Nah am Publikum – oder am Berg und in der Luft

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Kreative Körper Die einen platzieren ihr Publikum in jedem Stück anders und nutzen den Spielraum der Grabenhalle (von Sonntag bis Donnerstag, wohlgemerkt; am Wochenende haben Musikbands Vorrang), um mehr und mehr die Grenzen zwischen Akteuren und Zuschauern aufzuheben. Die Kompanie Rotes Velo (siehe Haupttext) produziert gern in und für die Grabenhalle: Stücke wie «Ich bin ... Punk?», «Uppercut» oder «SuperwoMen», mit vierzehn älteren Menschen. Immer wieder arbeiten sie mit Laien, sparten- und generationsübergreifend. Mehr als 50 Künstlerinnen und Künstler aus 14 Ländern waren bislang beteiligt.

Anderen ist die Alternativbühne am Unteren Graben zu klein für ihren Bewegungsdrang: etwa dem Panorama Dance Theater. Wie schon Philipp Egli, von 2001 bis 2009 Tanzchef am Theater St. Gallen und Vorkämpfer der Lokremise als Bühne für zeitgenössischen Tanz, experimentieren Tobias Spori und Ann Katrin Cooper gern mit ungewöhnlichen Räumen. So präsentierten sie ihr Stück «Moderne Pilger» in der Kletterhalle, wanderten in «Echos» auf die Bollenwees im Alpstein und zeigten Fusionen zwischen Tanz und Bungee, Klettern und Kampfsport.

Zudem haben sie mit den «épisodes culturelles» ein reizvolles Format für Kleinigkeiten und Kostproben aus verschiedenen Sparten kreiert und dabei diverse Szenen und Kulturcliquen zusammengebracht. Diese Woche hat ihr neues Stück Premiere in der Lokremise: In «The Wisdom of the Crowd» geht es um Schwarmintelligenz; sechs Männer aus Spanien, Italien, Hongkong und der Schweiz werden kraftvoll und temporeich die Theorie in sinnliche Tanzpraxis übersetzen. «Es darf anstrengend, physisch und tänzerisch sein», sagt Tobias Spori über die Panorama-Stücke. «Ich habe immer grosse Lust, Sachen auszuprobieren. Das Konzept sollte dabei nicht zu stark werden.»

Experimentell und kühn gehen Cecilia Wretemark, Jasmin Hauck und David Schwindling mit ihrem Kreativ-Kollektiv House of Pain an die Schmerzgrenze. Stücke wie «Bloody Mess» oder «Trieb Werk» wollen das Denken in Bewegung bringen, setzen in oft drastischen Bildern einen Kontrapunkt zum gefälligen Kulturkonsum.

Mit Performances im Freien und interdisziplinären Stücken haben Alena Kundela und Magdalena Weniger vom Kollektiv Koma auf sich aufmerksam gemacht. Im Februar zeigten sie gemeinsam mit Elenita Queiroz und Belinda Winkelmann ihre neue Produktion «Off one’s turn» in der Grabenhalle. (bk.)