NACHRUF: Seinen Schmerz fühlen

Chris Cornell galt als Mitbegründer der Grunge-Rock-Szene und feierte mit der Band Soundgarden Erfolge. Jetzt ist der Sänger im Alter von 52 Jahren gestorben.

Christina Horsten (dpa)
Merken
Drucken
Teilen
Er wollte immer Musiker sein: Soundgarden-Sänger Chris Cornell (1964–2017) bei einem Konzert im April 2016 im englischen Manchester. (Bild: Shirlaine Forrest/Getty)

Er wollte immer Musiker sein: Soundgarden-Sänger Chris Cornell (1964–2017) bei einem Konzert im April 2016 im englischen Manchester. (Bild: Shirlaine Forrest/Getty)

Christina Horsten (DPA)

Das Konzert im Fox Theatre in Detroit ist ausverkauft. Auf Fotos, welche die Veranstalter später beim Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichen, ist Soundgarden-Sänger Chris Cornell bei dem Auftritt am Mittwochabend in vollem Einsatz zu sehen – er reisst die Hände in die Höhe oder hält einem jubelnden Publikum das Mikrofon hin. Wenige Stunden später ist Cornell tot, «plötzlich und unerwartet», wie sein Sprecher sagt. Der Sänger, der zu den ganz Grossen der Grunge- und Alternative-Rock-Szene gehörte, wurde nur 52 Jahre alt.

Die genauen Umstände seines Todes bleiben zunächst unklar. Die Familie erklärt, sie wolle eng mit dem Gerichtsmediziner zusammenarbeiten. Cornell hatte in der Vergangenheit offen über seinen Hang zu Drogen und Alkohol gesprochen, galt aber seit einiger Zeit als trocken. Mit seiner Ehefrau Vicky hatte Cornell eine Tochter und einen Sohn, aus seiner ersten Ehe mit Susan Silver eine Tochter.

«Musik muss in die Eingeweide gehen»

Mit Soundgarden hatte Cornell, der zu den Mitbegründern der Grunge-Bewegung gehört, seine grössten Erfolge gefeiert, vor allem die Rockhymne «Black Hole Sun». Seine Stimme, die auch durch den Song «You Know My Name» aus dem James-Bond-Film «Casino Royale» bekannt wurde, bezeichnete der Sänger einmal als «kompromisslos männlich». Nach der vorläufigen Auflösung 1997 hatte die Band sich vor einigen Jahren wiedervereint und plante gerade ein Comeback.

Geboren wurde Chris Cornell, der auch Frontmann der Alternative-Rock-Band Audioslave war, in Seattle. Schon früh wollte er Musiker werden. «Komme was wolle, ich würde Musiker sein», sagte er in einem Interview. «Ich habe mich mit Aushilfsjobs finanziert, damit ich Musik schreiben, in einer Band sein und Konzerte geben konnte.» Auch die Art der Musik war ihm früh klar: «Damit ich eine Musik mag, muss sie entweder in die Eingeweide gehen, mit Wut oder Aggression oder einer anderen Leidenschaft der Rockmusik haben. Oder es muss Melancholie oder Selbstbetrachtung geben, irgendwas, damit man seinen eigenen Schmerz fühlt.» Songs wie «Rusty Cage» oder «New Damage» gelten als wütender wie die von Nirvana.