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NACHRUF: Sinnenfreudige Liebhaberin der Welt

Vor kurzem ist die St.Galler Schriftstellerin und Lyrikerin Elisabeth Heck gestorben. Der Lyriker Ivo Ledergerber würdigt seine Kollegin.

Präzise, tiefsinnig, schön – derart sind die Gedichte der St. Galler Schriftstellerin Elisabeth Heck. Sie ist im Oktober im 93. Lebensjahr leise von uns gegangen. Zurückgezogen hatte sie schon seit längerer Zeit gelebt. Kennen Jüngere ihre Texte noch? Das Weihnachtsbuch vom schwarzen Schaf, die Geschichte von Michael und dem Drachen? In Spanien kennen das alle und in Korea viele, aber das sind ihre Kindergeschichten. Elisabeth Heck war eine begabte und erfolgreiche Kinderbuchautorin.

Wer kennt noch ihre Gedichte? Bevor / ein Schritt / den neuen Tag / wie Glas / zertritt. Neun Wörter und was für eine Weite der Gedanken: Da spricht Hoffnung, da spricht Vorsicht, da spricht Respekt und Behutsamkeit, da spricht Denken.

Ein Augenmensch, der die Welt, den See liebt

Elisabeth Heck war eine ganz eigene Philosophin und zugleich eine sinnenfreudige Liebhaberin der Welt, die gerne reiste und die ihren See über alles schätzte. Im und am Bodensee fand sie wundervollste Anregungen. Wenn dein See / wie eine Blume / dich an sich zieht / der blütenzarte Rand / unmerklich / sich entrollt / da kein Ufer / ihn mehr hält.

Bist du / die weisse Wolke / hoch und fern / so bin ich / das Segel / im Wind / die Spiegelbilder / finden sich / und schwanken / über der Tiefe. Oder: Abendsee / empfängst die Sonne / wie eine Frucht / verdorben / oder ausgereift / lässt sie fallen / in die Nacht.

Ganz Augenmensch ist Elisabeth Heck auch in kurzen erzählenden Texten: Im Schaufenster der Broderie sah sie die nach seinen Entwürfen gestickten Blumen. / Er malte auch Bilder. Besonders gut gelangen ihm Bleistift-Skizzen, grau. Einmal äusserte er sich: Mein Alltag – grau. / Sein unerfüllter Wunsch: eine Reise nach Madeira. / Nach seinem Tod reiste sie zur Insel Madeira. Grauer Nebel – aber Blumen, Blumen in leuchtenden Farben. Leise Melancholie schwingt mit in dieser Erinnerung an den zeichnenden Vater.

Elisabeth Heck wusste um die eigene Vergänglichkeit, ordnete ihr Arbeiten und hoffte, sie möge wenigstens in ihren Texten noch eine Zeit lang weiterleben. Nicht viele Worte machte sie, wenn es um das Transzendente ging, aber ihre mystische Verwurzelung schimmert durch in vielen Zeilen. Ruhe finden / vielleicht / im Stein / einer Statue / des Domes / lächeln / unauswischbar / sinnen / ins letzte Licht / verblassen in einsame Wache / vor dem Geheimnis.

Und stets hat sie sich bescheiden dem Unaussprechlichen geneigt:

Wenn die Zeit / dir entgleitet / wie Wellen / dem Stein.

Ivo Ledergerber

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

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