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NACHRUF: «Rebellion ist berechtigt»

Der St. Galler Fotograf, Fotohistoriker und 68er-Agitator Roland Gretler ist tot. Mit seiner immensen sozialgeschichtlichen Fotosammlung dokumentierte er den Kampf der Arbeiter für Würde und Solidarität.
Fotograf und Sozialforscher Roland Gretler. (Bild: Keystone (4.9.2013))

Fotograf und Sozialforscher Roland Gretler. (Bild: Keystone (4.9.2013))

Auf seiner Todesanzeige ist zweimal vom Träumen die Rede. In einem Gedicht von Joseph von Eichendorff und in einer Liedzeile aus «Imagine» von John Lennon. Roland Gretler, St.Galler Fotograf und leidenschaftlicher Kämpfer für Arbeiterrechte, träumte sein Leben lang: als Bub von der Mittelschule, als Tropenpflanzenpfleger in der Basler Pharma vom Kampf gegen den Kolonialismus in Afrika, dann von moderner Fotografie, später als Mitglied der Partei der Arbeit vom Sozialismus. Was er ­darunter verstand, formulierte Gretler als sein Ziel der Gewerkschaftsarbeit: «Menschlichkeit und ­Solidarität, nicht eine Lohnerhöhungsmaschine.»

Am 22. Januar ist Roland Gretler im Kantonsspital St.Gallen gestorben. Er wurde 80 Jahre alt. Die Summe seines Engagements konnte man in der imposanten Schau seiner sozialgeschichtlichen Fotosammlung in St.Gallen 2013 im Kulturraum am Klosterplatz begutachten: «Gretlers Panoptikum». Ein Jahrhundert Sozialgeschichte, Kampf gegen Faschismus, Kampf für Arbeiter- und Frauenrechte ­wurde einem als labyrinthische Schaubude offeriert. Bereits 1988 hatte das Historische und Völkerkundemuseum unter dem Titel «Heraus aus dem Dreck, Lärm und Gestank . . .» eine Auswahl seiner Fotosammlung gezeigt.

Fotografie als Waffe im Klassenkampf

Mit seiner Heimatstadt St.Gallen hatte Gretler allerdings auch seine Mühe. Der Vater, ein Stickereientwerfer, fand in den 1940er- Jahren keine Arbeit mehr, die Familie lebte unter ärmlichen Verhältnissen. Erst in seinen letzten Lebensjahren hat er mit seiner Frau den Wohnort wieder in die Ostschweiz verlegt, nach Herisau. Gewirkt hatte er vor allem in Zürich, wo er sich zum Fotografen ausgebildet und als Werbe- und Industriefotograf gearbeitet hatte, wegen seines politischen Engagements kam er auf schwarze Listen. Mit seinen Plakaten war er ein Motor der 68er-Bewegung (unter anderem mit dem ­legendären Hendrix-Plakat «Rebellion ist berechtigt»), prägte den Arbeiterfotobund mit dem Motto «Die Kamera ist eine Waffe im Klassenkampf» und fand so zu seinem grossen Thema: Bewusstseinsbildung.

Den Massstab für Unrecht hatte er schon in St.Gallen erfahren: 1945 hatte Gretler einen jüdischen Buben, der aus dem KZ Bergen-Belsen gerettet worden war, als Klassenkameraden. Auf seinen Freund Niklaus Meienberg schrieb er ­einen Nachruf. Seiner Haltung blieb er treu. So erstaunt nicht, dass in seiner Todesanzeige eine Spende für die Gruppe Schweiz ohne Armee empfohlen wird.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler@tagblatt.ch

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