, Tägerwilen, Triboltingen und dem Untersee, ist das Literaturhaus Thurgau beheimatet. Konstanz ist nur einen Steinwurf entfernt, Frauenfeld mit dem Auto eine halbe Stunde. Und das ist ein Problem, sagt Marianne Sax.

Die Frauenfelder Buchhändlerin leitet seit zwei Jahren die Programmreihe des Literaturhauses. Sie ist es, die Bichsel, Krohn und die anderen grossen Namen nach Gottlieben holt. Wenn in zwei Wochen die Frankfurter Buchmesse startet, wird sie sich wieder mit zig Verlagen treffen, kommt mit 100 Namen für potenzielle Lesungen zurück, und wird daraus dann ein Dutzend auswählen, die im nächsten halben Jahr in Gottlieben lesen werden.

In der Jury des Deutschen Buchpreises

Dass in Gottlieben ein hochkarätiges Programm zu erleben ist, ist Marianne Sax’ Verdienst. Sie ist bestens vernetzt in der Literaturwelt. Seit 1990 führt sie ihren Buchladen in Frauenfeld, sie hat das Frauenfelder Bücherfest ins Leben gerufen, während acht Jahren war sie Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes, 2018 wurde sie in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen.

Programmleiterin, Buchhändlerin und Politikerin Marianne Sax. (Bild: Andrea Stalder)

Programmleiterin, Buchhändlerin und Politikerin Marianne Sax. (Bild: Andrea Stalder)

Das schlägt sich im Programm nieder. Vor Marianne Sax durchlief das Literaturhaus im Bodmanhaus unruhige Zeiten, zuletzt gab es viele Wechsel an der Spitze. Marianne Sax brachte Ruhe hinein, Kontinuität, Professionalität. Und eine Neuerung: Sie hat veranlasst, dass das Literaturhaus seit letzter Woche einen neuen Namen hat, Literaturhaus Thurgau. Nicht mehr Bodman-Literaturhaus Gottlieben. «Das konnte sich keiner merken», sagt Marianne Sax. Selbst Peter Bichsel, der dort schon gelesen hatte, sprach vom Bodmerhaus Gottlieben. Andere nannten es Bodenhaus.

Lesungsreihe seit 2000

Es ist kompliziert: Das Bodmanhaus wird getragen von der Bodman-Stiftung. Diese hält das Erbe von Emanuel von Bodman lebendig. Der deutsche Schriftsteller lebte mit seiner Frau Clara ab 1920 in dem Haus in Gottlieben. Nach Claras Tod 1982 verfiel das Haus zusehends. 1996 wurde die Bodman-Stiftung gegründet, die das Haus rettete und sanierte, ein kleines Museum einrichtete und eine Buchbinderei. Sie vergibt auch Stipendien für Artists in Residence. Im Jahr 2000 startete die Lesungsreihe des Bodman-Literaturhauses.

Der Literaturbetrieb wird finanziell vom Kanton Thurgau getragen. Deswegen sei der neue Name «Literaturhaus Thurgau» auch mit dem Stiftungszweck vereinbar, sagt Marianne Sax. Gegen den neuen Namen habe es keinen Widerstand gegeben.

Zu viel Arbeit neben dem Job und der Politik

Marianne Sax wurde 2017 vom Bodman-Stiftungsrat gefragt, ob sie die Programmleitung übernehmen wolle. Zunächst für drei Jahre. Diese enden 2020, und Marianne Sax hat nun beschlossen, ihr Engagement im Literaturhaus nicht zu verlängern. Es sei zu viel Arbeit. Sie führt ihre Buchhandlung, organisiert dort Veranstaltungen, politisiert im Grossen Rat, leitet das Bücherfest Frauenfeld. Und nach Gottlieben sei es einfach weit.

Lesung mit Tim Krohn

Am 10. Oktober, 20 Uhr, ist Tim Krohn zu Gast im Literaturhaus Thurgau in Gottlieben. Der im Engadin lebende Autor wird aus seinem neuen Kriminalroman «Endstation Engadin» lesen, dem zweiten Band der Krimi­reihe um den verschrobenen Polizisten Massimo Capaul. Als nächster Gast steht am 24. Oktober Tabea Steiner auf dem Programm. Die Schriftstellerin stammt aus dem Thurgau und ist mit «Balg» für den Schweizer Buchpreis 2019 nominiert. In Gottlieben wird sie aus ihrem Debütroman lesen. (rbe)

Nicht nur für die Programmleiterin, auch für das Publikum ist es weit nach Gotttlieben. Wenn Peter Bichsel liest, ist der Saal im Bodmanhaus zwar voll. Zu Kult-Krimi-Autor Friedrich Ani hingegen kamen nur neun Zuschauer. SRF-Moderatorin Esther Schneider leitete das Gespräch, Ani ist einer der ganz grossen Krimi-Autoren Deutschlands: Dass dann nur so wenig Publikum kam, war Marianne Sax peinlich.

Engere Zusammenarbeit mit Konstanz

Aber an der Geografie kann sie nichts ändern: «Wir sind von zwei Seiten begrenzt, vom See und von Konstanz», sagt sie. Und: Man spreche eher ein Ü-50-Publikum an. Viele ihrer Zuschauerinnen und Zuschauer wollen am Abend nicht mit dem Auto in den Ausgang fahren. Mit dem ÖV ist es nach Gottlieben umständlich.

Vielleicht könne man das Literaturhaus enger an Konstanz knüpfen, es gebe einen kleinen Anteil an Konstanzer Publikum. Am 7. November findet die erste Co-Produktion mit dem Literaturbüro Konstanz statt: In Gottlieben stellen sie das Debüt einer deutschen Autorin vor, in Konstanz ein Schweizer Debüt.

Ist denn das Bodmanhaus als Veranstaltungsort nicht geeignet? Früher oder später werde sich diese Frage stellen, sagt Sax. Sie selber stellt den Ort aber nicht in Frage: «Das Haus ist wahnsinnig schön, gerade auch für Stipendiaten.» Und bis Sommer 2020 wird sie wieder die Topshots der Literaturszene nach Gottlieben bringen.

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