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Lesetipps Lyrik: Augenblicke von zerbrechlicher Schönheit

Innehalten "unter uns Wegwerfmenschen", das machen Franz Hohler und Markus Bundi in gesammelten und neuen Gedichten, in lyrischen Nachdenkereien und zarten Momentaufnahmen.
Bettina Kugler

Nahrhaftes aus Hohlers Volksküche

Er selbst gibt sich bescheiden. Ein Dichter für die grossen literarischen Feinschmecker sei er nicht, schreibt Franz Hohler im Gedicht «Schlechte Presse», das diesen Sammelband abrundet. Doch Hohler fischt nicht nach verdientem Lob, das hat er ja nicht nötig: «meine Volksküche ist gut besucht» – was will er mehr? Ausgebuchte Kleinkunstbühnen und die Verkaufszahlen seiner Romane und Erzählungen bestätigen es. Nebenbei sind in mehr als fünf Jahrzehnten immer auch ­Gedichte entstanden und in den Bänden «Vierzig vorbei» (1988), «Vom richtigen Gebrauch der Zeit» (2006) und «Alt?» (2017) erschienen. «Nachdenkereien» würden sie bei Erich Kästner heissen – sensible, kluge Texte, nah am Leben, aber nie abgewandt von der Welt. Nachträglich zum 75. Geburtstag Hohlers gibt es sie nun gesammelt und ergänzt durch bislang unveröffentlichte «verstreute» Gedichte. Stundenlang kann man darin blättern, mit dem notorischen Spaziergänger und geistesgegenwärtigen Beobachter Franz Hohler von Augenblick zu Augenblick wandern, mit ihm lächeln oder die Stirn runzeln über die heillose, unverbesserliche Welt. «Wer Hohler liest, wird unmerklich merklich klüger», schreibt Nora Gomringer im Nachwort, «denn es schreibt ein Unautoritärer mit Autorität.» Einer, der mit 75 noch den Sommer spürt und weise lachen kann.

Franz Hohler: Sommergelächter. Die Gedichte. Mit einem Nachwort von Nora Gomriger. Luchterhand, 352 S., Fr. 30.-

Augenblicke auf der Achterbahn

«Innehalten»: So lautet für den Lyriker Markus Bundi, 1969 in Wettingen geboren, der kategorische Imperativ «unter uns Wegwerfmenschen». Also bleibt er staunend stehen, etwa auf dem Jahrmarkt, träumt Schneeflocken und Seifenblasen nach. «Gefasste Regenbogen in beweglichen Kugeln» sind sie für ihn, «unvoreingenommen in ihrem Glanz». Augenblicke von zerbrechlicher Schönheit hält er in seinen Gedichten fest; unter der Seifenblasenhaut der Dinge und Gedanken scheint der Mensch durch oder entzieht sich einer Festlegung – etwa der Lieblingsschauspieler bei einer zufälligen Begegnung auf der Strasse. Oft spricht «der Bub in mir», von Lebkuchen und Bettmümpfeli: mit kindlich zarter, poetisch leiser Stimme.

Markus Bundi: Ankunft der Seifenblasen. Gedichte. Waldgut lektur, 72 S., Fr. 24.-

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