Nächsten Montag startet die neue Streaming-Plattform Disney+ in der Schweiz

Ab nächster Woche haben Eltern ein weiteres Hilfsmittel, ihre Kids zu Hause zu unterhalten: Die Film- und Serien-Plattform Disney+.

Marlene von Arx
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Ein Kind, das schnucklige Baby Yoda, ist der Star der Serie «The Mandalorian».

Ein Kind, das schnucklige Baby Yoda, ist der Star der Serie «The Mandalorian».

Bild: Imago Images

Braucht man nebst Netflix und Prime Video nun auch noch Disney+? Das Angebot ist für Familien, Sci-Fi-Geeks und Superhelden-Fans nahezu ein Muss: Auf Disney+ sind nicht nur die klassischen Disney-Filme von «Fantasia» (1940) bis «Beauty and the Beast» und die «Fluch der Karibik»-Reihe zu sehen, sondern auch viele Titel von Marvel («Avengers»), Lucasfilm («Star Wars») und Pixar («Cars»). Obwohl diese Firmen zu Disney gehören, fehlen aus rechtlichen Gründen noch einige Marvel-Filme (z.B. «Iron Man») im Programm. Dafür ist «Toy Story 4» der erste Pixar-Film, der nicht mehr unter Disneys Streaming-Vertrag mit Netflix fällt und nur bei Disney+ zu sehen sein wird.

Wegen der Corona-Krise wird «Die Eiskönigin 2» («Frozen 2») jetzt schon zur Lancierung freigegeben – drei Monate früher als geplant. Dazu kommen Naturfilme von National Geographic, darunter «Jane» über Jane Goodalls Leben mit Schimpansen und der Oscar-prämierte Kletter-Film «Free Solo». Mit Disneys Einverleibung von 20th Century Fox werden mit der Zeit auch Titel aus dieser Filmbibliothek aufgeschaltet. Bereits erhältlich aus dem Hause Fox sind unter anderem «Avatar», «Kevin – allein zu Haus» und die Serie «The Simpsons».

Disney+ wartet auch mit exklusiven Eigenproduktionen auf wie Tom McCarthys «Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie» und die Live-Action-Version des Animation-Klassikers «Susi und Strolch» bei den Filmen, sowie «High School Musical: The Musical» und der «Star Wars»-Ableger «The Mandalorian» bei den Serien. Der Service kostet Fr. 9.90 pro Monat. Bis 2024 will Disney weltweit 60 bis 90 Millionen Abonnenten für sich gewinnen.

Im folgenden Stellen wir die zwei Flaggschiffe von Disney+ vor:

«The Mandalorian»

Regisseur/Drehbuchautor/Schauspieler Jon Favreau ist ein «Star Wars»-Fan. Er sprach die Stimmen von Rio Durant in «Solo: A Star Wars Story» und von Pre Visla in der animierten Serie «Star Wars: The Clone Wars». «Für Disney+ schlug ich Produzentin Kathleen Kennedy eine Serie vor, die nach ‹Return of the Jedi› spielt, also nach der Revolution und dem Empire», schilderte der Filmemacher an der D23-Disney-Fanclub-Konferenz letztes Jahr seine Idee. «Es herrscht Chaos. Man versucht, sichere Communitys zu etablieren. Unsere Hauptfigur ist ein Mandalorian, der wie ein Samurai oder Revolverheld aus alten Western durch die Lande zieht.» Mandalorians (Pre Visla gehört ebenfalls zu ihnen) sind Kämpfer, die nach einem bestimmten Kodex leben und stets Rüstung tragen. Kein Problem für Pedro Pascal («Narcos», «Game of Thrones»), der den mysteriösen Titelhelden unter dem Helm verkörpert. «Wir tragen doch alle eigentlich immer eine Maske», erklärt er, wie er sich dem Space-Western annäherte. «Ich fragte mich bei den Dreharbeiten immer: Was würde Clint Eastwood tun.»

Ein Auftrag als Bounty Hunter führt den Mandalorian in der ersten der acht Episoden zu einem «Kind» – das sich als schnuckliges «Baby Yoda» entpuppt. Baby Yoda ist der eigentliche Star der bei Kritikern und Fans gleichsam gelobten Serie von Favreau und «Clone Wars»-Produzent Dave Filoni. An ihm haben verständlicherweise verschiedenste Parteien Interesse. Die Nebenrollen sind daher mit vielen prominenten Namen besetzt wie Werner Herzog, Nick Nolte, Taika Waititi, Carl Weathers (bekannt als Apollo Creed aus «Rocky») und Mixed-Martial-Arts-Champion Gina Carano. «The Mandalorian» ist die erste Live-Action-Serie des «Star Wars»-Universums. Die zweite Staffel soll im Oktober freigeschaltet werden.

«Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie»

Der Drehbuchautor und Regisseur Tom McCarthy ist bekannt für Indie-Filme wie «Spotlight» über das Cover-up der Kindesmisshandlungen in der katholischen Kirche und «The Visitor» über das Zusammenleben eines Professors mit einem illegalen Immigranten. Dass sein Film «Timmy Flop: Versagen auf der ganzen Linie» als eine der ersten Visiten-Karten für die Original-Filme von Disney+ aufgeschaltet wird, soll Signalwirkung haben. «Die Disney-Leute sagten mir, dass sie immer Stoffe suchen, die nicht nach dem alten Muster gestrickt sind und ihre Marke auf neue Weise umsetzen», erklärt McCarthy, der den Film deshalb auch nicht im Disneyland, sondern während des Sundance Film Festivals promotete. «Einen Film zu machen, den sowohl Zehn- wie Vierzigjährige gut finden, ist intellektuell sehr reizvoll.» Basierend auf den «Timmy Failure»-Kinderbüchern von Stephan Pastis erzählt.

«Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie», die Geschichte eines exzentrischen Fünftklässlers, der als Detektiv mit einem (imaginären?) Eisbären ausserordentliche Fälle löst, während er Veränderungen in seinem realen Leben (Umzug, neuer Freund der Mutter, Schulübertritt) zu verarbeiten hat. «Timmy ist mehr ein Indie-Film als ein klassischer Kinderstreifen», sagt McCarthy. «Wir spielen hier mit echten Themen, einer überforderten Mutter mit einem schwierigen Kind – und dazu ein Bär, der nicht spricht.»

Dieser wurde von denselben Leuten kreiert wie der Game-Changer-Bär in «The Revenant». Trotzdem hat sich McCarthy lange überlegt, ob er bei einem Streaming-Service richtig ist: «Ich habe mich letztlich dafür entschieden, weil ich die Motivation verstehe, Familienfilme auf Streaming-Services zu verlagern. Und sie gaben mir das Geld, um mit den besten Leuten einen qualitativ hochstehenden Film zu machen.» (mav)

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