Namen – wieder mehr als Schall und Rauch

Die Fussballer des VfB Stuttgart spielen auch in der nächsten Saison in der obersten deutschen Liga, im letzten Spiel haben sie den Ligaerhalt geschafft. Dennoch ist der Trainer, der das Team nun übernimmt, unzufrieden.

Beda Hanimann
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Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Die Fussballer des VfB Stuttgart spielen auch in der nächsten Saison in der obersten deutschen Liga, im letzten Spiel haben sie den Ligaerhalt geschafft. Dennoch ist der Trainer, der das Team nun übernimmt, unzufrieden. «Zorniger neuer Stuttgart-Trainer», so lautete gestern ein Titel in unserem Sportteil. Beim Weiterlesen zeigte sich dann: Der Mann ist nicht zornig trotz guter Aussichten. Er heisst einfach Zorniger.

Man darf annehmen, dass es die Stuttgarter nicht mit einem Psychopathen zu tun bekommen, dessen Gefühle nur schwer nachvollziehbar sind. Denn wir wissen, dass Namen nur noch vererbte Etiketten sind und mit Eigenheiten oder der Herkunft des Trägers rein nichts mehr zu tun haben. Eine Frau Schwarz mit perlmuttweisser Hautfarbe irritiert ebenso wenig wie die Tatsache, dass Herr Müller Informatikingenieur ist oder Frau Zürcher Rheintaler Dialekt spricht. Vielmehr sind es die seltenen zufälligen Übereinstimmungen, die auffallen und belustigen. Ein Metzger, der Metzger heisst. Oder ein Sänger namens Peter Schreier.

Die Zeit, in der Menschen zwecks eindeutiger Identifikation nach Eigenschaften, Tätigkeit oder Herkunft benannt wurden, liegt weit zurück. Und doch erfreut sich die Methode, Namen an eine Bedeutung anzulehnen, wieder steigender Beliebtheit. Um im virtuellen Ozean und im Meer alltäglicher Namenhülsen nicht unterzugehen, ergänzt da schon mal ein Huber seine E-Mail-Adresse mit seinem Jahrgang. Ein Reinigungsunternehmer nennt sich Der verrückte Franzose. Oder ein Gärtner greift zur Internetadresse ihrgaertner.ch.