Nachruf: Die Stadt St.Gallen verliert einen ihrer eigenwilligsten Drummer

Der St.Galler Schlagzeuger und Perkussionist Thomas Troxler ist mit 37 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.

Roger Berhalter
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Thomas Troxler, Musiker, 1983–2020.

Thomas Troxler, Musiker, 1983–2020.

Bild: PD

Am Kulturfestival St.Gallen stand er noch ein letztes Mal auf der Bühne. Am 1. Juli gab Thomas Troxler dort mit seiner Band Pätschwerk sein letztes Konzert. Er war schon gezeichnet von seiner Krankheit, spielte aber so filigran und präzis, wie man es vom St.Galler Schlagzeuger und Perkussionisten seit jeher kennt. Einen Monat später verstummte er für immer. Am 4. August erlag Troxler seinem Krebsleiden.

Thomas Troxler war ein umtriebiger Musiker, der die regionale Kulturszene mit seinen Rhythmen bereicherte. Er konnte druckvolle, tanzbare Breakbeats spielen, aber auch feine Klangteppiche legen, manchmal auch nur von Hand auf einer Trommel. Sein bekanntestes Bandprojekt war Flieder, ein Postrock-Duo, das er mit seinem langjährigen Freund und Mitmusiker Thomas Böhm vorantrieb. Mit Flieder trat Troxler ebenfalls am Kulturfestival St.Gallen auf, 2009 als Vorband von The Young Gods.

Und seine Musik lebt weiter. Gerade diese Woche erschien wieder ein Album, auf dem Thomas Troxler posthum als Perkussionist zu hören ist. Dieses Engagement ist typisch für ihn: Troxler stellte sich als Musiker nie in den Vordergrund, sondern wirkte lieber im Hintergrund und trug mit seiner Spielweise doch Entscheidendes zum Ganzen bei.

Bild: Marina Saanishvili

Auch mit der Tanzkompanie Rotes Velo war er eng verbunden, und er half mit, das genossenschaftliche Musiklabel Red Brick Chapel zu gründen und aufzubauen. Als Musiker und Mensch entwickelte sich Troxler stets weiter. Wer bin ich, und was kann ich weitergeben? Diese Fragen beschäftigten ihn zeit seines Lebens.

Professioneller Musiker zu werden war nie sein Ziel. Er besuchte zwar den Vorkurs der Jazzschule St.Gallen, doch wollte er finanziell nicht von der Musik abhängig sein. So bewahrte er sich die kreative Freiheit. Nach der Zweitwegmatura studierte Troxler Politikwissenschaften an der Universität Zürich. Vor allem die internationale Politik und die globalen Zusammenhänge interessierten ihn.

Beruflich stieg er zunächst bei den St.Galler Velokurieren ein und schliesslich bis in die Geschäftsleitung auf. Jahrelang konnte man Troxler mit dem Velo durch die Stadt St.Gallen flitzen sehen, wo er nach seiner Jugend in Speicher auch wohnte. Draussen sein in der Natur, sich bewegen, das gefiel ihm.

Bild: PD

Wer mit Thomas Troxler ins Gespräch kam, erinnerte sich meist noch lange daran. Denn er betrieb keinen oberflächlichen Smalltalk, sondern tauchte schnell tiefer, und so mancher spontane Schwatz mit ihm endete in einer tiefgründigen Diskussion. Er konnte auf die unterschiedlichsten Menschen zugehen und sie auf der persönlichen Ebene abholen. Troxler war ein interessanter Gesprächspartner, sei es in politischen Diskussionen, beim musikalischen Fachsimpeln oder beim Nachdenken über die grossen philosophischen Fragen. Mit seiner sanften Stimme sprach er die Dinge direkt an.

Diese Stimme wird fehlen. Den vielen Freundinnen und Freunden, die Thomas Troxler durch seine feine Art und seine vielseitigen Interessen gewonnen hat. Und der St.Galler Musikszene, die einen ihrer eigenwilligsten Drummer verliert.