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NACHRUF: Humor verband sie mit harter Arbeit

Die 1962 in St. Gallen geborene Susanne Frank ist als Geigerin im Carmina Quartett auf allen grossen Bühnen der Welt aufgetreten. Nach langer Krankheit ist sie gestorben.
Charles Uzor

In ihrem Gedicht «Carnegie Hall Rush Seats» spricht Mary Karr davon, dass man stirbt. Karr sagt – mit der Stimme des Cellos – nicht, you die, sondern you’re dying. Jeden Tag werde das Cello in den Arm genommen und zum Zittern gebracht. Unter Schmerzen, und entgegen den Einwürfen des Orchesters werde es dazu gebracht, die Schreie der Heiligen und Dämonen aus den Resonanzlöchern zu locken.

Es ist ein schönes, aber irgendwie unerbittliches Gedicht, das gleichzeitig Distanz und Betroffenheit angesichts des Todes zeigt. Es weiss, dass die «rush seats» die billigen Plätze sind, und dass Worte über den Tod nie authentisch sein können. Susanne Frank habe ich flüchtig in meiner Schulzeit an der Kantonsschule am Burggraben kennen gelernt. Ich hatte davon gehört, dass sie Violine spielte wie keine andere St. Gallerin. 1976 gewann die damals 14-Jährige den ersten Preis des 1. Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs. Danach studierte sie am Zürcher Konservatorium, wo sie mit dem Solistendiplom abschloss. Eine Zeit intensiver Solotätigkeit brachte sie mit vielen musikalischen Partnern zusammen.

Sie spielte unzählige Konzerte und entdeckte die Freude an der Weitergabe ihres Wissens an junge Talente. Nicht nur im Technischen, in Phrasierung und Tongebung, auch in der urtümlichen, unverkrampften Spielfreude vermittelte sie als Dozentin für Kammermusik an der ZHdK ihr persönlichstes Gut. Humor verband sie problemlos mit harter Arbeit und Ausdauer, wobei es ihr um Genauigkeit ging: das richtige Tempo zu treffen, den richtigen Ton zu finden, das Werk zu durchleuchten mit den vielen Möglichkeiten, die Saiten zu streichen.

Seit 1988 spielte Susanne Frank im Carmina Quartett. Ein Leben auf der internationalen Bühne, von dem so viele träumen und das nur wenigen gegeben ist.

Sie brachte den Tanz ins Stück

Ein Leben, das in die Musikzentren Europas, Amerikas, Australiens und Japans führte und wo sie im Quartett begeisterte Reaktionen, Kritiken und Preise erntete. Vielleicht hat sie mit Matthias Enderle, Wendy Champney und Stephan Goerner die ideale Verbindung von eigenem Ausdruck und Ensemble gefunden. Jedes Instrument ist ebenbürtig, hat seinen Platz und seine Funktion – wie eine Lebensform, wo man sein Bestes gibt und persönliche Empfindungen sich verbinden. Ich durfte dies 2004 in einem Projekt mit Werken von Mozart, Schubert und von mir erleben. Da gab es am Schluss des Klarinettenquintetts diese Pizzicato-Tonleiter in der zweiten Violine. Die Musik war schwierig, die Zeit der Aufnahmesession längst überzogen, alle waren müde und hungrig. Susanne Frank beharrte auf dieser Tonleiter. Sie wollte sie im richtigen Geist spielen und gab so dem Stück quasi beiläufig eine zusätzliche Note. Ich erinnere mich, wie sie mit dieser Tonleiter den Tanz ins Stück brachte – und dann lachte sie ihr helles Lachen. Ich empfand Susanne Frank als vornehme Frau, vor der ich grossen Respekt hatte.

Charles Uzor

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

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