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Naidoo führt am Blue Balls in Luzern durch einen Abend der Liebe

Das Blue Balls Festival ging am Samstag mit einem Konzert des deutschen Soul-Sängers zu Ende. Die Zukunft entscheidet sich im Herbst.
Michael Graber
Die Frauen sind schön, und Gott steht über allem: Xavier Naidoo lieferte im KKL einen Abend voller Harmonie. (Bild: Philipp Schmidli, 27. Juli 2019)

Die Frauen sind schön, und Gott steht über allem: Xavier Naidoo lieferte im KKL einen Abend voller Harmonie. (Bild: Philipp Schmidli, 27. Juli 2019)

Bereits nach zwei Minuten ist die Sitznachbarin «fassungslos», wie sie ihrer Sitznachbarin verrät. Sie ist fassungslos weil es im KKL tatsächlich Leute gibt, die noch nicht aufgestanden sind. Also eigentlich gibt es zu diesem Zeitpunkt nur zwei Leute, die bereits aufgestanden sind: die Sitznachbarin und deren Sitznachbarin. Sie seien halt ganz grosse Fans von «Xävi», wie sie einmal nach einer sehr lauten Freudebekundung entschuldigend zu den weniger lauten Nachbarn meint. Gefolgt von einem «Oh My God», wobei es auch ein «Ja, Mann!» gewesen sein könnte.

Der Mann, der gleichermassen Fassungslosigkeit und leidenschaftliche Freude bei der Dame auslöst, heisst Xavier Naidoo und beschliesst am Blue Balls den Konzertreigen im Konzertsaal des KKL. Ausverkauft. In fast schon intimen Setting – Drum, Gitarre, Piano, Stimme – spielt der deutsche Soul-Sänger zwei Stunden einen Querschnitt durch sein Schaffen.

Obschon das die Sitznachbarin anders empfindet: Es ist gerade im ersten Teil nicht unbedingt Musik zum Aufstehen. Es ist ruhig, fast schon andächtig. Musik, zu der man die Augen schliessen kann und nicht unbedingt ständig «Wooooohoooo» rufen muss. Singen kann Naidoo zweifelsfrei. Klar, warm und einnehmend. Da steckt Gefühl in jeder Note und sogar wenn er beatboxt oder Scratch-Geräusche mimt, hat das, eben, Soul.

Andachtsstimmung mit Witz aufgelockert

Vieles am Konzert ist Fanfutter. Wem sich aber der Zauber von Naidoo nicht schon vor diesem Abend erschlossen hat, der wird wohl auch im KKL kein Fan. Es ist alles recht gleichförmig, und musikalisch wird hier das Rad nicht neu erfunden. Das Konzert lebt von der Stimme Naidoos, seiner Präsenz und von der Reduktion. Nix ist zu viel, es ist aber auch nicht immer genug. Gerade die neuen Songs ab dem frisch erschienenen Album «Hin und Weg» bleiben eher in der Beliebigkeitsschlaufe hängen. Es geht rasch von Song zu Song. Naidoo entschärft die allgemeine Andachtsstimmung mit kurzen, witzigen Intermezzi. Natürlich lobt er Luzern, das Festival und den Saal. Wenn das Blue Balls so etwas wie einen Stammgast hat, dann heisst er Xavier Naidoo.

Richtig laut wird es erst, als die Frauen mitsingen

Frauen sind im Saal deutlich in der Überzahl. Ganz zur Freude der Sitznachbarin fordert «Xävi» alle Männer im Saal auf, stehend «Ich kenne nichts, das so schön ist wie Du» zu ihrer an- oder auch abwesenden Partnerin zu singen. Und all die Männer, welche «Cojones» (O-Ton Naidoo) und eine schöne Partnerin haben (also alle), stehen auf und singen. Aber nicht zu stürmisch. Richtig laut wird es erst, als die Frauenwelt mitsingen darf. Die Sitznachbarin ist fast noch ein Stücken verzückter als vorher schon.

Als einen «Abend der Liebe» hat Urs Leierer, Blue-Balls-Festival-Direktor, in seiner Ansage das Konzert angekündigt. Naidoo liebt die Liebe, Gott und die Liebe zu Gott. Er widmet Songs dem «Mann dort oben» und meint nicht jenen tapferen schwindelfreien Mann, der im vierten Balkon zur angesprochenen Liebesbekundung aufgestanden ist. Vielleicht fehlt es der Naidoo’schen Liebe manchmal an den Krisen und Streitigkeiten, damit sie auch wirklich berührt. Es ist zwar vordergründig hadernde Liebe, aber sie schielt immer auf die Erlösung.

Auf Dauer – zwei Stunden sind da haarscharf die Grenze – wird das ein bisschen langweilig. Auch das würde man der Sitznachbarin nicht unbedingt sagen wollen. Sie wäre dann wohl wieder gleich «fassungslos» wie nach zwei Minuten Konzert. Und den After-Show-Prosecco sollte man an einem «Abend der Liebe» niemanden versauen.

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