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NACHWUCHSATELIER: Leute machen Kleider

Was ist ein Kleid? Hülle, Schutz, Projektionsfläche? Die vier Stipendiatinnen von Tanz mit Bruce in Frauenfeld öffnen ihr Atelier – und zeigen spektakuläre Mäntel.
Vier Frauen in Weiss (v. l.): Marion Täschler, Elea Rohner, Katherine Newton, Katia Rudnicki in der Shedhalle Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Vier Frauen in Weiss (v. l.): Marion Täschler, Elea Rohner, Katherine Newton, Katia Rudnicki in der Shedhalle Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Wie kopflose weisse Götter hängen sie von der hohen Decke der Shedhalle: Mäntel, mindestens Konfektionsgrösse 247. Dreissig an der Zahl, nicht bloss drei wie ursprünglich geplant. Und an der Vernissage werden sie schweben, nicht hängen, ausser Reichweite selbst für Riesen. Geschneidert haben sie vier junge Künstlerinnen aus St. Gallen und Basel: Elea Rohner, Katia Rudnicki, Katherine Newton und Marion Täschler. Mit ihrem Projekt «Kleid» haben sie das thurgauische Nachwuchsatelier Tanz mit Bruce gewonnen.Warum Mäntel? «Ein Mantel ist weder weiblich noch männlich und kann alles mögliche bedeuten», sagt das Quartett. Schutz, äussere Hülle, eine Art Leinwand oder Projektionsfläche.

Ein Ballon platzt am ­zwölften Tag

Die vier Künstlerinnen arbeiten erstmals miteinander und würfeln Ausbildungen wie Design oder Architektur zusammen. Spannend sei der Austausch an den Schnittstellen. Spannend auch das Auftreten ganz in Weiss, bei der Arbeit und ausserhalb der Shedhalle. Der Satz «Kleider machen Leute» ist nicht mehr gültig, die Individualität geht verloren, «es gibt dich nur noch innen». Die Uniform als Schutz gegen aussen, als Grenze zwischen dem Materiellen und Immateriellen.

Am zwölften Tag eine Explosion! Ein Heliumballon platzt in einem der Mäntel, als wolle er die Gefühlslage der Künstlerinnen widerspiegeln. Und sie mussten die Dimensionen und Proportionen der Ballone neu denken. Wie in einem Labor kommen sich die vier Künstlerinnen vor: Alles ist im Fluss, nichts abgeschlossen. Das Projekt «Kleid» werde sich – anders als ein Kleidungsstück – andauernd verändern. Bis zur Finissage Anfang Juli.

Das Kleid als persönliche Architektur

Drei Wochen Vorarbeit für das Projekt, im Januar kommt von Kuratorin Katja Baumhoff die Zusage zu Tanz mit Bruce, danach treffen sich Elea Rohner, Katia Rudnicki, Katherine Newton und Marion Täschler regelmässig. Seit Anfang Mai arbeiten die vier Künstlerinnen im Atelier. Ernst sagen sie: «Dauernd müssen wir überprüfen, ob zu unserer Idee passt, was wir machen.» Aber dann lachen sie: «Es ist immer noch ein Wagnis.» Wir fragen nochmals nach der Individualität, nach der während des Projekts zurückgestellten Persönlichkeit: Was bedeutet ein Kleid für Sie? Marion Täschler: «Zugleich Abgrenzung und Verbindung mit der Umwelt.» Elea Rohner: «Es ist meine Form.» Kathe­rine Newton: «Immer mehr eine Projektionsfläche – von aussen wie von innen.» Katia Rudnicki: «Ein Kleid ist nach wie vor die persönlichste Architektur, die man trägt.»

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Tanz mit Bruce #8, Shedhalle im Eisenwerk, Frauenfeld Fr, 9.6., 18 Uhr: Vernissage Do, 22.6., 19 Uhr: Führung Do, 29.6., 19 Uhr: Gespräch Fr, 7.7., 18 Uhr: Finissage und Sommerfest

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