Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

NACHRUF: Eine letzte Kreisfahrt für einen Gentleman

Er ist einer der bekanntesten Kameramänner: Michael Ballhaus. Der Deutsche hat mit Fassbinder, Scorsese und vielen weiteren grossen Regisseuren gedreht. Jetzt ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.
Andreas Stock

Ohne Michael Ballhaus hätte das Hollywood-Kino der letzten 30 Jahre ärmer ausgesehen. Seine 360-Grad-Kreisfahrten waren lange ein Markenzeichen – bis sie vielfach kopiert wurden. Ballhaus hatte sich einen Namen in einem Metier gemacht, in dem das Publikum vor allem die Schauspielstars und vielleicht noch den Regisseur kennt. Doch der 1935 in Berlin geborene Sohn von Schauspieler-Eltern war ein Director of Photography, wie es in englisch präziser heisst, der es in Hollywood geschafft hat.

Er hatte einen eigenen Stil entwickelt, obwohl er mit unterschiedlichsten Regisseuren ar-beitete, darunter viele der Grossen: Er drehte fünfzehn Filme mit Rainer Werner Fassbinder, später gestaltete er unter anderem ­Bilder für Martin Scorsese, Mike Nichols, Francis Ford Coppola («Dracula») und Robert Redford. Martin Scorsese, der mit ihm sieben Filme drehte (darunter «Color of Money», «Goodfellas»), sagte über Ballhaus: «Er ist ein Gentleman».

Spiel der Blicke und des Begehrens

Bei einer persönlichen Begegnung am Filmfestival Locarno traf man auf einen sympathischen, unaffektierten und klugen Mann. Mit ihm über seine Arbeit zu reden, war ein lehrreiches Vergnügen. Über die besondere Beziehung, die ein Kameramann mit den Schauspielerinnen hat, schrieb er in seiner Autobiografie «Bilder im Kopf»: «Es ist ein hoch kompliziertes Spiel der Blicke, des Begehrens und des Sich-Hingebens zwischen Star und Kameramann.» Zum Film gekommen war Ballhaus nach einer Fotografenlehre als 18-Jähriger, wo er am Set von Max Ophüls’ «Lola Montez» zusehen durfte. «Ich weiss, dass ich nicht lange zuschauen musste, um zu spüren und zu begreifen, dass es genau das war, was ich werden wollte: ein Kameramann.» Beim Südwestfunk Baden-Baden begann er als Fernsehkameramann, bevor in Berlin die ersten Kinofilme folgten und die Zeit mit Rainer Werner Fassbinder. In den USA wurde Regisseur John Sayles auf Ballhaus aufmerksam und verpflichtete ihn 1983 für«Baby, It’s You». Er drehte auch Musikvideos für Madonna, Prince und Bruce Springsteen. 1984 traf er auf Scorsese, für den er erstmals bei «After Hours» die Kamera führte.

Gefühle in bewegten Bildern

Wer den Stil von Michael Ballhaus beschreiben will, kommt zwar um seine legendären Kreisfahrten nicht herum, seine Kamera, die oft in Bewegung ist. Dennoch hatten ihn blosse Effekte und technische Spielereien nie interessiert. Die Bewegung und ungewöhnliche Blickwinkel sollten stets dazu dienen, etwas Wesentliches der Geschichte hervorzuheben. Die Menschen und ihre Gefühle in bewegte Bilder zu fassen, das gehört zu seiner Handschrift. «Für mich waren die Augen immer das wichtigste Sinnesorgan, das wichtigste Werkzeug, das ganze Kapital», sagte Ballhaus. Wie bitter muss es für ihn gewesen sein, als er sein Augenlicht stark einbüsste. Seine Hollywoodkarriere erklärte er 2005 mit «The Departed» von Scorsese für beendet. Als Dozent arbeitete er an deutschen Filmhochschulen, und für «3096 Tage» stand er 2014 ein letztes Mal für seine zweite Frau Sherry Horman hinter der Kamera. Dann zog sich Michael Ballhaus endgültig zurück. Mit seiner visionären Bildsprache hat er Filmgeschichte geschrieben.

Andreas Stock

andreas.stock

@tagblatt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.